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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Amerika

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Amerika (Forschungsreisen seit 1880)

Pueblo und Zuñiindianer als die Nachkommen der vorhistorischen Bevölkerung erkannt haben, deren Berieselungskanäle, Steinwerkzeuge, Töpfereien, Felsenhäuser (casas grandes) und Inschriften so viel Aufmerksamkeit erregt haben.

In Mexiko, wo schon längst eine geographische Gesellschaft manches für die Landeskunde gethan hat, ist endlich 1989 eine Comision geografica esploradora unter Leitung von Agustin Diaz ins Leben getreten, die sich auch mit naturwissenschaftlichen Fragen beschäftigen und im allgemeinen nach Art des ähnlichen Instituts in Kanada arbeiten wird. Von Forschungsreisen verdienen Beachtung diejenigen von Désiré Charnay (1880-82) nach den Ruinenstätten Südmexikos, Yucatans und Guatemalas. N. F. E. ten Kates (1883) ethnologische Forschungen in Sonora und Niederkalifornien, W. Millers Reise (1888) in noch unerforschte Teile Yucatans und F. Schwatkas Forschungen in Chihuahua (1889), wo er ungeahnte fruchtbare Ländereien entdeckt haben will. Endlich hat F. G. Weidner (1882) eine Karte von Sonora veröffentlicht, die auf eignen Aufnahmen beruht.

In Mittelamerika hat E. Rockstroh (1878-82) einen großen Teil Guatemalas erforscht und namentlich auch die Vulkane bestiegen und die alten Ruinenstätte aufgesucht, während sich O. Stolle (1878-83) mehr den ethnographischen und wirtschaftlichen Verhältnissen zuwandte. Auch A. P. Maudsley (1882) besuchte Ruinenstätten. In Britisch-Honduras hat der Gouverneur Goldsworthy (1888) zum erstenmal die Coxcomb Mountains (Hahnenkamm) bestiegen. Dem Anfang des Baues des Nicaraguakanals (s. d., Bd. 17) sind genauere Aufnahmen durch den Ingenieur Menocal vorangegangen. In Costarica haben sich C. Bovallius, Bischof F. A. Thiel (1882) u. A. L. Pinart (1882-88) durch Reisen in den Süden des Landes und unter die Indianerstämme der Chiriquilagune verdient gemacht, während H. Polakowsky unsre Kenntnis der Flora förderte.

Nach Südamerika übertretend, richten wir unsre Aufmerksamkeit zunächst auf die langen Reihen der Andes und der von ihnen eingeschlossenen Tafelländer. Im N., mit Venezuela anfangend, finden wir W. Sievers (1884-85) in der Cordillera von Merida thätig. Später (1886) besuchte derselbe Forscher auch die Sierra Nevada de Santa Marta, die von F. A. A. Simons (1878-80) zuerst wissenschaftlich erforscht worden war. In den zentralen Kordilleren von Kolumbien hat F. v. Schenk (1878-81) zahlreiche Höhen gemessen, während A. Hettner (1883-84) die Ostkordillere namentlich in archäologischem Interesse durchreist hat. In Ecuador hat der erfahrene Bergsteiger E. Whymper (1880) zahlreiche Gipfel bestiegen, und seine Höhenmessungen stimmen in erfreulicher Weise mit denen von Reiß und Stübel überein. Das südliche Peru und die Umgebungen des Titicacasees bildeten 1888-89 das Forschungsgebiet des bereits genannten A. Hettner, der von La Paz aus auch in die Yungas hinabstieg. Große Verdienste um Bolivia hat sich der englische Ingenieur J. B. Minchin erworben, der dort vor sieben Jahren topographisch thätig war, und dem wir als neueste Gabe (1882) eine Karte der Provinz Oruro verdanken.

In Chile geschieht verhältnismäßig viel für unsre Wissenschaft, und namentlich ist das von Gormaz Vidal geleitete "Annuario hidrographico" eine Fundgrube wichtiger geographischer Nachrichten. Fast selbstverständlich richtete sich die Thätigkeit der jüngsten Zeit auf die im N. erst neuerworbenen, an Bolivia und Peru grenzenden Gebiete. Dort war Steinmann 1883 thätig, aber Bedeutenderes leistete die Expedition unter A. Bertrand (1884), welche das ganze Atacamaplateau zwischen 21 und 27° südl. Br. durchforschte. Ergänzt wurden diese Arbeiten durch F. Philippi (1885) und Jose Sanfelices (1886), der den Vulkan von Lincancaur bestieg. Für die mittlern Kordilleren lieferten zwei Deutsche, P. Güßfeldt (1884) und der Geolog A. Plagemann (1886), wichtige Beiträge. Noch weiter im S., in dem jetzt der Ansiedelung eröffneten Gebiet von Arauco, machten der ältere R. A. Philippi (1883) und der Geolog J. P. Sieveking einige Forschungen. Auch schickte Chile (1887) eine Expedition über den Lifen-Paß, die nachwies, daß viele Flüsse, die dem Großen Ozean zuströmen, schon jenseit der Kordilleren entspringen. Ebendasselbe wies R. Serrano (1884) weiter südlich (44° südl. Br.) in Bezug auf den Rio Palena nach.

In Argentinien herrscht eine rege wissenschaftliche Thätigkeit, und die rasch zunehmende Bevölkerung hat gewissermaßen zur Erforschung des Landes herausgefordert, denn indem sie das Zurückdrängen der wilden Indianer nach S. und N. hervorrief, hat sie die militärische Erschließung weiter Gebiete zu stande gebracht und friedlichen Forschern eine Bahn eröffnet. Was das Innere des Landes betrifft, so ist namentlich die Universität von Cordova ein Mittelpunkt wissenschaftlicher Forschung geworden. Von dort aus zogen A. Stelzner (1872-73), H. Brackebusch u. a. in die Andes und legten sie auf guten Karten nieder. Auch Gould, dem wir so viele Ortsbestimmungen verdanken, und A. v. Seelstrang, der Herausgeber einer großen Karte der Republik (seit 1882), sind Professoren an dieser Universität. In ähnlicher Weise wirkte Burmeister in Buenos Ayres und wirkt noch jetzt dort Hoskold als Vorstand einer geologischen Aufnahme.

Den Süden (Patagonien) eröffneten zuerst die militärischen Expeditionen von Roca (1879) u. Villegas (1881-83), durch welche die Indianer bis hinter den Rio Negro zurückgedrängt wurden. In diesen weiten Gebieten haben die frühern Forschungen von Musters (1869-70), Moreno (1875-79) Moyano (1876-79) u. Ramon Lista wesentliche Erweiterungen erfahren. Den Ostabhang der Kordilleren konnte Oberst J. Host (1880) als Folge von Rocas Expedition erforschen. Den Rio Negro befuhr (1881) Obligado u. (1883 bis 1884) O'Connor, dem wir genauere Aufnahmen verdanken. Die zweite Expedition des Generals Villegas (1882-83) galt namentlich dem Ostabhang der Andes und seinem Saumgebiet, und die gewonnenen Resultate sind in einer guten Karte von J. J. Rhode und A. Urtubey niedergelegt worden (1886). Demselben Gebiet galten die Reisen von H. J. Fontana (1887-88) und A. del Castillo (1888-89), ohne daß indes endgültige Resultate über den Verlauf der dortigen Flüsse und die Höhe der Pässe gewonnen worden wären. Die Umgebung des Golfs von San Matias ist von Lista (1880) untersucht worden, während sich Oberst Lina de Roa (1880) und Fontana (seit 1886) der Erforschung des Rio Chubut widmeten. Weiter im S. drang der unermüdliche Moyano (1880) in das Seegebiet am obern Santa Cruz vor und ging von dort nördlich zum Chubut, während A. del Castillo (1886) die Andeshänge im S. untersuchte und auch hier fand, daß die auf dem Hochland von Patagonien entspringenden Flüsse, die Kordilleren durchbrechend, nach W. abfließen. Endlich sei noch einer unter G. Steinmann (1883) von der Magelhaensstraße ausgehenden Expedition gedacht, die längs der Kordilleren bis 51° 40' südl. Br'. vordrang.