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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Biese - Birkenfeld

lüfteten Gärräumen kommen gegenwärtig bei rationellen Einrichtungen nicht mehr vor. Reichlicher Genuß von B. in Verbindung mit schwerer Muskelarbeit führt leicht zu Verdauungsstörungen, Nieren- und Leberleiden. Für die Nachbarschaft können Bierbrauereien durch starke Rauchentwicklung, durch schweflige Säure beim Schwefeln des Hopfens, durch Qualm beim Auspichen der Fässer lästig werden; nian wendet indes in neuerer Zeit mehr und mehr rauchverbrennende Feuerungen an, und das Auspichen wird auf andre Weise oder außerhalb der Wohnplätze ausgeführt. Die Abfälle der Bierbrauerei dienen als Viehfutter oder Dünger. Die Abwässer enthalten reichlich organische Stoffe gelöst oder suspendiert und sind daher sehr fäulnisfähig, zumal an ihnen zahllose Mikroorganismen, namentlich Hefepilze, haften. Direkt ablassen darf man sie nur in große Wasserläufe, da sie kleinere Flüsse und Bäche auf weite Strecken verpesten. Am besten ist die Verwertung auf Rieselfeldern, wo eine solche aoer nicht durchführbar, müssen die Abwässer mit Kalk, Eisen, Teer etc. gereinigt werden. Vgl. Abwässer (Bd. 17).

Biese, Wilhelm, Pianofortefabrikant, geb. 20. April 1822 zu Rathenow, begründete 1851 in Berlin eine Pianofortefabrik, die in der Folge besonders durch den Bau eigenartig konstruierter Pianinos großen Ruf erlangte. Bis 1889 sind über 1600 dieser Instrumente, die sich durch Wohlklang und Fülle des Tons auszeichnen, aus der Fabrik hervorgegangen; die Jahresproduktion beträgt ca. 600 Stück. In neuester Zeit hat B. auch den Bau von Flügeln in größerm Maßstab mit Glück unternommen.

Bielenthal, (1885) 2261 Einw.

Bietigheim, (1885) 3880 Einw.

Bikol, zu den Tagalen gehöriger, großer malaiischer Volksstamm auf der Philippineninsel Luzon, der, etwa 800,000 Köpfe stark, die große südöstliche Halbinsel, die Provinzen Albay, Noriv und Südenmarines, die Inseln Catanduanes, Äurias, Ticao und Mascata bewohnt, ein friedliches, halbzivilisiertes, Ackerbau treibendes Volk, dessen Sprache sowohl von der der Tagalen als der Bisaya abweicht, wie sie auch physisch und geistig zwischen jenen beiden Völkerschaften, unter den ersten, aber über den zweiten, stehen.

Bitjzád, Bad im ungar. Komitat Szatmár, mit schönem Park und einem alkalisch-muriat. Säuerling.

Bilaspur, Distrikt der Division Tschattisgarb, in den britisch-ind. Zentralprovinzen, 20,196 qkm (367 QM.) groß mit (1861) 1.017,327 Einw. Der Distrikt ist auf drei Seiten von Hügeln eingeschlossen und am Südostende von der Mahanadi durchflossen; Hauptkulturen sind Reis und Weizen. Die gleichnamige Hauptstadt am Arpafluß hat 7775 Einw.

Billerbeck, (1886) 2399 Einw.

Billom, (1886) 4112 Einw.

Billot, Jean Baptiste. franz. General, ward im Juni 1888 zum Armeeinspekteur ernannt; auch ist er neben dem Kriegsminister Präsident des obersten Kriegsrats.

Billwerder-Ausschlag, (1885) 15,057 Einw.

Billwiller, Robert, Meteorolog, geb. 2. Aug. 1849 zu St. Gallen, studierte seit 1869 in Zürich, Göttingen und Leipzig Mathematik, Physik, Astronomie und wurde 1871 Assistent an der Sternwarte in Zürich, wo er namentlich die Leitung und Bearbeitung der meteorologischen Beobachtungen des von der Schweizerischen naturforschenden Gesellschaft 1863 gegründeten Stationsnetzes übernahm. Auf seine Bemühungen wurde die meteorologische Zentralstation,

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welche von der Eidgenossenschaft subventioniert war, 1881 zum Staatsinstitut erhoben, dessen Direktion ihm übertragen wurde. Er führte alsbald das System der täglichen telegraphischen Witterungsberichte und Prognosen ein, welches sich im Publikum rasch einlebte. Anfang der 80er Jahre gelang es ihm, Private und Behörden für eine auf dem Säntis (2504 m Meereshöhe) zu errichtende meteorologische Station erster Ordnung zu interessieren; 1882 trat diese Station in Funktion, und 1885 übernahm sie der Bund. Außer zahlreichen Arbeiten in Fachjournalen schrieb B.: Kepler, der Reformator der Astronomie (Zürich 1577); eine gekrönte Preisarbeit: »Grundzüge einer Klimatologie der Schweiz«, ließ er nicht drucken, sondern erweiterte sie unter Vermehrung des Beobachtungsmaterials zu einer »Klimatologie der Schweiz« (1. Teil: »Die Temperaturverhältnisse«, das. 1890).

Bingen, (1885) 7178 Einw.

Bingerbrück, (1885) 1099 Einw.

Binz, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Stralsund, Kreis Insel Rügen, an einem See auf der Halbinsel Granitz, hat ein Seebad (Aalbeck) an der Prorer Wiek und (1885) 254 Einw. Dazu das Jagdschloß des Fürsten zu Putbus mit 40 m hohem Turm (umfassende Aussicht).

Binz, Karl, Mediziner, geb. 1. Juli 1832 zu Bernkastel an der Mosel, studierte in Würzburg, Bonn und Berlin, habilitierte sich 1862 als Privatdozent in Bonn, wurde 1868 zum außerordentlichen Professor ernannt und gründete 1869 das pharmakologische Institut. 1873 wurde er zum Professor der Pharmakologie ernannt. B. arbeitete meist über experimentelle Pathologie und Pharmakologie und stellte zuerst die Wirkungsweise des Chinins fest. Er schrieb: »Beobachtungen zur innern Klinik« (Bonn 1864); »Experimentelle Wirkungen über das Wesen der Chininwirkung« (Berl. 1868); »Das Chinin nach den neuern pharmakologischen Arbeiten« (das. 1875); »Über den Traum« (Bonn 1878>; »Grundzüge der Arzneimittellehre« (10. Aufl., Berl. 1888); »Vorlesungen über, Pharmakologie« (das. 1884-86); »Doktor Johann Weyer, der erste Bekämpfer des Hexenwahns« (Bonn 1885).

Birch, Samuel, engl. Gelehrter, starb 27. Dez. 1885 in London. Vgl. Walter de Gran-Birch, Bibliographical notices of Dr. B. (Lond. 1886).

Birch-Hirschfeld, Felix Viktor, Patholog, geb. 2. Mai 1842 zu Kluvelisiek in Holstein, studierte Medizin, wurde 1869 Assistent an der Irrenheilanstalt Sonnenstein, dann in Kolditz, 1870 Projektor um städtischen Krankenhaus in Dresden und 1880 Leiter der Irrenabteilung dieser Anstalt. 1885 ging er als Professor der pathologischen Anatomie und allgemeinen Pathologie nach Leipzig. Im Krieg 1870 71 war er ordinierender Arzt am Reservelazarett zu Übigau bei Dresden. Er schrieb: »Lehrbuch der pathologischen Anatomie« (3. Aufl., Leipz. 1886, 2 Bde.); »Skrofulöse und Krankheiten der Lymphdrüsen« (in Ziemssens »Handbuch der speziellen Pathologie«); »Die Krankheiten der Leber« (in Gerhardts »Handbuch der Kinderkrankheiten«).

Biriussa, Fluß im südlichsten Teil des Gouvernements Ienisselsk, entspringt im Sajanstischen Gebirge und bildet nach 400 in langem Lauf mit der, Uda den Fluß Tasjejewa, welcher links in die Angara mündet. Im Quellgebiet der B. befinden sich ergiebige Goldwäschereien.

Birtenfeld, Fürstentum, zählte 1885: 39,693 Einw. (darunter 31,128 Evangelische, 7739 Katholiken, 678 Juden), die Stadt: 2546 Einw.