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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ästhesiomēter; Astié; Astrolabe-Expedition; Astrophotometrie

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Ästhesiometer - Astrophotometrie

um Zweifel daran zu lassen, daß es sich nicht um bloße reflektorische, sondern um wohlgeordnete, durch zentrale Impulse beherrschte Befreiungsversuche handelte, die allemal in der folgerichtigsten Weise zur Befreiung führten, sofern die Arme sich z. B. gegenseitig unterstützten und die freien dem belästigten Arm zu Hilfe kamen. Das Beispiel einer durch fünf in den Armwinkeln dicht an der Mittelscheibe eingetriebene großknöpfige Nadeln auf einer Holzplatte gefesselten Asterias mag das Gesagte klarer machen. Der so gefesselte Seestern vollführte nicht ungestüme Bewegungen mit allen Armen, sondern zwängte den Mittelteil zwischen zwei Nadeln ein wenig hinaus, gewann dadurch Freiheit für den dazwischen befindlichen Arm und zog nun erst den einen und dann den andern daneben befindlichen Arm heraus, so daß nun drei Arme frei waren und das Tier darauf mit Leichtigkeit durch die von Anfang an gewählte Öffnung und Richtung hinausschlüpfen konnte. Der Beobachter selbst hätte dem Tier keinen bessern Rat geben können. Es findet also ein deutlicher Konsensus der fünf (oder mehr) Zentralstellen statt, und Preyer macht den Vergleich von fünf in einen Ring zusammengekoppelten Hunden, die sich bald gewöhnen würden, einheitliche Bewegungen nach bestimmten Freßzielen etc. zu machen, und nach gleichmäßiger Ermüdung auch gleichzeitig einschlafen würden. Eigentümlich erscheint die Wirkungslosigkeit gewisser bei den Wirbeltieren schnell lähmender Nervengifte, wie das Curare, während Nikotin umgekehrt ungemein stark wirkte. Vgl. Preyer in den »Mitteilungen aus der Zoologischen Station zu Neapel«, Bd. 7 (1887).

Ästhesiomēter * (griech.),von Sieveking angegebenes Instrument, welches statt eines Zirkels mit Skala zur Prüfung des Orts- und Raumsinnes der Haut angewandt wird. Es besteht aus einem messingenen Stab mit Maßteilung, welcher an einem Ende eine kurze, rechtwinkelig abstehende Elfenbeinspitze und außerdem eine zweite ähnliche, aber auf dem Stab verschiebbare und durch eine Schraube, feststellbare Spitze besitzt. Alan ermittelt mit dem Ä. den Minimalabstand, in welchem zwei Reize noch deutlich als solche empfunden werden.

Astié *, Jean Frédéric, protest. Theolog, geb. 1822 zu Nérac (Lot-et-Garonne), studierte Philosophie und Theologie in Genf, Halle und Berlin und wurde, nachdem er fich 1848-53 in New Jork als Vorstand einer französisch-schweizer. Gemeinde aufgehalten hatte, 1856 Professor der Philosophie und Theologie an der Fakultät der freien Kirche des Kantons Waadt in Lausanne. Er veröffentlichte: »Esprit d'Alexandre Vinet« (Par. 1861, 2 Bde.); »L'explication de l'évangile selon saint Jean« (Genf 1862-1864, 3 Bde.); »Histoire de la république des Etats-Unis« (Par. 1865,2 Bde.); »La théologie allemande contemporaine« (Genf 1874); »Mélanges de théologie et de philosophie« (Laus. 1878); »Le Vinet de la légend et celui de l'histoire« (Par. 1882). Seit 1868 gibt er mit Vuilleumier die »Revue de Thélogie et de Philosophie« heraus.

Astrolabe-Expedition * (1826-29 und 1839-40), s. Maritime wissenschaftliche Expeditionen (Bd. 11).

Astrophotometrie. Dreierlei Instrumente hauptsächlich sind in den letzten Jahrzehnten zur Ermittelung genauer numerischer Werte für die Helligkeiten der Sterne benutzt worden: das Zöllnersche Polarisations-Astrophotometer, Pickerings Meridianphotometer und Pritchards Keilphotometer. Bei dem erstgenannten wird der Stern mit dein Licht einer Petroleumflamme

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verglichen, welches durch ein Seitenrohr in das auf den Stern gerichtete Fernrohr fällt, durch einen unter 45° gegen dessen Achse geneigten Spiegel nach dem Okular gelenkt und durch polarisierende Medien (im Seitenrohr befindliche Nicolsche Prismen) in bekanntem Verhältnis so weit abgeschwächt wird, daß es genau die Helligkeit des Sterns erreicht. Mit diesem Instrument hat Zöllner selbst mehr als 200 Sterne gemessen, desgleichen hat Peirce zu Cambridge in Massachusetts mit einem solchen drei Jahre lang alle Sterne von Argelanders »Uranometrie« zwischen 40° und 50° nördl. Deklination gemessen, und endlich sind seit 1870 zahlreiche derartige Messungen von Wolff ausgeführt worden. Vgl. dessen »Photometrische Beobachtungen an Fixsternen« (Leipz. 1877 u. Berl. 1884), deren Aufgabe in der Bestimmung der Helligkeit der Sterne in Argelanders »Uranometrie« bis herab zur sechsten Größe besteht. Die Untersuchung der Helligkeitsverhältnisse der schwächern Sterne hat Wolff noch nicht veröffentlicht. Auch bei dem Meridian-Photometer von Pickering wird die Polarisation des Lichts zur Abschwächung der Intensität verwendet; hier wird aber ein jeder Stern, wenn er im Meridian oder doch in dessen Nähe steht, mit dem Polarstern verglichen. Das Instrument besteht aus einem fest und unbeweglich horizontal in der Richtung von O. nach W. aufgestellten Fernrohr von 1 m Länge. Auf der Ostseite befindet sich das Okular, auf der Westseite aber sind zwei Objektive von 4 cm Öffnung und 80 cm Brennweite so nebeneinander angebracht, daß die auf sie fallenden Lichtstrahlen sich im Okular vereinigen. Vor jedem dieser Objektive befindet sich ein bewegliches Reflexionsprisma; mit Hilfe des auf der Nordseite befindlichen bringt der Beobachter das Bild des Polarsterns an eine beliebige Stelle des Okulars, durch das südliche aber, dessen Bewegung ein Gehilfe besorgt, kann jeder Stern in der Nähe seiner Kulmination im Okular sichtbar gemacht werden. Im Fernrohr selbst aber befindet sich ein achromatisiertes Prisma von isländischem Doppelspat, das von jedem Stern zwei Bilder gibt, und durch richtige Stellung der Reflexionsprismen kann man das zum ordinären Strahl des Polarsterns gehörige Bild und das zum extraordinären des andern Sterns gehörige nebeneinander bringen, welche beide rechtwinkelig gegeneinander polarisiert sind. Zwischen Okular und Auge ist aber noch ein Nicolsches Prisma angebracht, durch dessen Drehung man beide Bilder auf gleiche Helligkeit bringen kann. Mit diesem Instrument hat Pickering in den Jahren 1879 - 82 zu Cambridge in Massachusetts die Helligkeit von 4260 mit bloßem Auge sichtbaren Sternen gemessen; vgl. »Annals of the Astronomical Observatory of Harvard College« (Bd. 14). Zwischen der Größenklasse m und der Helligkeit h eines Sterns nimmt er die Gleichung an log h = log h0 + 0,4(m0-m) ^[richtig : log h = log h<sub>0</sub> + 0,4(m<sub>0</sub>-m)], wo h0 ^[richtig : h<sub>0</sub>] die Helligkeit und m0=2 ^[m<sub>0</sub>=2] die Größenklasse des Polarsterns bedeuten. Das Keilphotometer von Pritchard, dessen Idee übrigens schon 1843 von Piazzi Smyth und E Kayser entwickelt worden ist, besteht aus einem keilförmigen Stück von neutral gefärbtem, d. h. alle Farben gleichmäßig absorbierendem Glas, welches in den Weg der Lichtstrahlen so weit eingeschoben wird, bis der Stern erlischt. Da die Lichtabsorption proportional der Dicke der im Keil durchlaufenen Schicht ist, so ergibt sich die Lichtstärke des Sterns, wenn man die Anzahl Skalenteile, um welche der Keil bis zum Verschwinden des Sterns verschoben werden mußte, mit einer gewissen konstanten Zahl multipliziert. Prit- ^[folgende Seite]