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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Beleuchtung (Hygienisches)

Kurzsichtigkeit und der Wirbelsäulenverkrümmung. Bei der großen Wichtigkeit des obern Fensterteils verdienen die Rouleaus Beachtung, die bei mangelhafter Aufrollung oft einen Teil der obersten Scheiben verdecken. Man bringt sie vorteilhaft außerhalb der Fensternische an, weil sie dann leichter über das Fenster hinaus aufgerollt werden können.

Bei guter B. wird Schrift von bestimmter Größs nicht nur auf größere Entfernung, sondern unter sonst gleichen Umständen auch schneller gelesen als bei geringer Lichtintensität. Nach Cohn konnte eine Person bei hellem Tageslicht 16-17 Zeilen Bourgeoisfrakturschrift in einer Minute laut lesen. Bei künstlicher B. wurde gelesen: bei 2 Meterkerzen 6 Zeilen, bei 4: 8, bei 8: 10, bei 10: 12, bei 50 Meterkerzen 16 Zeilen. Daraus ergibt sich, daß erst bei einer Helligkeit von 50 Meterkerzen das Auge unter ebenso günstigen Bedingungen wie bei gutem Tageslicht arbeitet, und nach Cohn muß mindestens der fünfte Teil dieser Helligkeit, d. h. 10 Meterkerzen, auf der Arbeitsfläche vorhanden sein, wenn die künstliche B. genügen soll. Die Helligkeit eines Arbeitsplatzes hängt neben der Leuchtkraft der Flamme und der Weiße der Arbeitsfläche noch ab von der Entfernung der künstlichen Lichtquelle und dem Einfallswinkel der Lichtstrahlen. Für eine Lichtquelle von 100 Normalkerzen berechnete Weber für die nachbenannten Verschiebungen folgende Helligkeit:

Höhe der Lichtquelle Seitlicher Abstand der Lichtquelle

0 m 0.5 m 1 m 1,5 m 2 m 2.5 m

0,25 m 1600 143 23 8 - -

0,50 - 400 141 36 13 6 -

0,75 - 178 102 38 17 8 4

1,00 - 100 72 35 18 9 5

1,50 - 44 38 26 16 10 6

Das Farbenerkennen erleidet bei künstlicher B., mit Ausnahme des elektrischen Bogenlichts, starken Abbruch. Rot wird bei Gas (15,5 Kerzen in 1 m Abstand) 1-1,2mal, bei Bogenlicht 3mal so weit gesehen als bei Tag. Grün wird bei Gas nicht schlechter, bei Bogenlicht im Durchschnitt 2,7mal weiter erkannt als bei Tageslicht. Blau ist bei Bogenlicht 2,7mal weiter sichtbar. Gelb wird bei Gaslicht in einzelnen Fällen besser, in andern schlechter, bei Bogenlicht durchschnittlich 4,2mal weiter wahrgenommen. Trotz großer individueller Schwankung wird die Sehweite für Farben durch elektrisches Licht gegenüber dem diffusen Tageslicht vergrößert, und ersteres hat sogar den Vergleich mit direktem Sonnenlicht nicht zu scheuen, wie folgende Tabelle zeigt:

1 qm wird erkannt

bei Bogenlicht bei Sonnenlicht

Rot bis 13 m bis 14 m

Grün = 11 - = 10 -

Blau = 3 - = 6 -

Gelb = 4 - = 9 -

Orange = 5 - = 6 -

Violett = 2 - = 2 -

Die Eigenfarbe der Lichtquelle ist beim Farbenerkennen wohl ebenso wichtig wie deren Intensität. Meyer fand spektralanalytisch folgendes Mischungsverhältnis der einzelnen Hauptfarben, wobei er den Anteil des gelben Lichts als Vergleichseinheit wählte:

Gelb Rot Grün Blau Violett

Elektrisches Bogenlicht 1 2 1 0,8 1

Petroleum 1 3 0,6 0,2 0,1

Gas 1 4 0,4 0,2 0,1

^[Spaltenwechsel]

Das elektrische Licht, dessen Zusammensetzung übrigens je nach der Stromspannung nicht unerheblich schwanken kann, enthält also weit mehr blaue und violette Strahlen als Gas- und Petroleumflammen und erscheint daher im Vergleich mit diesen bläulich. Das Sonnenspektrum aber enthält noch erheblich mehr kurzwellige Strahlen als das Bogenlicht, welches daher bei Tage nicht blau, sondern deutlich gelb erscheint. In hygienischer Hinsicht ist auch die Gleichmäßigkeit der Leuchtkraft einer Lichtquelle von großer Bedeutung. Alle offenen Flammen, Kerzen wie cylinderlose Öl-, Benzin-, Petroleum- und Gasflammen, zucken, sind dem Auge unzuträglich und sollten nie bei feinern Arbeiten benutzt werden. Wegen des wechselnden Gasdrucks zucken auch, wenngleich in geringerm Grade, die mit Cylinder versehenen Gasflammen.

Die Fragenach der hiegienisch besten künstlichen B. wird je nach den gegebenen Verhältnissen verschieden beantwortet werden müssen. Spielt der Kostenpunkt keine Rolle, so ist die elektrische B. vorzuziehen, weil sie wenig Wärme entwickelt, die Luft nicht verdirbt und völlig gefahrlos ist. Die Glühlampen sollten am Arbeitstisch einen Schirm erhalten, der das Licht ungeschwächt nach unten konzentriert und das Auge schützt. Bei Saalbeleuchtung sind matte Glasbirnen zu empfehlen, da der starke Glanz des Glühlichts blendet und störende Nachbilder verursachen kann. Am angenehmsten wirkt die verdeckte oder Rampenbeleuchtung, bei welcher die Lichtquelle dem Anblick entzogen ist. Bogenlicht ist nur im Freien oder in hohen Räumen zu verwenden, damit seine Strahlen das Auge nur peripher treffen. Sieht man von elektrischem Licht ab, so kommt Gas oder Petroleum in Frage. Die Leuchtkraft hängt bei beiden von der Konstruktion der Lampe ab, die Kohlensäureentwickelung ist bei Rundbrennern in beiden Fällen annähernd gleich, die Wärmeentwickelung aber bei Gas erheblich stärker und der Preis höher. Ist eine größere Anzahl von Plätzen zu beleuchten, so bringt man sehr lichtstarke Lampen in 1 m Höhe über der Arbeitsfläche an und benutzt trichterförmige, das Licht nach unten konzentrierende Glocken. Da von dieser Höhe aus nach Cohn auch die größten Rundbrenner mittels der besten Schirme bei 1 m seitlicher Entfernung nicht mehr die nötige Helligkeit von 10 Meterkerzen geben, so dürfen nicht zu viele Plätze auf eine Flamme kommen. Hier verdient die Siemenssche Regenerativlampe den Vorzug, weil sie die Verbrennungsprodukte abzuführen gestattet und Lichtmengen liefert, die für mehrere Plätze ausreichen. Nach Herzberg müssen bei Verwendung von Glühlampen mit je 16 Kerzen Leuchtkraft gerechnet werden:

bei 2 m Höhe 1 Lampe auf 8.0 qm

= 3 - = 1 = = 6,2 -

= 4 - = 1 = = 5,8 -

= 6 - = 1 = = 5,25 -

Bei der indirekten B. werden die Lampen in 1 m Abstand von der Decke angebracht. Unter den Lampen befindliche, undurchsichtige, nach oben reflektierende Schirme werfen das Licht gegen die weiß getünchte Decke, von welcher es auf die Arbeitsplatz strahlt. Neben dem Vorteil, daß die Lichtquelle dem Auge verborgen bleibt, wird von dieser B. gerühmt, daß sie weder von den Lampenschirmen noch selbst von Kopf und Hand des Arbeitenden Schatten wirft. Mit Bogenlicht wurde die indirekte B. zuerst 1881 mit gutem Erfolg angewandt. Bei Anwendung von Petroleumlampen erzielte man am Arbeitsplatz einen Beleuchtungseffekt von 8,8-11,6 Meterkerzen, der