Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Alexander; Alfeld; Alfons; Alfred; Algen; Algerien

21

Alexander - Algerien

sich meist streng abgeschlossen in Gatschina auf. Auf der Rückkehr von einer Reise nach dem Kaukasus entging der Zar mit seiner Familie 29. Okt. 1888 bei Borki (zwischen Asow und Charkow) auf wunderbare Weise dem Tod, indem der kaiserliche Zug entgleiste und den Abhang hinunterstürzte. Der' ungemein herzliche Empfang, der ihm nach seiner Rettung in allen Städten, besonders in Petersburg, zu teil wurde, erfüllte ihn mit neuem Vertrauen zur Nation.

23) Karageorgewitsch, Fürst von Serbien, welcher 1871 von dem ungarischen Gericht wegen Beteiligung an der Ermordung des Fürsten Michael Obrenowitsch (1868) zu acht Jahren Kerker verurteilt worden war, starb 3. Mai 1887 in Temesvár.

24) A. I., König von Serbien,* geb. 14. Aug. 1876, einziger Sohn des Königs Milan Obrenowitsch und der Königin Natalie, gebornen Keschko, Pate des Zaren Alexander III., erhielt eine treffliche Erziehung. Als zwischen seinen Eltern der Zwiespalt ausbrach, suchte seine Mutter ihn ganz an sich zu ziehen, nahm ihn auf ihren Reisen nach Rußland und Deutschland mit sich und verweigerte 1888 in Wiesbaden die von König Milan verlangte Herausgabe des Sohns, der ihr darauf 13. Juli durch Polizei weggenommen und nach Belgrad gesandt wurde. Durch die Thronentsagung seines Vaters ward A. 6. März 1889 König von Serbien, zunächst unter der Leitung einer Regentschaft. Die Aufsicht über seine Erziehung behielt sich Milan vor. Nach der Kossowofeier (s. d., Bd. 17) wurde A. 2. Juli 1889 in Kraljewo gesalbt.

Alexander, Sir James Edward A. of Westerton, engl. Reiseschriftsteller, starb im April 1885.

Alfeld, (1885) 3469 Einw.

Alfons, 20) A. XII., König von Spanien, empfing im November 1883 den Besuch des deutschen Kronprinzen, dem er mit Genugthuung seine Truppen vorführte. Als 1885 die Cholera in Spanien ausbrach, griff er, indem er die am meisten betroffenen Orte persönlich besuchte, mit Energie und Mut selbst ein, um zu helfen und weiterer Gefahr vorzubeugen. Seine Einsicht und Mäßigung bewährte er in der Karolinenfrage, die eine von ehrgeizigen Politikern geschürte Aufregung in Madrid hervorgerufen hatte, deren friedliche Beilegung er aber nicht mehr erlebte. Er starb 25. Nov. 1885 in dem Schloß Pardo an der Schwindsucht, noch nicht 28 Jahre alt; seine Leiche ward im Escorial beigesetzt. Sein Tod war für Spanien ein sehr schwerer Verlust, da seit langer Zeit zum erstenmal wieder in A. Spanien ein ebenso wohlwollender wie begabter Herrscher von reinen Sitten und idealer Anschauung geschenkt war. Seine Witwe Maria Christine von Österreich übernahm die Regentschaft, zuerst für ihre älteste Tochter, Mercedes, dann, nachdem sie 17. Mai 1886 einen Sohn, Alfons XIII., geboren, für den jungen König.

Alfred, 2) Ernst Albert, Herzog von Edinburg und zu Sachsen, ward 1882 zum Vizeadmiral befördert und mit dem Kommando der Station des Mittelländischen und Roten Meers betraut. Zum Nachfolger des Herzogs Ernst II. von Koburg-Gotha ist sein Sohn, Prinz Alfred, geb. 15. Okt. 1874, ausersehen, der in Deutschland erzogen wird.

Algen. Die im Wasser wachsenden grünen A. nehmen Kohlensäure aus dem Wasser auf und geben an dasselbe Sauerstoff ab, welcher die im Wasser gelösten organischen Substanzen oxydiert und daher das Wasser reinigt. Vermehren sich die A. sehr stark, wachsen sie sehr üppig, so können sie lästig werden, namentlich wenn der Wasserspiegel sinkt und die aufs Trockne geratenen A. absterben und faulen. Dergleichen kommt besonders bei Cladophora und Spirogyra vor. Die als sogen. Wasserblüte auftretenden A., welche auf weite Strecken das Wasser bedecken, sollen den Fischen verderblich werden, indem die kleinen Körnchen der A. in die Kiemen geraten und den Atmungsprozeß stören. Derartige A. sind: Polycystis ichtyoblabe Kg., Clathrocystis aeruginosa Henfr., Anabaena flos aquae Kg. Sterben dieselben, was selten eintritt, im Wasser ab, dann erfüllt sich letzteres mit so viel faulender organischer Substanz, daß es den Fischen und dem zur Tränke getriebenen Vieh verderblich wird.

Algerien. Nach der Zählung vom 30. Mai 1886 betrug die Bevölkerung:

Departements Territoire civil Territoirs militaire Zusammen Auf 1 qkm

Algier 1202768 177773 1380541 13

Oran 752554 210885 963439 11

Konstantine 1369153 197266 1566419 12

Zusammen: 3324475 585924 3910399 12

Dazu kommen noch 50,000 Einw. in den zur Kolonie gerechneten 349,000 qkm der algerischen Sahara, so daß die Gesamtbevölkerung sich auf 3,960,400 beläuft. Die innere Kolonisation, welche 1878 der bürgerlichen Verwaltung erst 48,655 qkm mit 1,183,036 Einw., 1881 schon 98,871 qkm mit 2,307,103 Einw. unterworfen hatte, ist seitdem mehr in Bezug auf Fläche als auf Bevölkerung fortgeschritten, da 1886: 119,203 qkm dem Zivilterritorium angehörten. Von den Städten hatten Algier 74,792, Oran 67,681 und Konstantine 44,960 Einw. Der Staatsangehörigkeit nach setzte sich die Bevölkerung zusammen aus 261,591 Franzosen, wovon 35,925 Militär, 42,744 Israeliten, 3,274,354 Arabern, Kabylen, Mzabiten, wovon 7532 Militär, 5055 Tunesiern, 19,005 Marokkanern und 214,716 Personen verschiedener Nationalität, wovon 4513 Militär. Die Personen verschiedener Nationalität sind zur Hälfte Spanier, dann folgen Italiener, Malteser, Deutsche u. a. Bemerkenswert ist, daß seit einigen Jahren auch bei den Franzosen die Geburtszahl eine größere geworden ist und nur noch bei den Deutschen hinter den Sterbefällen zurückbleibt. Auf natürlichem Weg würde sich die Bevölkerung in 56 Jahren verdoppeln. Aber noch rascher wächst die einheimische mohammedanische Bevölkerung. Die Kolonie wird ein immer wichtigeres Absatzgebiet für Frankreich. Unmittelbar nach der Eroberung betrug der gesamte Außenhandel erst 8 Mill. Frank, bis 1850 stieg derselbe auf 82,9, 1864 auf 244,5, 1872 auf 361,6, 1880 auf 472,3, 1888 auf 420 Mill. Fr. Der Viehstand belief sich Ende 1887 auf 192,678 Pferde, 140,899 Maultiere, 297,380 Esel, 299,077 Kamele, 1,210,159 Rinder, 10,854,088 Schafe, 4,892,149 Ziegen und 87,001 Schweine. Die landwirtschaftliche Bevölkerung Algeriens betrug 31. Dez. 1887: 3,246,299 Köpfe, wovon 200,958 Europäer und 3,039,341 Eingeborne. Das für den landwirtschaftlichen Betrieb vorhandene Material darf auf 27 Mill. Fr. angenommen werden. Heuschrecken sind noch immer eine große Plage der Landwirte; der durch sie 1887-88 verursachte Verlust ist auf 24,860,000 Fr. abgeschätzt, wovon 21,190,000 Fr. auf die Einheimischen und 3,670,000 Fr. auf die Europäer entfallen. Zur Vernichtung dieser Plage wurden für 400,000 Fr. 6000 Vertilgungsmaschinen angeschafft und für 170,750 Doppelhektoliter Eier eine Prämie von 256,125 Fr. gezahlt. Ein immer wichtigerer Artikel wird der Wein, mit dem 1884 erst 60,000 Hektar, 1888 aber 120,000