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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Bakutu - Ballestrem

gen an den Schläfen, die Weiber unter der Brusthöhle und am Hals Tättowierungsmuster hervor, die als Stammesmerkmale gelten. Die Frauen werden bei allen geschäftlichen Abschlüssen zu Rate gezogen, und gewöhnlich geben sie die Entscheidung; das Familienleben ist ein sehr gutes, die Moral der Frauen und Mädchen aber eine sehr niedrige. Sklaven, welche man von den benachbarten Boluba bezieht, werden gut behandelt, müssen aber gelegentlich als Schlachtopfer bei Todesfällen dienen. Die Kleidung besteht aus einem roten Hüfttuch, um Hand- und Fußgelenk tragen sie dicke, blank geputzte Kupferringe, auf dem Kopf das erwähnte Käppchen. Die Männer fertigen grobe Gewebe aus der Raphiafaser, die Frauen dagegen feine, bunte, mit den verschiedenartigsten, rot, schwarz und gelb gefärbten Mustern und mit Stickereien versehene Stoffe. Auch flechten und färben sie schöne Körbe und Matten, die, wie ihr irdenes Geschirr, die Leistungen andrer afrikanischer Stämme weit hinter sich lassen. Auch in der Anfertigung von kleinen Holzkasten, becherartigen Trinkgefäßen, Tabakspfeifen, Kanoes und Rudern zeigen sie große Geschicklichkeit. Die Waffen bestehen in sorgfältig gearbeiteten Bogen, die Pfeile sind mit Federn geschmackvoll geschmückt, die Spitzen der Speere ziseliert, die Dolchmesser kunstvoll geschmiedet. Die Dörfer sind regelmäßig angelegt, in den langen Straßen befinden sich die einzelnen Häuser nach europäischem Baustil nebeneinander; überall herrscht die peinlichste Sauberkeit. Man baut vorwiegend Mais und Erdnüsse, außerdem Hirse und Zuckerrohr. Die Feldarbeit wird vom weiblichen Geschlecht verrichtet. Als Haustiere ziehen sie Ziegen, Hühner und Hunde. Die Männer betreiben hauptsächlich Jagd und Fischfang, widmen sich aber auch eifrig dem Elfenbeinhandel. Ausschließlicher Markt dafür ist Kabao, wo das Elfenbein an die Nachbarvölker gegen Sklaven, Kupfer, Messing, Perlen, Kauris, rote und blaue Flanellstoffe eingetauscht wird.

Bakutu *, Negerstamm, s. ^[Hinweis]Bassongo-Mino (Bd. 17).

Balachany *, Dorf im Gouvernement Baku der russ. Statthalterschaft Kaukasien, 15 km nördlich von der Stadt Baku, am Salzsee Roman, mit einer Moschee und 2000 Einw., meist schiitischen Tataren. In der Umgegend zahlreiche Petroleumquellen und Raffinerien.

Balaghat *, Distrikt der Division Nagpur in den britisch-ind. Zentralprovinzen, 8148 qkm (148 QM.) groß mit (1887) 340,554 Einw. Der von der Waiganga durchflossene Distrikt ist reich an Eisenerz, das die Gond verarbeiten, sowie an Goldsand, Antimon u. a., wird aber wenig und zwar vornehmlich mit Reis bebaut. Hauptort ist Burha.

Balakirew *, Milij Alexejewitsch, russ. Komponist, geb. 1836 zu Nishnij Nowgorod, studierte in Kasan Mathematik und Naturwissenschaften, faßte dann im Verkehr mit A. Ulibischew den Entschluß, sich ganz der Musik zu widmen. 1855 trat er in Petersburg mit großem Erfolg als Pianist auf und gründete 1862, mit Lamakin die "Unentgeltliche Musikschule", der er seit 1867 allein vorstand, leitete 1867-70 auch die Konzerte der Russischen Musikgesellschaft, zog sich aber 1872 gänzlich ins Privatleben zurück. Später wurde er Direktor der kaiserlichen Sängerkapelle. B. huldigt der Richtung Berlioz-Liszt. Seine Hauptwerke sind: Ouvertüren über russische, spanische und tschechische Themen, Musik zu "König Lear", eine orientalische Phantasie für Klavier ("Slamey"), Klavierstücke, Klavierarrangements von Ouvertüren von Glinka und Berlioz etc. sowie eine Sammlung russischer Volkslieder (1866).

Balchanskischer Busen *, in die Südostküste des Kaspischen Meers 80 km weit eindringender Golf, der im N. von der Landzunge von Krassnowodsk, im S. von der Insel Tschaleken und der Halbinsel Dardscha begrenzt wird. Der östliche Teil wird auch der Krassnowodstische Busen genannt. Die Ufer sind sandig und das Wasser so salzig, daß nur wenige Fische sich darin aufhalten, auch ist der Busen so seicht, daß die Schiffahrt schon bei der Insel Dagaga am Eingang des eigentlichen Balchanskischen Busens aufhört. Früher soll der Amu Darja hierher geflossen sein, als dessen ehemaligen Arm man jetzt den kleinen Aktam bezeichnet. Am östlichen Ende des Balchanskischen Busens zieht sich das kahle, fast ganz wasserlose, felsige und bis 1100 m hohe Balchansche Gebirge hin, dessen nordwestlicher Ausläufer der Direm Dagh ist.

Baldenburg, (1885) 2399 Einw.

Balfour *, 3) Arthur James, engl. Staatsmann, Enkel des zweiten und Neffe des gegenwärtigen Marquis von Salisbury, geb. 1848, erzogen zu Eton, studierte in Cambridge, wurde 1874 für Hertford ins Unterhaus gewählt, welchen Sitz er 1885 mit demjenigen für den östlichen Wahlkreis von Manchester vertauschte. Der konservativen Partei angehörig und innerhalb derselben sich namentlich der Gefolgschaft Lord R. Churchills anschließend, war er Präsident des Lokalverwaltungsamtes in Lord Salisburys erstem und seit Juli 1886 Staatssekretär für Schottland in dessen zweitem Ministerium. Im März 1887 übernahm er an Sir Michael Hicks-Beachs Stelle den Posten des Obersekretärs für Irland; durch seine äußerst energischen Maßregeln gegen die irische Nationalpartei, die nicht ohne Erfolg blieben, hat er sich den glühenden Haß der Homerulers zugezogen.

Balingen, (188^[Hinweis]?) 3355 Einw.

Ballenberg *, Stadt im bad. Kreis Mosbach, 292 m ü M., hat eine kath. Pfarrkirche, eine Bezirksforstei, Wein- und Hopfenbau und (1885) 547 Einw.

Ballenstedt, (188^[Hinweis]?) 4845 Einw.

Ballestrem *, 1) Franz, Graf von, ultramontaner Politiker, geb. 5. Sept. 1834 zu Plawniowitz in Oberschlesien, wurde auf geistlichen Lehranstalten, zuletzt in Namur, gebildet, besuchte 1853-55 die Universität Lüttich, trat 1855 in das preußische Infanterieregiment Nr. 19 ein, wurde 1857 als Sekondeleutnant in das 1. Kürassierregiment in Breslau versetzt, ward, nachdem er den Krieg von 1866 als Premierleutnant mitgemacht, 1867 Rittmeister und Eskadronschef und war im Kriege gegen Frankreich 1870 erster Adjutant der 2. Kavalleriedivision (Graf Stolberg) Infolge eines Sturzes vom Pferd invalid geworden und 1871 pensioniert, ließ er sich 1872 in den Reichstag wählen, in welchem er sich der ultramontanen Zentrumspartei anschloß; er nahm an den Kulturkampfverhandlungen lebhaften Anteil und gehörte nach deren Beendigung zum agrarischen Teil des Zentrums. Sein Majorat umfaßt die Güter Plawniowitz, Nuda und Biskupitz in Oberschlesien, doch wohnt er in Breslau. Seit 1873 ist er päpstlicher Geheimer Kämmerer di spada, e cappa.

2 *) Eufemia, Gräfin B. di Castellengo, Schriftstellerin, geb. 18. Aug. 1854 als Tochter des Landschaftsdirektors Grafen Alexander B. zu Ratibor, lebte zu Hirschberg und Breslau, verheiratete sich 1883 mit einem Herrn v. Adlersfeld und siedelte nach Militsch über. Schon in frühem Alter wandte sie sich der poetischen Produktion zu und fand bereits