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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Brotterode; Brown; Brown-Séquard; Browning; Bruch; Bruchsal; Bruck; Brück; Brücke; Brückenau; Bruckner

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Brotterode - Bruckner

wird bei 100° getrocknet und gewogen. Man erhält 100 Teile trockner Hülsen von 269 Teilen Roggenkleie oder 200 Teilen Weizenkleie. Die Hülsen von Roggenkleie erscheinen dunkel, zäh, zusammengeschrumpft, die von Weizenkleie hellgelb, dünn, glatt. Gutes preußisches Kommißbrot enthält nicht über 3 Proz. Kleie. Da Kleie beim Backprozeß mehr Wasser bindet als reines Mehl, so bedingt der Kleiegehalt eine doppelte Benachteiligung: größern Gehalt an unverdaulichen Stoffen und an Wasser. Zur Bestimmung des Wassergehalts schneidet man eine Scheibe aus der Mitte des Brots heraus, teilt dieselbe durch zwei Kreuzschnitte in Viertel, entrindet eins derselben, zerkleinert Rinde und Krume, trocknet sie nach dem Wägen bei ganz langsam bis 110° steigender Temperatur so lange, bis das Gewicht konstant bleibt, und wägt. Zur Bestimmung eines Kupfergehalts übergießt man 100 g B. mit 100 g konzentrierter Schwefelsäure, erhitzt nach zwei Stunden bis zur Verkohlung und äschert in der Muffel ein. Die Asche löst man in Salpetersäure, verdampft unter Zusatz von Schwefelsäure, verdünnt mit Wasser, filtriert und fällt aus dem Filtrat in einer Platinschale das Kupfer durch Zink. Von dem gut ausgewaschenen Kupfer entsprechen 63,4 Teile 294,4 Teilen Kupfervitriol. Spuren von Kupfer sind übrigens nicht als Fälschung aufzufassen, da sie auch in reinem Mehl vorkommen.

Brotterode, (1885) 2745 Einw.

Brown * (Lae), Laguneninsel in der Ralikkette des deutschen Marshallarchipels des Stillen Ozeans (Mikronesien), auf deren Riff 14 bewaldete Inseln so zerstreut liegen, daß nur an der von einem schmalen Kanal durchbrochenen Westseite das Riff bloßliegt. B. hat ein Areal von 30 qkm und 200 Einw.

Brown, 7) John. Vgl. v. Holst, Life of John B. of Kansas (Bost. 1888).

10) Henry Kirke, Bildhauer, starb 11. Juni 1886 in New York.

Browning, 1) Robert, engl. Dichter, starb 12. Dez. 1889 in Venedig und wurde 31. Dez. in der Westminsterabtei zu London beigesetzt.

Brown-Séquard * (spr. braun-ssekar), Charles Edouard, Physiolog, geb. 1818 auf Mauritius, studierte seit 1838 in Paris, promovierte daselbst 1840 und widmete sich dann experimentell-physiologischen Untersuchungen und der Erforschung und Behandlung der Nervenkrankheiten. Er lebte längere Zeit in Nordamerika und London, hier als Arzt am Hospital für Gewölbe gestatten und die Berührungsflächen der Paralytische, wurde 1869 Professeur agrégé an der medizinischen Fakultät zu Paris und 1878 Professor der Experimentalphysiologie am Collège de France. Er arbeitete über die Zusammensetzung des Bluts, die tierische Wärme, das Rückenmark, Muskel-, Nerven- und Gangliensystem und schrieb: "Experimental researches applied to physiology and pathology" (New York 1853); "Deux mémoires sur la physiologie de la moelle épinière" (Par. 1855); "Experimental and clinical researches on the physiology and pathology of the spinal cord" (Richmond 1855); "Recherches expérimentales sur la physiologie des capsules surrénales" (Par. 1856); "Researches on epilepsy: its artificial production in animals and its etiology, nature and treatment in man" (Bost. 1857); "Course of lectures on the physiology and pathology of the central nervous system" (Philad. 1860); "Lectures on the diagnosis and treatment of fuctional nervous affections" (das. 1868); "Dual character of the brain" (Washingt. 1877); "Two lectures on convulsions and paralysis as effects of disease of the base of the brain" (Philad. 1878). Seit 1858 gibt er das "Journal de la physiologie de l'homme et des animaux", seit 1868 (mit Charcot und Vulpian) die "Archives de physiologie normale et pathologique", seit 1873 die amerikanischen "Archives of scientific and practical medicine and surgery" heraus. Vgl. "Notice sur les travaux scientifiques de C. E. B." (Par. 1883).

Bruch, 2) Max, Komponist, wurde 1887 zum ordentlichen Mitglied der Berliner Akademie ernannt. Et trat mit einer dritten Symphonie (E dur, Op. 51) und einem neuen Chorwerk, der dramatischen Kantate "Das Feuerkreuz" (nach W. Scotts "Jungfrau vom See", 1889), hervor.

Bruchsal, (1885) 11,658 Einw.

Bruck, 3) (Fürstenfeldbruck) (1885) 3399 Einw.

Brück, (1885) 1770 Einw.

Brücke. Als Neuerungen im Brückenbau sind hervorzuheben: bezüglich des Materials der Umbau von eisernen in steinerne Brücken in Nordamerika, bezüglich der Konstruktion die Anwendung von Gelenken bei steinernen Brücken in Deutschland. Die fortwährende sorgfältige Untersuchung u. Erneuerung der eisernen Brücken, welche bei dem riesigen Verkehr auf einigen nordamerikanischen Eisenbahnlinien mit großen Schwierigkeiten verbunden ist, sowie das zur Bewältigung dieses Verkehrs stets zunehmende Gewicht der Lokomotiven welches an einigen eisernen Brücken Nordamerikas zur völligen Erneuerung ihres Überbaues geführt hat, haben schon mehrfach Veranlassung zum Wechsel des Baumaterials gegeben. Bei dem Ersatz des eisernen durch steinernen Überbau werden die vorhandenen End- und Zwischenpfeiler benutzt und zwischen sie Segmentbogengewölbe von etwa 18 m Spannweite und einer Pfeilhöhe von etwa einem Viertel der Spannweite eingeschaltet. Um eine allmähliche Lockerung der Gewölbsteine durch Zerbröckelung ihres Bindemittels zu verhindern, ist die Anwendung eines hinreichend festen, natürlichen oder künstlichen Steins nebst einem guten, dauerharten Bindemittel bei etwas reichlich bemessenen Gewölbstärken geboten, wenn dieser Zweck auf die Dauer erreicht werden soll. Die Thatsache, daß die Bogen gewölbter Brücken bei Temperaturwechsel ihre Längen nicht unerheblich ändern, hat bei dem Bau einiger sächsischer Brücken Veranlassung zur Anwendung je zweier oder je dreier Gelenke an den Anfängen und Scheiteln der Gewölbe gegeben, welche eine Hebung und eine Senkung der Gewölbe gestatten und die Berührungsflächen der Widerlager und Bogenschenkel sowie der Bogenschenkel unter sich so beschränken, daß die Lage der Drucklinie hierdurch eine bestimmtere wird. Zu diesem Zweck sind die Lagerfugen der beiden ein Gelenk bildenden Steine bez. etwas konkav und etwas konvex gekrümmt, derart, daß zwischen jenen Fugen Zwischenräume entstehen, welche sich von der Berührungsfläche in der Mitte nach außen hin allmählich erweitern. Die nach diesem System bereits im J. 1880 ausgeführte B. der Pirna-Berggießhübeler Bahn enthält drei Segmentbogen von 13 m Spannweite und 3 m Pfeilhöhe und hat sich bis jetzt bewährt.

Brückenau, (1885) 1472 Einw.

Bruckner *, Anton, Komponist, geb. 4. Sept. 1824 zu Ansfelden (Oberösterreich), erhielt seinen ersten, Musikunterricht als Sängerknabe im Stift St. Florian und bildete sich dann, während er an verschiedenen Stellen als Schulgehilfe fungierte, auf autodidaktischem Weg zu einem so tüchtigen Komponisten und Organisten aus, daß er 1855 die Stelle eines Domorganisten in Linz annehmen konnte. Auf wiederholten von hier aus unternommenen Reisen nach