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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Deutsch-Ostafrika (physische Verhältnisse, Naturerzeugnisse).

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Deutsch-Ostafrika'

deutschen Witu geschieden sowie von der ebenfalls zur deutschen Interessensphäre gehörigen Somalküste, welche sich nördlich bis Kismaju, das dem Sultan von Sansibar gehört, erstreckt. Da D. somit in dem größern südlichen Teil keinen Hafen besitzt, so wurde mit dem Sultan von Sansibar ein Übereinkommen getroffen, wonach derselbe den Deutschen gegen eine jährliche Entschädigung zunächst die Hafenplätze Dar es Salam und Pangani überließ; 28. April 1888 aber schloß Sultan Kalifa, der seinem Bruder Said Bargasch gefolgt war, nach dem Vorgang Englands einen Vertrag ab, wonach er die gesamte Verwaltung des Küstenstrichs einschließlich der Zölle gegen eine Abgabe der Hälfte der Einnahmen auf 50 Jahre an die Deutschen verpachtete. Unter denselben Bedingungen überließ er den Engländern später auch die nördlich von Witu gelegenen Küstenplätze Kismaju, Barawa, Merka und Makdischu. Die deutsche Interessensphäre (ohne die Somalküste) umfaßt eine große Zahl von Landschaften, worunter die bedeutendsten sind: Makonde, Magwangwara, Mamwera, Wangindo, Mahenge, Uhehe, Ubena, Utschungu, Fipa, Kawende, Ugalla, Uwinsa, Uniamvesi, Ussukuma, Ururi, Turu, Ujansi, Ugogo, Usagara, Khutu, Usaramo, Ukami, Usegua (Anmerkung des Editors: (auch: »Useguha«) ), Nguru, Gedja, Usambara und Pare. Von ihnen sind aber nur Usegua, Nguru, Ukami und Usagara direkt unter deutschen Reichsschutz gestellt.

Physische Verhältnisse, Naturerzeugnisse.

Die Küste ist außerordentlich einförmig und zeigt weder durch stark hervortretende Vorgebirge oder tief einspringende Meeresarme noch durch breite Flußmündungen, mit Ausnahme der Baien von Tanga, Pangani und Kiloa, der tiefen Bai, in welche der Lindifluß mündet, endlich der Mikindanibai nördlich von Kap Delgado, irgend welche wesentlichere Abwechselungen. Ein labyrinthischer Zug kleiner, flacher Koralleninseln begleitet den Küstenrand bis Kiloa und erschwert Schiffen die Annäherung, macht sie sogar stellenweise höchst gefährlich. Weiter vorgelagert sind die größern Inseln Pembia [^richtig: Pemba], Sansibar und Mafia, ebenfalls an ihrer Westseite von Korallenriffen besäumt. Der Küstenrand ist im größten Teil seiner Länge ein teils aus verwitterten Korallenkalkmassen, teils aus Dünensand, hin und wieder an den Flußmündungen aber auch aus fruchtbaren Flußalluvionen gebildeter Landstrich, dessen Erhebung über den Meeresspiegel so gering ist, daß sich öfters eine Anlage zu Sumpfbildung zeigt. Die Flüsse verzweigen sich vor ihrem Austritt in den Ozean meist in zahlreiche Arme, welche sehr ansehnliche, mit Mangrovewaldungen bedeckte Deltas bilden und in der Regenzeit rasch weit und breit ihre Ufer überschwemmen. Weiter nach dem Innern zu hebt sich das Land terrassenförmig, und zwar liegen die höhern Gegenden im S. weiter von der Küste entfernt als im N. Auf die erste 1500 - 1800 m hohe Hochfläche folgen weite, unfruchtbare Savannen, aus denen vereinzelte Gebirge sich erheben. Das bedeutendste derselben ist der an der Nordgrenze unvermittelt aus der Ebene bis weit über 6000 m emporsteigende Kilima Ndscharo mit seinen beiden Gipfeln Kibo und Kimawenzi, welche einem 4000 m hohen Hochplateau aufgesetzt sind. Eine Menge wasserreicher Quellen rauschen von seinen Nord-, Ost- und Südabhängen herab, um in den Ruvu und den zum englischen Gebiet gehörigen Sabaki sich zu ergießen. Alle Zonen, von dem glühenden Tropenklima bis zur eisigen Kälte des Polarklimas, sind an seinen Abhängen vertreten. Gebirgig sind auch die Landschaften ↔ Usagara, Makata, Khutu und Ukami; in Uhehe erreichen die Berge eine Höhe von 1800 m, die Wasserscheiden zwischen den Seen und dem Terrassenland der Küste sind kaum irgendwo unter 1500 m Höhe. Die Bewässerung ist mit einigen Ausnahmen eine reichliche. Zwar können die Flüsse dem Verkehr nur in beschränktem Maß dienen, da ihr Lauf meist von zahlreichen, hohen Katarakten unterbrochen wird; doch führen sie das ganze Jahr hindurch Wasser, das die Bewohner einiger Landschaften bereits durch Kanäle ihren Feldern zuführen. Der Ruvu, dessen Quellen am Kilima Ndscharo liegen, ist von Pangani an seiner Mündung eine bedeutende Strecke aufwärts schiffbar; in seinem obern Lauf stürzt er in mächtigen Wasserfällen von Stufe zu Stufe. Die nicht weit voneinander gegenüber der Insel Sansibar bei Sadani, resp. Kingani mündenden Wami und Rufua sind beide in ihrem Unterlauf schiffbar. Der Wami durchströmt in seinem Oberlauf die Makataebene, in der trocknen Zeit eine dürre, verbrannte Gegend mit ziegelhartem Boden, in welchem weite Risse klaffen, in der Regenzeit ein tiefer, undurchdringlicher Sumpf, der jeden Zugang abwehrt. Der bedeutendste Fluß des Gebiets ist der Rufidschi oder Lufidschi, der tief im Innern entspringt, mehrere bedeutende Zuflüsse, aufnimmt und an feiner Mündung, gegenüber der Insel Mafia, ein Delta bildet. Zwar ist der Eingang zu seiner Mündung größern Schiffen durch Untiefen versperrt, doch kann derselbe in seinem ganzen Lauf mit großen Kähnen ohne irgend welches Hindernis befahren werden. Seine fruchtbaren Ufer eignen sich vor allen andern zum Plantagenbau. Ebenfalls sehr bedeutend ist der Grenzfluß Rufuma oder Lufuma, welcher, in seinem untersten Lauf inselreich und von außerordentlicher Breite, in die Rovumabai sich ergießt, aber leider nicht schiffbar ist. Von den westwärts ziehenden Flüssen ist der Malagarasi zu nennen, der südlich vom Handelsplatz Udschidschi in den Tanganjika sich ergießt; auch der am Südostende des Tanganjika gelegene viel kleinere Rikwa- oder Leopoldsee empfängt ansehnliche Zuflüsse.

Das Klima, an der Küste heiß und feucht, ist Europäern durchaus nicht zusagend, Fieber befallen dieselben fast ausnahmslos. Besser sind die Gesundheitsverhältnisse auf den höhern Stufen des Innern; das Klima einzelner Gegenden, insonderheit der Abhänge des Kilima Ndscharo, gestattet Europäern sogar dauernden Aufenthalt. Indes wird trotz der allgemein bedeutenden Erhebung des Landes über das Meer Ackerbaukolonisation in diesem Gebiet niemals eine bedeutende Ausbreitung gewinnen können. Die tropische Lage stellt nur Pflanzungs- und Handelskolonisation in Aussicht. Höchstens mögen sich einzelne Berginseln finden, welche Ackerbaukolonisten aufzunehmen geeignet sind. Was die Bodenbeschaffenheit des Landes betrifft, so ist dieselbe eine äußerst verschiedene. Fruchtbare, wasserreiche Landschaften mit prächtigen Wäldern und großen Weidestrecken wechseln ab mit Sandwüsten und öden Ebenen, welche mit dornigen Mimosen, scharfrandigen Schilfgewächsen, Euphorbien und Akaziengestrüpp bedeckt sind, wie eine solche das schöne Kilima Ndscharo-Gebiet von den Küstenlandschaften trennt. Auch in den besten Gegenden liegt die bestellbare Bodenschicht nirgends so tief, daß man dasselbe Land auf Jahre hinaus bebauen könnte, ohne seine Fruchtbarkeit zu erschöpfen. Die Vegetation ist in dem heißen, feuchten Küstenstrich überaus üppig und gänzlich tropisch, von der Flora der entsprechenden Westküste Afrikas indes durchaus verschieden. Kasuarinen- und Kokos-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 243.