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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Asien (Forschungsreisen in Hochasien)

nie von europäischen Reisenden betretene Gegend) südwärts bis Sungpan, das schon in der chinesischen Provinz Setschuan liegt. Über den Kuku-Nor, das Gebirgssystem des Nanschan und quer durch die Gobi kehrte er nach Sibirien zurück, während Beresowski noch ein Jahr zu weitern zoologischen Studien in China zurückblieb. Die topographische Aufnahme einer Strecke von über 6400 km, zahlreiche astronomische und hypsometrische Beobachtungen, Photographien, über 1500 Pflanzenarten, 15,000 Insekten, ethnographische Gegenstände, Sprachstudien, Bücher, Handschriften, Vogelbälge, Tierfelle etc. sind die hauptsächlichsten Ergebnisse dieser dreijährigen Wanderungen.

Für das Jahr 1885 haben wir die Reisen von Carey und Dalgleish, Grombtschewski, Grum-Grshimailo, Needham und des Punditen M-H, ohne Ausnahme teils Engländer, teils Russen, zu verzeichnen. Carey, ein indischer Zivilbeamter, benutzte einen zweijährigen Urlaub, um in Dalgleishs Begleitung und zum Teil auf Prschewalskijs Spuren das Tarimbecken, die Gobi und das nördliche Tibet zu bereisen; seine Beobachtungen stimmen nicht immer ganz mit denen seines russischen Vorgängers, namentlich in dem Bergland Nordtibets. Die Entscheidung darüber, wer von beiden mehr Glauben verdient, muß die Zukunft bringen. Wichtig sind die Breitenbestimmungen von Dalgleish, der leider inzwischen am Karakorumpaß ermordet worden ist. Grombtschewski, ein russischer Offizier, erhielt 1885 den Befehl, die Grenze Ferghanas gegen China zu bestimmen; dabei dehnte er seine Forschungen, die sich auch auf den Handel, militärische Verhältnisse etc. bezogen, bis Kaschgar, Jarkand und Chotan aus, wobei ihm die Chinesen möglichst hinderlich waren. 1887 bereiste derselbe Offizier den Hindukusch und gelangte bis in das räuberische und Sklavenhandel treibende Chanat Kundschut, welches 1889 auch von dem englischen Offizier Durand besucht wurde; 1888 war er auf Pamir, in Wachan, Chinesisch-Turkistan und Kundschut; doch gelang es ihm nicht, bis zum Karakorumpaß vorzudringen und dort Anschluß an die englischen Aufnahmen zu gewinnen. Fast die Hälfte seiner Route führte durch bisher ganz unbekanntes Gebiet. Auch 1889 setzte er seine Wanderungen im S. des Hindukusch fort, über welche bei der Spannung zwischen England und Rußland wenig genug in die Öffentlichkeit dringt. 1886 und 1887 setzte Grum-Grshimailo (s. oben) seine in Ferghana begonnenen Forschungen auf dem Pamirhochland selbst fort, die, wie es scheint, vornehmlich topographischer Natur waren und die Arbeiten seiner Vorgänger in mancher Hinsicht erweiterten und vervollständigten. 1889 hat er mit seinem Bruder, welcher ihn schon früher begleitete, eine neue, auf zwei Jahre berechnete große Reise nach dem östlichen Thianschan, dem Lob-Nor und dem Altyn-Tagh angetreten.

I. F. Needhams und Molesworths Reise (Oktober 1885 bis Januar 1886) hatte als wichtigstes Ergebnis, daß der von A-K- (s. oben) besuchte Zajulfluß mit dem Lohit, einem Zufluß des Brahmaputra, identisch ist (ein weiteres Glied in der Kette von Beweisen für die Identität des Brahmaputra und Iarudsangpo). Als Arzt verkleidet, führte der indische Feldmesser M-H- 1885 eine Reise durch Nepal und das südliche Tibet aus, wobei er den Himalaja in einem seiner höchsten Pässe, dem Pangula (ca. 6000 m), überschritt und namentlich den Dudhkosifluß bis zu seiner Quelle erforschte. Der etwa gleichzeitig unternommene Versuch seines Kollegen

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R-N-, das letzte noch unbekannte Stück des Iarudsangpo, von Gjala Iong bis Assam, zu erforschen, scheiterte dagegen an dem feindseligen Verhalten der Tibeter; doch konnte er eine Rundreise um den Kintschindschinga ausführen. Dagegen gelang es 1886 (?) einem dritten dieser indischen Vermesser, K-P, d. h. Kinthup, von Gjala Iona aus dem Iarudsangpo bis zu einem nur 70 km von seinem Austritt aus dem Gebirge entfernten Punkt zu folgen und auch die letzten Zweifel an seiner Identität mit dem Brahmaputra zu heben. Diese Leistung ist um so höher anzuschlagen, als Kinthup bereits mehrere Jahre vorher zu diesem Zweck aufgebrochen, aber durch einen treulosen Begleiter in die Sklaverei verkauft worden war. Doch darf nicht verschwiegen werden, daß neuerdings Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit laut geworden sind. Erst nachdem ihm die Flucht gelungen war, konnte er, freilich ohne Instrumente, an die Lösung seiner Aufgabe gehen. 1886 sandte auch die Kaiserlich Russische Geographische Gesellschaft den Geologen Ignatiew und den Botaniker v. Krasnow aus, um das Gletschergebiet des Chantengri im Thianschan zu untersuchen. Hier, wie auch sonst im Thianschan, wurde das allmähliche Zurückgehen der Gletscher nachgewiesen.

1887 brachte die erste Durchkreuzung Zentralasiens in seiner ganzen Länge von O. nach W. durch den englischen Leutnant Younghusband, der zuvor die Mongolei bereist hatte (s. unten: China). Die einzelnen Teile seiner Route, welche von Peking über Kukuchoto, Chami, Turfan, Kaschgar, Jarkand und durch Kaschmir nach Indien führte, sind zwar meist schon vor ihm von russischen und englischen Forschern gemacht worden, aber in ihrer Gesamtheit steht die Unternehmung ohnegleichen da. Über die ausgedehnten asiatischen Reisen des englischen Obersten Bell, welcher 1887 in Ostturkistan war, ist noch nichts veröffentlicht. Das Sajanische Gebirge unweit der sibirischen Grenzen erforschten Iatschewski und der Botaniker Preyn, die es dreimal überstiegen, sodann die Expedition des Obersten Bobyr, welchen der Geolog Makerow, ein Astronom und mehrere Topographen begleiteten. Bisher sind nur wenige Nachrichten über ihre Arbeiten am See Kossogol bekannt geworden. Das Chingangebirge in der östlichen Mongolei war 1887 das Forschungsgebiet für drei russische Reisende, die beiden Brüder Harnak, welche dasselbe viermal überschritten, und für Rassin, dessen Beobachtungen sich mit denen der erstern ergänzen werden. 1888 durchwanderte der in Kaschmir ansässige Franzose Henri Duvergne, Naturforscher und Ethnograph, Russisch-Turkistan, den Thianschan, Pamir und Ostturkistan; er ist der erste, welcher nach dem Ungarn Berzenczey, vom russischen Gebiet ausgehend, durch Kaschgarien die britischen Besitzungen erreicht hat. Außerdem sind in letzter Zeit mehrere Expeditionen geplant oder begonnen worden: so will die Kaiserlich Russische Geographische Gesellschaft 1889 Katanow zu ethnographischen Studien in den östlichen Thianschan schicken; I. Troll aus Wien ist von Russisch-Turkistan über Kaschgar und Jarkand nach Indien gereist, und der uns bereits durch seine sibirischen Reisen bekannte Franzose I. Martin strebt demselben Ziel von N. her über den Kuku-Nor zu. Younghusband (s. oben) ist 1889 nach dem obern Industhal aufgebrochen, um die Pässe über den Hindukusch und das Karakorumgebirge genauer zu untersuchen; Bonvalot hat in Begleitung des Prinzen Henri von Orléans Mitte September Kudscha verlassen, um quer durch Asien nach Tongking zu gelan- ^[folgende Seite]