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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Zweikindersystem - Zwerchfell.

unter drei Jahren bestraft werden soll. Zugleich ist auf Dienstentlassung zu erkennen. Den Vorgesetzten, welcher die Herausforderung annimmt oder den Z. vollzieht, treffen dieselben Strafen. Im übrigen gelten in dieser Hinsicht für Militärs die Vorschriften des allgemeinen Strafgesetzbuchs. Hiernach sind also auch die Duelle der Offiziere strafbar, womit allerdings die in der deutschen Armee herrschende Auffassung, daß trotz der Ehrengerichte (s. d.) ein Z. unter Umständen für den Offizier aus dienstlichen Rücksichten geboten, und daß eine Ablehnung des Duells die Entlassung aus der Armee nach sich ziehen müsse, im Widerspruch steht. In der englischen Armee ist der Z. namentlich auf Betreiben des Prinzen Albert und des Herzogs von Wellington abgeschafft worden. Die sogen. Studentenpaukereien, bei welchen gewisse Schutzvorrichtungen bestehen, wurden früher auf den deutschen Universitäten nur im Disziplinarweg geahndet. Das Reichsgericht hat jedoch auf Studentenmensuren mit scharfen Waffen die Vorschriften des Strafgesetzbuchs für anwendbar erklärt. Vgl. »Die konventionellen Gebräuche beim Z.« (2. Aufl., Berl. 1885); Châtauvillard, Duellkodex (deutsch, Karlsr. 1888); Gneist, Der Z. und die germanische Ehre (Berl. 1848); Hälschner, Über das Duell (Elberf. 1868); Du Verger de St.-Thomas, Du duel, histoire, législation, etc. (Par. 1879); Keyserling, Erörterungen über das Duell (Dorp. 1883); Puglia, Del duello (Tur. 1885); Truman, The field of honour (New York 1885, geschichtlich); Gelli, Il duello nella storia della giurisprudenza (Flor. 1886); Thümmel, Der gerichtliche Z. und das heutige Duell (Hamb. 1887); Ofenheim, Das Wesen des Duells (Wien 1888); Kohut, Buch berühmter Duelle (Berl. 1888).

Zweikindersystem, s. Bevölkerung, S. 856.

Zweikorn, s. v. w. Amelkorn, s. Spelz.

Zweimächtige Staubgefäße, s. Didynama stamina.

Zweimännig, s. Diandrus.

Zweiprämiengeschäft, s. Börse, S. 238.

Zweisamenlappige Pflanzen, s. Dikotyledonen.

Zweischaller, s. Nachtigall.

Zweischattige, s. Amphiscii.

Zweischneidiges Prämiengeschäft, s. Börse, S. 238.

Zweisieder, s. Dampfkessel, S. 450.

Zweites Gesicht (engl. Second sight), ein besonders in Schottland und Nordengland herrschender Glaube, daß gewisse Personen die Gabe besitzen, Zukünftiges vorauszusehen und namentlich alle demnächst dem Tod anheimfallenden Bekannten zuvor mit geistigem Auge zu erkennen, indem sie entweder nächtlich ihren Leichenzug sehen oder sie allein in der Kirche erblicken etc. Sieht der Seher sich selbst mit verkehrtem Plaid, so weiß er, daß er sich zum Tod vorbereiten muß. Oft beschränkt sich jedoch die Seherkraft darauf, daß kommender Besuch vorausgesehen oder die Rückkehr eines Abwesenden vorher verkündet wird. Auch in Deutschland erzählt man sich viel Wunderbares von dem zweiten Gesicht, welches man im Plattdeutschen die Gabe, »Schicht to kiken«, nennt. Es gibt verschiedene Mittel, um diese Gabe zu erlangen oder »schichtig« zu werden; wer sie aber besitzt, gilt für unglücklich, weil er den Spuk sehen muß, so oft er kommt, und die Fähigkeit nur los wird, wenn er sie auf einen andern überträgt. In der Vendée glaubt man, daß jeder, der bald stirbt, entweder einen Leichenzug mit einer Leiche, in der er sich erkennt, erblickt, oder einen mit einem Leichentuch bedeckten Nachen, der vorübergleitet, und dessen Führer den Namen des Toten ruft. Im übrigen Frankreich sieht man den »Totenwagen« vor dem Haus vorüberfahren, in welchem jemand sterben soll. Jedenfalls hängt der Glaube an das zweite Gesicht mit dem an ein Vermögen der Ahnung (s. d.) zusammen, obschon es sich mit dem Vorgefühl des eignen Todes ganz anders verhält als dem fremder Personen. Z. G. nennt man auch das Doppeltsehen (Deuteroskopie) oder die nach dem Volkswahn gewissen Menschen verliehene Fähigkeit, zu gleicher Zeit an zwei Orten gesehen zu werden, wo dann das eine Gesicht der wirkliche Mensch, das zweite bloß dessen gespenstisches Schattenbild ist. Solche Doppelgänger sollen meist besondern Unglücksfällen ausgesetzt sein und sterben, sobald sie sich selbst erblicken. Vgl. Horst, Deuteroskopie (Frankf. a. M. 1830, 2 Bde.); du Prel, Das Zweite Gesicht (Bresl. 1882).

Zweiundzwanziger, s. Deutsche Union.

Zweiweibig, s. Digynus.

Zweiwuchs (Zwiewuchs), s. v. w. Rachitis (s. d.). Auch s. v. w. Distichiasis (s. Trichiasis).

Zweizahn, Pflanzengattung, s. Bidens.

Zwenkau, Stadt in der sächs. Kreis- und Amtshauptmannschaft Leipzig, am Floßgraben, unweit der Elster und an der Linie Gaschwitz-Meuselwitz der Sächsischen Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, Korbwaren-, Zigarren- und Lampionsfabrikation, Schuhmacherei, eine Pulvermühle und Salpetersiederei, 2 Dampfmühlen, eine Dampfbrauerei, 11 Ziegeleien und (1885) 3392 Einw.

Zwenke, s. Brachypodium.

Zwentibald (Zwentibold), natürlicher Sohn Arnulfs von Kärnten, geb. 871, nach seinem Paten, dem Mährenfürsten Zwentibold oder Swatopluk (s. d.), genannt, ward 895 zum König von Lothringen gekrönt, reizte durch Ungerechtigkeit und Gewaltthaten die Großen zum Aufruhr und verlor, nachdem es ihm nicht gelungen, nach seines Vaters Tode die ostfränkische Krone zu erhalten, 900 in einer Schlacht gegen die Aufständischen an der Maas Sieg und Leben.

Zwerchfell (Diaphragma), die an den Rändern muskulöse, in der Mitte sehnige Haut, welche bei den Säugetieren quer zwischen Brust- und Bauchhöhle ausgespannt ist und beide voneinander trennt. Beim Menschen (s. Tafel »Eingeweide I«, Fig. 2; II, Fig. 3) befindet sich in ihrem mittlern Teil eine Öffnung, durch welche die aus dem Unterleib zum Herzen emporsteigende untere Hohlvene hindurchgeht. Weiter hinten wird das Z. von der Speiseröhre durchbohrt, und ganz hinten längs der Wirbelsäule tritt die Aorta in die Bauchhöhle sowie zwei Venen aus dieser in die Brusthöhle. Das Z. unterstützt das Herz und die Lungen, die auf seiner obern Fläche ruhen, und trägt auch die Leber, den Magen und die Milz, indem von dem seine untere Fläche überziehenden Teil der Bauchhaut Bänder zu diesen Eingeweiden hingehen. Bei der Atmung spielt es eine große Rolle, indem nämlich durch die unwillkürliche Zusammenziehung seiner Muskelfasern die konvexe Wölbung sich verflacht. Hierdurch wird die Brusthöhle erweitert, und damit tritt die Luft in die sich ausdehnenden Lungen (Einatmung). Läßt die Kontraktion nach, so steigt es nach oben und bewirkt so die Ausatmung. Durch die Senkung des Zwerchfelles und die gleichzeitige Zusammenziehung der in der Wandung des Bauches liegenden Muskeln erleidet der gesamte Inhalt der Bauchhöhle einen Druck (sogen. Bauchpresse), der einesteils zur Entleerung des Darms und der Blase dient, andernteils aber auch beim Erbrechen mithilft. Auf meist örtlichen Erkrankungen des Zwerchfelles beruht der Zwerchfellkrampf oder das Schluchsen (s. d.). - Den Fischen und Amphibien fehlt das Z. gänzlich,