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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Amygdalitis - Anderson

abgetrennte und neugebildete Bezirk von Anadyr, welcher die Tschuktschenhalbinsel und das Becken des Anadyr umfaßt, und der Bezirk der Kommandeurinseln, welcher die Berings-, Kupfer- und Robbeninseln umfaßt. Zugleich wurde der Sitz der Verwaltung von Chabarowka nach Wladiwostok verlegt, das nebst der Murawiewhalbinsel und der Russischen Insel mit dem Südussuribezirk verbunden wurde.

Amygdalitis,* s. v. w. Mandelentzündung, s. Bräune (Bd. 3).

Amylenhydrat* (tertiärer Amylalkohol) C7H12O^[C_{7}H_{12}O] entsteht aus dem Fuselölamylen C5H10^[C_{5}H_{10}] bei Behandlung mit Jodwasserstoff oder Schwefelsäure. Es bildet eine farblose Flüssigkeit von scharfem Geschmack und Geruch, spez. Gew. 0,828, ist löslich in 8 Teilen Wasser, mischbar mit Alkohol und gibt bei Oxydation nicht wie der gewöhnliche Amylalkohol Baldriansäure, sondern Essigsäure und Aceton. Man benutzt es in Gelatinekapseln oder in Rotwein zur Hervorbringung von Schlaf, welcher meist schnell eintritt, bei genügender Dosis 6-8 Stunden dauert und nach den Versuchen an der Gießener Klinik dem normalen Schlafe völlig gleicht. Üble Zufälle, Vergiftungserscheinungen sind bis jetzt nicht beobachtet worden. Bei bestehenden Magen- oder Rachenaffektionen muß es im Klysma gegeben werden. Es wirkt schwächer als Chloral, aber stärker als Paraldehyd, erzeugt aber gleich diesem einen schlechten Geschmack und Geruch, besonders beim Erwachen.

Amylin,* dem Dextrin verwandte, nach rechts polarisierende, nicht vergärbare Substanz im Trauben-Zucker, wird bei der Dialyse nicht wie Dextrin zurückgehalten und gibt bei Behandlung mit Schwefelsäure Zucker. Man benutzt das A. zur Nachweisung von Traubenzucker, welcher bei der Wein- und Bierbereitung zugesetzt worden war.

Anaërobien,* s. Aërobien (Bd. 17).

Anamalai* (Annamally, "Elefantenberge"), isoliertes, aber zu den Westghats gerechnetes Berg- und Tafelland im Distrikt Koimbator der britisch-ind. Präsidentschaft Madras und im Tributärstaat Travankor, 80 km lang und 50 km breit, bei einer mittlern Erhebung von 1000 m, in einzelnen Spitzen bis über 2000 m hinausreichend. Es ist an seinem Fuß von dichtem, höchst ungesundem Dschangelwald bekleidet, in den höhern Lagen aber sehr gesund und hat prächtigen Pflanzenwuchs (Teakbäume, Ingwer, Kardamomen, Pfeffer, Sassaparille u. a.). Elefanten, Büffel, Tiger und andre wilde Tiere sind zahlreich, die wenigen menschlichen Bewohner gehören zum Stamm der Toda.

Anaradschapura,* großartige Ruinenstätte der alten Hauptstadt Ceylons und des Heiligtums des buddhistischen Kultus. Schon 437 zur Residenz erhoben, wuchs es zu mächtigem Umfang, nachdem 308 v. Chr. die heiligen Reste Buddhas hierher gebracht worden waren. Im J. 62 n. Chr. soll die Stadtmauer einen Umfang von 100 km gehabt haben. Als 769 die Residenz nach Pollonaruva verlegt wurde, bewahrte A. seine hohe Stellung als heilige Stadt, wurde aber Anfang des 13. Jahrh. von tamulischen Eroberern von Grund aus zerstört und blieb seitdem verödet.

Anarthrie* (griech.), eine auf teilweiser Lähmung der Zunge beruhende Sprachstörung, bei welcher der Kranke Worte nur artikulieren kann.

Anbrassen,* die Raaen eines Schiffs schräger zum Wind stellen, wenn dieser mehr von vorn kommt.

Ancenis, (1886) 4689 Einw.

Anchialos* (türk. Achiolu), Küstenstadt in Ostrumelien, auf einem Vorgebirge der Bucht von Burgas, Sitz eines griechischen Erzbischofs, hat 2 griechische Schulen und ca. 6000 Einw. (viel Griechen), welche Handel, Fischerei und Schiffahrt treiben. Die Ruinen der von den Apolloniaten gegründeten gleichnamigen antiken Stadt (Paläokastro) liegen 2 km westlich von der heutigen.

Ancona. Der Schiffahrtsverkehr zu Handelszwecken belief sich im J. 1887 auf 1157 eingelaufene Schiffe mit 439,008 Ton. und auf 1168 ausgelaufene Schiffe mit 441,742 T. Der durch die Schiffahrt vermittelte Warenverkehr umfaßte 205,220 T., davon 195,059 T. in der Einfuhr (hauptsächlich englische Kohlen, Getreide, Zucker, Schienen, Bauholz und Petroleum). In A. und in dem benachbarten Sinigaglia wurden in den letzten Jahren Zuckerraffinerien errichtet, die hauptsächlich Rübenzucker ausländischen Ursprungs verarbeiten.

Andelys, Les, (1886) 4087 Einw.

Andernach, (1885) 5785 Einw.

Andersen, 1) Hans Christian. Sein "Briefwechsel mit dem Großherzog Karl Alexander von Sachsen und andern Zeitgenossen" wurde von Jonas herausgegeben (Leipz. 1887).

2) Karl,* dän. Schriftsteller, geb. 26. Okt. 1828 als Sohn eines isländischen Kaufmanns zu Kopenhagen, genoß seine Erziehung in Reykjavik, studierte in seiner Vaterstadt die Rechte und wurde 1858 Assistent am naturhistorischen Museum von Rosenborg, später Inspektor und Schloßintendant daselbst. Von seinen zahlreichen Dichtungen lyrischen und epischen Inhalts erwähnen wir: "Strid og Fred" ("Streit und Friede", 1858); "Tonens Veje" ("DesTones Wege", 1862); "Reisebilleder" (1864); "Ved Arno og ved Ganges" ("Am Arno und Ganges", 1864); "Lys og Skygge" ("Licht und Schatten", 2. Aufl. 1868); "Poesier" (2. Aufl. 1870); "Romancer og Sange" (1880); "Over Skjär og Bränding" ("Über Klippe und Brandung", Erzählung aus Island, 1882); besonders aber die "Genrebilleder" ("Genrebilder", 1876-81), sieben Sammlungen, die den meisten Beifall fanden. Außerdem hat er Volkssagen von Island (1864, 2 Bde.) gesammelt und serbische Volkslieder unter dem Titel: "Gusle" (1875) übersetzt.

Anderson,* 3) Samuel, brit. Ingenieurmajor und Topograph, geb. 15. Nov. 1839 zu London, wurde 1858 Offizier und war 1859-62 Mitglied der Kommission, welche die Landgrenze zwischen den Vereinigten Staaten und den britischen Besitzungen festzustellen hatte. Nachdem er die betreffenden Karten in London vollendet hatte, ging er mit Hauptmann Wilson 1865-66 zu einer die spätere Aufnahme vorbereitenden Rekognoszierung nach Palästina und wurde dann 1872 Hauptmann und Astronom der nordamerikanischen Grenzkommission. Die Aufnahmen und Ausarbeitungen auf der Strecke vom Lake of the Woods bis zu den Felsengebirgen beschäftigten ihn bis 1876. Im J. 1879 beteiligte er sich als britischer Kommissar an der Festsetzung der neuen Grenze Serbiens und wurde bald darauf Major. Er starb 11. Sept. 1881 in Dalhousie Grange, Bonnyrigg in der schottischen Grafschaft Midlothian.

*4) Rasmus Björn, nordamerikan. Schriftsteller, geb. 12. Jan. 1846 zu Albion in Wisconsin als Sohn eines eingewanderten norwegischen Quäkers, war 1875-84 Professor der skandinavischen Sprachen an der Wisconsinuniversität zu Madison und wurde 1885 zum Ministerresidenten und Generalkonsul der Vereinigten Staaten in Kopenhagen ernannt. Seine Hauptschriften sind: "Den nordke Maaalsag" (Chicago 1874), den historischen Entwickelungsgang der