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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ägypten

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Ägypten (Statistisches, Geschichte)

vernorate und 14 Mudiriehs, wozu noch 4 Oasen in der Libyschen Wüste kommen. Die Bevölkerung ist zum allergrößten Teil (6,581,915) seßhaft, Nomaden sind nur 224,466 Beduinen; doch sind unter die seßhafte Bevölkerung 21,513 Beduinen gerechnet, welche nur halb seßhaft sind. Nach der am 3. Mai 1882 veranstalteten Volkszählung verteilte sich die Bevölkerung auf die einzelnen Verwaltungsbezirke und Volksbestandteile wie folgt:

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Verwaltungsbezirke Kulturfläche Bevölkerung nach dem Zensus vom 3. Mai 1882

G. = Gouvernement Qkilom. Seßhafte Ägypter Beduinen Fremde Gesamtbevölkerung Auf 1 qkm

M. = Mudirieh halbseßhafte Nomaden

G. Alexandria 180,4 181200 503 - 49693 231396 -

" Arisch, El 0,5 2629 304 987 3 3923 -

M. Behera 2413,8 364050 7082 26020 1704 398856 165

" Beni Suef 1220,9 193305 1448 24671 149 219573 180

" Dalahlich 2411,2 578144 4384 1829 1676 586033 243

G. Damiette 11,7 43501 1 - 114 43616 -

M. Esna 861,6 221813 2527 13569 52 237961 276

" Fayûm 1277,0 200967 135 27193 414 228709 184

" Gerga 1688,6 515972 23 5288 130 521413 389

" Gharbieh 6062,5 908041 1579 17321 2547 929488 155

" Gisa 956,4 274406 215 8268 194 283083 297

G. Isthmus u. Suez 27,7 24037 234 - 8200 32471 -

" Kairo 15,7 352416 772 - 21650 374838 -

M. Kaliubieh 912,4 254198 712 15884 597 271391 298

" Kena 1409,9 383819 45 22832 162 406858 289

G. Kossir 0,4 2190 240 - - 2430 -

M. Menusieh 1654,8 642609 433 2079 892 646013 390

" Minia 1999,7 294655 79 19745 339 314818 157

Oase Baharieh ? 5436 - - - 5436 -

Oase Chargeh ? 6166 - - - 6166 -

Oase Dachel ? 15293 - - - 15293 -

Oase Farafrah ? 466 - - - 446 -

Oase Siwa ? 3346 - - - 3346 -

G. Rosette 63,5 19267 - - 111 19378 -

M. Scharkieh 2344,3 435380 553 26918 1804 464655 198

" Siut 2174,6 549776 44 11862 455 562137 278

Zusammen: 27687,4 6473062 21313 224466 90886 6809827 246

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Bei der Verarbeitung der Zensusresultate war die Zählung von Siwa nicht eingelaufen; von der verbleibenden Bevölkerung von 6,806,381 Seelen waren 3,410,073 Personen weiblichen und 3,396,308 männlichen Geschlechts. Unter den 90,886 Ausländern waren 37,301 Griechen, 18,665 Italiener, 15,716 Franzosen, 8022 Österreicher, 6118 Engländer, 948 Deutsche, 637 Belgier, 589 Spanier, 533 Russen etc.; Perser und andre Asiaten 1153. Die volkreichsten Orte waren nach der Zählung Kairo 374,838 Einw., Alexandria 227,064, Damiette 34,044, Tanta 33,750, Siut 31,398, Mehalla el Kobra 27,823, Mansura 26,942, Fayûm 25,799, Zakasik 19,815, Damanhur 19,624, Rosette 16,666, Port Said 16,560, Menuf 16,293, Schibin el Kom 16,250, Minia 15,900, Kena 15,402, Gerga 14,819, Tahta 13,787, Manfalut 13,232, Gizeh 11,410, Mil Ghamr 11,233, Sifta 11,087, Suez 10,919, Maltawi 10,777, Abu Tig 10,770, Beni Suef 10,085

Die Kulturfläche Ägyptens wird nach Abrechnung der vier Städte Kairo, Alexandria, Damiette und Rosette und des Isthmus auf 20,842 qkm, die Totalfläche aller Kulturen mit Ausnahme der Weingärten und Baumpflanzungen (7,3 qkm) in dieser Begrenzung auf 25,769 qkm angegeben, so daß also 24 Proz. des Bodens (30 in Unter- und 16 in Oberägypten) mehrmals bepflanzt werden. In Prozenten entfallen von den Kulturen in Unterägypten 54,7 Proz. auf Winterkulturen, 28,5 auf Sommerkulturen und 16,8 Proz. auf Herbstkulturen, und zwar entfallen 22,3 auf Baumwolle, 17,5 auf Weizen, 16,6 auf Klee und 16 Proz. auf Mais. In Oberägypten dagegen kommen 78,1 Proz. auf Winterkulturen und nur 11,1 auf Sommer-, 10,8 auf Herbstkulturen und zwar 24,3 auf Weizen, 17,6 auf Saubohnen, 13,5 auf Klee, 12,3 Proz. auf Durra. Danach sind also in ganz Ä. 20,3 Proz. mit Weizen, 14,1 mit Baumwolle, 11,2 Proz. mit Mais bestellt. Der Baum- und Weinkultur waren in Unterägypten 2169, in Oberägypten 1504 Hektar gewidmet. Im Delta herrschen Orangen- und Zitronenbäume, im Nilthal Feigenbäume vor; von Dattelpalmen hatte Unterägypten 1,097,552, Oberägypten 2,355,122 Stück.

Geschichte. Sudân ging für Ä. durch den Untergang Gordons in Chartum (26. Jan. 1885) völlig verloren; die Unternehmung des Generals Wolseley zur Rettung Gordons kam zu spät, und eine Wiedereroberung des Landes wurde auch nach dem Tode des Mahdi (28. Juni 1885) nicht versucht; Wadi Halfa blieb die südliche Grenzstation des ägyptischen Reichs. Auch in Suakin beschränkten sich die englisch-ägyptischen Truppen auf die Verteidigung und unternahmen nur ab und zu Vorstöße, um die räuberischen Scharen Osman Digmas u. a. zurückzutreiben. 1885 gelang es der englischen Regierung, 17. März mit den Großmächten eine Vereinbarung über die Aufnahme einer ägyptischen Anleihe von 9 Mill. Pfd. Sterl. (180 Mill. Mk.) unter Bürgschaft der Mächte zu stande zu bringen, worauf die Entschädigungsgelder für die durch das Bombardement von Alexandria verschuldeten Eigentumsverluste bezahlt werden konnten. Die Finanzen hoben sich infolge der Rückkehr des Vertrauens zum Frieden u. zum Bestand der Dinge in Ä. und durch die vortreffliche Verwaltung der Engländer schon 1885 so, daß ein erheblicher Überschuß am Schluß des Jahrs vorhanden war; derselbe mehrte sich 1886 und erlaubte, von der eingeführten Zinsscheinsteuer von 5 Proz. abzusehen. Die englische Regierung sandte 1885 Sir Henry Drummond Wolff nach Konstantinopel, um mit der Pforte über Ä. zu verhandeln. Derselbe wich der Übernahme einer Verpflichtung zur Räumung Ägyptens binnen einer gewissen Frist geschickt aus und bewog den Sultan, Mukhtar Pascha als türkischen Oberkommissar nach Kairo zu senden. Diesem und dem englischen Kommissar wurde durch die englisch-türkische Konvention vom 24. Okt. 1885 die Neuordnung der Justizverwaltung, des Finanz- u. Heerwesens übertragen; die Räumung des Landes durch die Engländer solle erfolgen, wenn beide Kommissare sich dahin ausgesprochen und England und die Pforte sich dann darüber verständigt hätten. Diese Konvention wurde auch teilweise ausgeführt. Unter dem zweiten Kabinett Salisbury schloß Wolff im Mai 1887 mit der Pforte einen neuen Vertrag ab, welcher die Neutralisierung des Suezkanals anerkannte und die Abänderung der Kapitulationen festsetzte; die Fremden sollten besteuert werden dürfen und ihr Recht von gemischten Tribunalen nehmen. In betreff der Räumung Ägyptens wurde festgesetzt, daß die Besetzung durch die Engländer noch drei Jahre vom Tag der Ratifikation des Vertrags ab dauern, die kommandierenden Offiziere noch weitere