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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

231

Deutschland (Volkszählungsresultate von 1885).

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Deutschland'

größten war der Verlust durch Auswanderung in der Provinz Posen, den Provinzen und Staaten an der Ostsee, ferner in Württemberg, Baden, der Rheinpfalz und Elsaß-Lothringen. Im allgemeinen hat sich aber die überseeische Auswanderung seit 1885 etwas vermindert, nämlich von 110,078 (1885) auf 103,462 (1888). In letzterm Jahr wanderten über deutsche Häfen 80,671, über Antwerpen 14,057, über holländische Häfen 3787 und über französische 4947 Personen aus. Die Dichtigkeit der Bevölkerung ist seit 1880 von 84 auf 87 pro QKilometer gestiegen. Am dichtesten ist sie in Sachsen und Thüringen, ferner in Rheinland und Westfalen, am dünnsten in den preußischen Provinzen an der Ost- und Nordsee, in Posen, Mecklenburg und Oldenburg. Hinsichtlich des Geschlechts gab es 22,933,644 männliche, 23,922,040 weibliche Personen, woraus sich ein Verhältnis der weiblichen zur männlichen Bevölkerung von 104,3 zu 100 ergibt. Nur in der Rheinprovinz und Westfalen (mit 98,5 weiblichen auf 100 männliche) tritt ein Überwiegen der männlichen Bevölkerung hervor, im Königreich Sachsen und Thüringen, Württemberg, Posen, Ost- und Westpreußen, der Stadt Berlin und dem Regierungsbezirk Oppeln übertrifft die weibliche Bevölkerung an Zahl erheblich die männliche (106 -109:100). Nach dem Familienstand unterschied man

MännlichWeiblichInsgesamt
Ledige142492971389545928144756
Verheiratete7910620794444415855064
Verwitwete75088420372062788090
Geschiedene228634493167794

oder in Prozenten bei jedem der beiden Geschlechter: Ledige 62, resp. 58,1 Proz., Verheiratete 34,5, resp. 33,2 Proz., Verwitwete 3,3, resp. 8,5 Proz. und Geschiedene 0,1, resp. 0,2 Proz. In betreff des Alters ergab die Volkszählung 35,5 Proz. im Alter unter 15 Jahren, 38,1 Proz. zwischen 15 und 40 Jahren, 18,3 Proz. zwischen 40 und 60 und 0,8 über 60 Jahre alt. Im produktiven Alter (15 - 70 Jahre) standen 61,8 Proz., im Greisenalter 2,7 Proz. Am stärksten war das produktive Alter in den Städten Berlin und Hamburg, ferner in Oberbayern, Mecklenburg-Strelitz und der Kreishauptmannschaft Bautzen vertreten. Wenn man die Orte mit mehr als 2000 Einw. als städtisch, die mit weniger als 2000 als ländlich betrachtet, so wohnten 1885: 43,7 Proz. der Bevölkerung in Städten (1871 erst 36,1 Proz.), 56,3. Proz. auf dem Land. Von den 78,637 Gemeinden des Deutschen Reichs waren 2310 Städte, 58,724 Landgemeinden, 17,603 Gutsbezirke. 2771 Gemeinden hatten eine Bevölkerung von mehr als 2000 Einw., und zwar hatten 21 Städte mehr als 100,000 Einw., 116 zwischen 20,000 - 100,000, 683 zwischen 5000 - 20,000 und 1951 zwischen 2 - 5000 Einw. Seit 1880 hat sich besonders die Bevölkerung der Großstädte (mit mehr als 100,000 Einw.) vermehrt: von 7,2 auf 9,5 der Gesamtbevölkerung. Man zählte 5,630,304 bewohnte und 107,479 unbewohnte Wohnhäuser, außerdem waren 32,525 gewöhnlich nicht zu Wohnzwecken bestimmte Baulichkeiten bewohnt, darunter 9772 Schiffe und Wagen. Die Bevölkerung lebte in 9,999,558 Haushaltungen, wovon 677,743 Einzelhaushaltungen und 33,102 Anstalten waren. Auf ein bewohntes Gebäude kamen 8,27 Personen (die meisten in Berlin, Ost- und Westpreußen und Posen) und 1,77 Haushaltungen. Unter der ortsanwesenden Bevölkerung waren 44,771,503 Angehörige des betreffenden Staats 1,711,409 Angehörige andrer Bundesstaaten, 372,792 Reichsausländer.

Nach dem Religionsbekenntnis gab es 1885 in:
StaatenEvangelischeKatholikenJudenAndre Christen
Preußen18244405962176336657582030
Bayern15211143839440536975731
Sachsen307596187762775510263
Württemberg1378216598339131715322
Baden5663271004388271043322
Hessen641881278450261148005
Mecklenburg-Schwerin56842539792347326
Sachsen-Weimar301333108801313405
Mecklenburg-Strelitz9751630349755
Oldenburg2643047436316501180
Braunschweig357604125881470709
Sachsen-Meiningen21018829301521214
Sachsen-Altenburg160156111339147
Sachsen-Koburg-Gotha195710247251998
Anhalt2409835492160189
Schwarzburg-Rudolstadt832055274545
Schwarzburg-Sondersh.7266764823753
Waldeck542081454804109
Reuß ältere Linie5507258249149
Reuß jüngere Linie109202921129340
Schaumburg-Lippe3627359630326
Lippe1182793865102432
Lübeck65997805644101
Bremen1579446196840646
Hamburg47793615553168482505
Elsaß-Lothringen3129411210325368763771
Deutsches Reich1:2936984718785734568172125673

1Die Bekenner andrer Religionen als der hier angeführten, die Einwohner mit unbestimmter und solche ohne Angabe der Religion (zusammen im Deutschen Reich 11,278) sind in die vorstehende Tabelle nicht mit aufgenommen.

Eheschließungen fanden 1888: 376,654 statt; von 1,828,379 Gebornen waren 66,972 Totgeborne und 169,645 (9,28 Proz.) unehelich; der Überschuß der Geburten über die Sterbefälle (1,209,798) betrug 618,581 und hat gegen 1885 um 88,396 Köpfe zugenommen.

[Landwirtschaft.] Im J. 1888 hatte der Anbau der wichtigsten Feldfrüchte folgende Ausdehnung:

ErnteflächeErntemenge
Roggen5814253Hektar,5522740Tonnen
Weizen1933337=2530842=
Spelz365506=336017=
Gerste172[?]115=2260590=
Kartoffel2920330=21910996=
Hafer38[?]2488=4647583=
Wiesenheu5902693=15469931=

(Anmerkung des Editors: [?]...einzelne Ziffern im Original unleserlich)

Der seit 1885 etwas zurückgegangene Anbau von Tabak hat sich in den Jahren 1887 und 1888 ein wenig gehoben, ist aber neuerdings wieder gesunken; im Betriebsjahr 1887/88 waren 21,466 Hektar (1889: 17,405 Hektar) mit Tabak bepflanzt, die an getrockneten Tabaksblättern 40,866 Ton. ergaben. Die Zahl der Zuckerfabriken ist von 408 (1884/85) auf 391 zurückgegangen, in welchen 910,698 T. Rohzucker und 183,037 T. Melasse aus 6,96 Mill. T. Rüben produziert wurden. Außerdem lieferten 30 Stärkezuckerfabriken 13,904 T. Stärkezucker, 33,516 T. Sirup und 2180 T. Kouleur. Das definitive Ergebnis der Viehzählung vom 10. Jan. 1883 weicht von den ersten Erhebungen wenig ab; es wurden gezählt: 3,522,545 Pferde, 15,786,764 Stück Rindvieh,19,189,715 Schafe, 9.206,195 Schweine und 2,640,994 Ziegen. Im Durchschnitt kommen auf 100 Hektar 6,5 Pferde, 29,2 Rindvieh, 35,5 Schafe, 17 Schweine und 4,9 Ziegen.

[Industrie.] Im J. 1887 waren in 2436 Bergwerken (darunter 290 Nebenbetriebe) 337,634 Personen beschäftigt und förderten 88,873,000 T. Bergwerksprodukte im Wert von 448,8 Mill. Mk. Die Produktion stieg 1888 auf 95,866,220 T. im Wert von

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 232.