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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Zwiebel - Zwillingskristalle.

dem Längsdurchschnitt im Grunde der Z. als ein niedergedrückter, fast scheibenförmiger Teil erscheint. Diese Zwiebelscheibe (Zwiebelkuchen) treibt an ihrem Rand, unterhalb der äußersten Zwiebeldecken, die einfachen Nebenwurzeln in den Boden, während eine Pfahlwurzel fehlt, so daß die untere Fläche der Zwiebelscheibe glatt ist. Im Innern der Z. befindet sich die Knospe des Blütenstengels oder die Basis desselben, wenn er schon hervorgetrieben ist, als unmittelbare Fortsetzung der Zwiebelscheibe. Bei Pflanzen, die eine Z. besitzen, ist sie der überwinternde Teil, aus welchem im Frühjahr der Blütenstengel mit den Laubblättern hervorwächst. In den Achseln der Zwiebelschuppen können Knospen entstehen, die sich wiederum in Form von Zwiebeln ausbilden. Man nennt dieselben Zwiebelbrut, weil sie sich früher oder später von der Mutterzwiebel trennen und zur Vermehrung der Z. dienen. In einigen Fällen kommt auch eine Bildung von Zwiebeln in der Achsel von Laubblättern oder im Blütenstand vor; diese sogen. Brutzwiebeln sind ebenfalls Vermehrungsorgane (s. Vermehrung der Pflanzen). Die biologischen Verhältnisse der Zwiebelgewächse sind äußerst mannigfaltig. Vgl. Irmisch, Zur Morphologie der monokotylischen Knollen- und Zwiebelgewächse (Berl. 1850).

Zwiebel, Pflanzenart, s. Lauch.

Zwiebelfliege, s. Blumenfliege.

Zwiebelgewächse, Pflanzen aus den Familien der Liliaceen und Amaryllideen, welche eine ausdauernde Zwiebel besitzen, die in jedem Jahr neue Blätter und Blüten treibt. Viele Z. aus den Gattungen Hyazinthe, Tulpe, Lilie, Narzisse, Scilla, Allium, Kaiserkrone etc. gehören wegen ihrer prachtvollen Blüten (Blumenzwiebeln) zu den beliebtesten Zierpflanzen für Topf und Freiland, und der Handel mit den Zwiebeln, die im großen herangezogen werden (besonders in Holland), spielt mancherorten eine wichtige Rolle, wenn auch heute nicht mehr wie ehemals die Leidenschaft der Liebhaber u. Sammler einzelne Zwiebeln mit fabelhaften Preisen bezahlt (vgl. Tulipa). Viele Z. werden auch für den Winter- u. ersten Frühlingsflor angetrieben. Vgl. Rümpler, Die schön blühenden Z. (Berl. 1882); Brinckmeyer, Die Zwiebelzierpflanzen (2. Aufl., Ilmenau 1889).

Zwiebelkuppel, s. Dach.

Zwiebelmondfliege, s. Schwebfliegen.

Zwiefalten, Dorf im württemberg. Donaukreis, Oberamt Münsingen, an der Zwiefaltener Ach, 534 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, eine ehemalige reichsunmittelbare Benediktinerabtei, jetzt Irrenanstalt, und (1885) 966 Einw. Vgl. Holzherr, Geschichte der ehemaligen Abtei Z. (Stuttg. 1887).

Zwiesel, Süßkirschenbaum, s. Kirschbaum, S. 788.

Zwiesel, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Niederbayern, Bezirksamt Regen, am Schwarzen Regen, der hier aus der Vereinigung des Großen und Kleinen Regen entsteht, und an der Linie Rosenheim-Eisenstein der Bayrischen Staatsbahn, 580 m ü. M., hat eine kath. Kirche, 2 Forstämter, einen Handels- und Gewerberat, bedeutende Glas-, Zündholzdraht- und Wirkdrahtfabrikation, Sägemühlen und (1885) 3006 meist kath. Einwohner.

Zwieselalpe, s. Gosau.

Zwiewuchs, s. Zweiwuchs.

Zwilch, Zwillich, s. Drell.

Zwillinge (Gemelli, Didymi), zwei zu gleicher Zeit in derselben Mutter reifende Embryonen. Ob sie durch einen und denselben Geschlechtsakt oder in zwei kurz aufeinander folgenden erzeugt werden, ist noch nicht festgestellt. Gewöhnlich hat jeder von den beiden Embryonen seine eignen Eihäute, selten sind beide in ein gemeinschaftliches Ei eingeschlossen. In der Regel liegen die menschlichen Z. im Leib der Mutter so, daß das eine Kind mit dem Kopf nach unten, das andre nach oben gerichtet ist. Da Z. des beschränkten Raums wegen nicht gut zur gewöhnlichen Größe des Fötus gelangen können, so erfolgt die Geburt, bei welcher die eine Frucht der andern meist um einige Stunden vorangeht, gewöhnlich leicht. In manchen Fällen sind Z. einander zum Verwechseln ähnlich und bleiben so bis in ihre reifern Jahre. Die Sterblichkeit der Z. ist bedeutender als die andrer Kinder. Das Vorkommen von Mehrgeburten scheint unabhängig zu sein von Klima, Rasse, äußern Lebensverhältnissen etc. Auf 1000 Geburten entfallen 12,08 Zwillings-, 0,156 Drillings- und 0,0018 Vierlingsgeburten. Fünflinge sind äußerst selten. Die eheliche Mehrgeburtsziffer dürfte etwas größer sein als die uneheliche. In den Städten ist das Verhältnis der Mehrgeburten kleiner als auf dem Land. Von den Zwillingsgeburten sind im Durchschnitt 63,6 Proz. gleichgeschlechtlich und 36,4 Proz. ungleichgeschlechtlich. Von den Drillingsgeburten sind etwa 50 Proz. ungleichgeschlechtlich, und unter diesen herrschen diejenigen vor, welche sich aus zwei männlichen und einer weiblichen Frucht zusammensetzen. Unter 100 Zwillingsgeburten leben etwa 80mal beide Kinder, 15mal lebt nur ein Kind, und 5mal sind beide Kinder tot. Nach Hecker sterben 15 Proz. der Z. in den ersten 8 Tagen nach der Geburt. Die Zwillingsgeburten mit nur weiblichen Kindern zeigen die größte, die mit nur männlichen Kindern die geringste Lebensfähigkeit. Es scheint, daß für eine Frau die Wahrscheinlichkeit der Zwillingsschwangerschaft um so größer ist, in je höherm Alter sie sich verheiratet. Nach Hegar steigt die Neigung zu Zwillingsgeburten auch mit der Wiederholung der Schwangerschaft. Die Sterblichkeit der Mutter ist bei Mehrgeburten etwa dreimal größer als bei Einzelgeburten. Vgl. Kleinwächter, Die Lehre von den Zwillingen (Prag 1871). - Das unter dem Namen »siamesische Z.« bekannte Zwillingspaar Chang und Eng, welches zu wiederholten Malen 1829 und 1870 in Europa umherreiste und sich für Geld sehen ließ, war durch einen etwa armdicken organischen Strang in der Höhe des Nabels miteinander verbunden. Die siamesischen Z. waren 1811 in der Stadt Macklong in Siam von eingewanderten chinesischen Eltern geboren und haben in einer Doppelehe mit zwei Schwestern 18 Kinder erzeugt. Sie starben nach einem langen, in fast ungestörter Gesundheit vollbrachten Leben 1874; von allen derartigen, bisher beobachteten Doppelbildungen haben sie das höchste Alter erreicht. Die Sektion ergab bei ihnen, daß in dem Strang nur Falten des Bauchfelles, nicht auch sonstige Organe lagen. Vgl. Virchow in der »Berliner Klinischen Wochenschrift« 1870.

Zwillinge, 1) das dritte Sternzeichen der Ekliptik (♊); 2) Sternbild zwischen 89-121° Rektaszension und 11-32½° nördlicher Deklination, nach Heis 106 mit bloßem Auge sichtbare Sterne enthaltend, darunter Pollux von erster und Kastor von zweiter Größe, beide in den Köpfen des Bildes, ein Stern zweiter Größe (γ) am Fuß des Pollux und ein veränderlicher (ζ), dessen Lichtintensität in 10 Tagen 3 Stund. 48 Min. zwischen 3,7 und 4,5 Größe schwankt.

Zwillingskristalle, gesetzmäßig verwachsene Kristalle derselben Mineralspezies. Wiederholt sich die