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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Berlinchen - Bernstein

1830 zu Upsala, war Schüler von Berzelius, promovierte 1833, habilitierte sich 1834 als Dozent der Chemie in Upsala und studierte bis 1837 Medizin; 1839 wurde er Adjunkt der Chemie und Pharmazie am mediko-chirurgischen Institut zu Stockholm, 1845 Professor der Pharmakologie, 1847 Professor in Lund. Er lehrte bis 1862 Chemie und Mineralogie, dann medizinische und physiologische Chemie, wurde 1864 zum Generaldirektor des Medizinalamtes in Stockholm ernannt und trat 1883 in den Ruhestand. 1867 bis 1873 war er Mitglied der Ersten Kammer. Er arbeitete besonders über Mineralchemie und schrieb: »Oorganisk kemi« (3. Aufl. 1870); »In pharmacopoeam suecanam et militarem commentarius medico-practicus« (4. Aufl. 1869). Seine populären Werke: »Lärobok i naturläran« und »Läsebok i naturläran« fanden auch in norwegischer, dänischer, finnischer und deutscher Sprache eine außerordentliche Verbreitung.

Berlinchen, (1885) 5076 Einw.

Berlioz, Hector. Seine Biographie schrieb A. Jullien (Par. 1888).

Bern, Kanton, (1888) 539,305 Einw.; Stadt, (1888) 47,151 Einw.

Bernau, (1885) 7229 Einw.

Bernay, (1886) 6931 (Gemeinde 8310) Einw.

Bernburg, (1885) 21,644 Einw.

Berndal, Karl Gustav, Schauspieler, starb 31. Juli 1885 in Gastein.

Berneck, 1) Bayern, (1885) 1301 Einw.- 2) Württemberg, (1885) 414 Einw.

Bernhard, 5) Herzog von Sachsen-Weimar, Heerführer im Dreißigjährigen Krieg. Vgl. Droysen, B. von Weimar (Leipz. 1885, 2 Bde.).

Bernhardi, 3) Theodor von, Geschichtschreiber, veröffentlichte noch »Reiseerinnerungen aus Spanien« (Berl. 1886). Er starb 12. Febr. 1887 zu Kunersdorf in Schlesien.

* 4) Wilhelm, Geschichtsforscher, geb. 2. Nov. 1834 zu Meuselwitz in Sachsen-Altenburg, studierte, nachdem er Elementarlehrer gewesen war, 1859-62 in Berlin Philologie und Geschichte, wurde Lehrer am Luisenstädtischen Gymnasium daselbst, 1867 Oberlehrer und 1879 Professor. Er schrieb: »Matteo di Giovenazzo« (Leipz. 1868); »Jahrbücher des Deutschen Reichs unter Lothar von Supplinburg« (das. 1879); »Jahrbücher des Deutschen Reichs unter Konrad III.« (das. 1883, 2 Tle.); auch gab er R. Köpkes kleine Schriften heraus (Berl. 1872).

Bernhardy, Gottfried, Philolog. Seine Biographie schrieb R. Volkmann (Halle 1887).

Bernheim *, Ernst, Geschichtsforscher, geb. 19. Febr. 1850 zu Hamburg von jüdischen Eltern, studierte in Berlin, Heidelberg, Straßburg und Göttingen Geschichte, trat zum Christentum über, habilitierte sich 1875 in Göttingen und ward 1883 als außerordentlicher Professor nach Greifswald berufen, wo er 1889 zum ordentlichen Professor der Geschichte ernannt wurde. Er schrieb: »Zur Geschichte des Wormser Konkordats« (Straßb. 1876); »Geschichtsforschung und Geschichtsphilosophie« (Götting. 1880); »Lehrbuch der historischen Methode« (Leipz. 1889). Im Auftrag der Historischen Kommission zu München bearbeitete B. die Reichstagsakten unter König Ruprecht (1882-88, 3 Bde.), für welche er auch eine Studienreise nach den österreichischen und oberitalienischen Archiven unternahm.

Bernkastel, (1885) 2401 Einw.

Bernstadt, 1) Regierungsbezirk Breslau, (1885) 4353 Einw. - 2) Sachsen, (1885) 1366 Einw.

^[Spaltenwechsel]

Bernstein. Verfälschungen des Bernsteins, der in kleinen Fragmenten in den Handel kommt, sind nicht selten. Der B. unterscheidet sich von den weichern billigen Harzen durch seine Geruchlosigkeit und die dem Fingernagel widerstehende Härte. Kopal ist nahezu ebenso hart wie B. Auf einer heißen Platte aber gibt B. scharf aromatische, wie Gewürznelken riechende Dämpfe, während Kopaldämpfe medikamentös bitter, an Kopaivabalsam erinnernd riechen. Von Glasimitationen unterscheidet sich B. dadurch, daß er von einer Messingstecknadel geritzt wird, Glas nicht. In einer Lösung von 28 g trocknem Speisesalz in 250 g Wasser sinkt Glas zu Boden, während B. und Kopal in der Mitte schweben. Ein klares Spaltungsstück von Steinsalz wird durch eine scharfe Kopalkante nicht geritzt, während eine scharfe Bernsteinkante eine wenn auch nur mit der Lupe sichtbare Furche reißt. Geringere Kopalsorten schmelzen bei 180-230°, B. erst bei 287°. Letzterer brennt daher an der Kerzenflamme, ohne abzuträufeln, während dies bei Kopal erfolgt. Auch sind diese Kopalvarietäten in Schwefelkohlenstoff oder Äther merkbar löslich, B. nicht. Falsifikate aus ordinären Harzen schmelzen oder erweichen in kochendem Wasser. Während B., namentlich der weiße, undurchsichtige, unter dem Mikroskop zahlreiche, der gelbe, durchsichtige seltenere und kleinere Poren zeigt, sind dieselben in dem in heißem Öl erweichten und dann geformten B. verschwunden, wogegen dieser unzählige fischschuppenartige feine Sprünge besitzt. Das aus Bernsteinabfällen mit heißem Schwefelkohlenstoff und Äther dargestellte Ambroid zerfällt, wenn man es längere Zeit in Äther legt. Um zu prüfen, ob größere Bernsteinstücke wirklich aus einem Stück bestehen oder aus mehreren kleinen zusammengesetzt sind, legt man sie in kochendes Wasser, welches gekittete Stücke trennt.

[Geschichtliches.] Die Ausgrabungen der neuern Zeit haben aus prähistorischen Gräbern, z. B. denjenigen von Hallstatt, der ältesten Eisenzeit aus Italien und aus vorhomerischen Gräbern Griechenlands, so zahlreiche Stücke zu Schmuckgegenständen verarbeiteten Bernsteins ans Licht gefördert, daß die Frage nach der Herkunft desselben zu einer brennenden geworden war. In den der Vorgeschichte Griechenlands ungehörigen Königsgräbern von Mykenä fand Schliemann allein mehr als 1000 Bernsteinperlen der verschiedensten Größen, und ebenso sind die prähistorischen Museen Italiens sehr reich an derartigen Funden. Da man nun das Alter der Gräber von Mykenä noch über die Zeit der sogen, dorischen Wanderung (um 1100 v. Chr.) ansetzt, so würde man hier die sichern Spuren ältester Handelsbeziehungen zwischen Griechen und nordischen Völkern vor sich haben, wenn der Nachweis geführt werden könnte, daß es sich dabei um Ostseebernstein handelt. Früher hat man auch bei der Erwähnung der Bernsteinsagen seitens des Homer und andrer sehr alter Dichter keinen Zweifel daran gehegt, daß es sich so verhalte, und der französische Herodotforscher Larcher trug kein Bedenken, anzunehmen, daß der sagenberühmte Eridanosstrom, aus dem der B. gefischt werden sollte, die Nadaune bei Danzig wäre, während Hasse wohl richtiger den Eridanos auf die Ostsee bezogen hatte. Man nahm an, daß die Phöniker ihre Seefahrten bis zu den nordischen Meeren ausgedehnt und von dort Zinn und B. geholt hätten. Nachdem die letztere Annahme im besondern durch Müllenhoff erschüttert worden war, begann indessen die Meinung, daß an nähern Orten gegrabener B. das Material für diese prähistorischen Schmucksachen hergegeben habe, die Oberhand zu gewinnen, und im besondern bemühte sich Capellini, zu beweisen, daß