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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Deutsch-Südwestafrika (Naturerzeugnisse, Bevölkerung).

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Deutsch-Südwestafrika'

Anmerkung: Fortsetzung von [Physische Verhältnisse.]

Die Küste verläuft sehr einförmig mit wenigen Einschnitten, von denen bisher nur drei brauchbare, Angra Pequena, Sandwichhafen und die Walfischbai, bekannt sind. Und nur an diesen Plätzen weist die Küste Niederlassungen auf, die wesentlich den Zweck haben, den Verkehr mit dem Innern zu vermitteln sowie für den Fischfang eine Stütze zu bieten. Angra Pequena ist eine vielverzweigte, felsige Bucht, die nicht allein von vielen Klippen umgeben ist, sondern auch noch drei Inseln und mehrere für die Schiffahrt gefährliche, gerade bis zur Oberfläche des Wassers reichende Felsen enthält. Alles Trinkwasser muß von der 900 km entfernten Kapstadt geholt werden. Dagegen besitzt Sandwichhafen eine Quelle süßen Wassers; leider türmen sich aber landeinwärts von diesem vortrefflichen Hafen hohe Sanddünen auf, die von Wagen nicht passiert werden können. Die Walfischbai aber, welche den Zugang zu Damaland und dem nördlichen Groß-Namaland vermittelt, ist in englischen Händen. Dieser bedeutendste der drei Häfen ist eine weite Bucht, die durch eine ins Meer hineinragende Landzunge vom offenen Ozean abgetrennt ist. Trinkwasser muß von dem eine deutsche Meile entfernten, im Thal des Swakop gelegenen Sandfontein geholt werden. Versuche, einen andern guten Hafen nördlich der Walfischbai zu finden, sind bisher erfolglos geblieben. Solche Versuche sind sehr beschwerlich, weil sie nicht von der Seeseite gemacht werden können, da jede Landmarke fehlt, und die Küste entlang können sie wegen des Mangels an Trinkwasser, wegen der hohen Dünen und des tiefen Sandes, die jeden Transport erschweren, nur auf kurze Strecken hin geschehen. Kapitän Boshart, der 32 Seemeilen nördlich vom Swakop vorgedrungen war, mußte hier sein Vorhaben wegen Wassermangels aufgeben; einen zweiten resultatlosen Versuch machte Freiherr von Steinäcker. Hinter dem weißen Sandstreifen der Küste breitet sich ein kaum weniger abschreckendes steiniges Gebiet aus, dann erhebt sich das Land zu weiten Hochflächen, aus denen im Damaland bedeutende Gebirgszüge hervorragen. In diese Hochflächen sind tiefe Flußthäler eingeschnitten, in welchen im Groß-Nama- und Damaland allein Ackerbau möglich ist. Die Bevölkerung ist auf Viehzucht angewiesen. Das Mittelland und das Omaheka oder Sandfeld eignen sich besonders dazu. Das letztere, welches sich von der Ostgrenze von 26 bis 20° südl. Br. hinzieht, ist ein ebenes, mit Gras, meist auch mit Büschen bewachsenes Hochland, das in der Regenzeit viele Teiche ausweist. Zur Wollzucht ist es wie geschaffen. Dagegen treiben die Ovampo einen nicht unbedeutenden Ackerbau, wie auch die Buren in Upingtonia in landwirtschaftlicher Beziehung sehr gedeihen. Indes sind diese Gegenden von Absatzmärkten viel zu weit entfernt, ein Schaffen etwa zu erzielender Agrikulturprodukte zur Küste ist finanziell unausführbar.

In Bezug auf den Pflanzenwuchs unterscheidet sich das Küstengebiet gleichfalls stark von dem Innern. Das erstere weist wesentlich Typen auf, welche der Kap- und Karruflora angehören. Vorherrschend sind besonders die Geraniaceen und Mesembryanthemeen. Daran schließen sich Akazien. Mit seinen kniehohen, holzigen und dornigen oder sukkulenten Sträuchern mit geringer Belaubung schließt sich das Küstengebiet der Karru an. Im Gebiet der Sommerregen tritt die Vegetation der tropischen Steppenlandschaften auf. Wir begegnen ausgedehnten Grassteppen, vorzugsweise gebildet von Toagras (Aristida ciliata), und der Buschsteppe aus mannshohem, oft undurchdringlichem Gebüsch, unter dem die Akazien vorherrschen. ↔ Die Baumvegetation besieht aus Kamelbaum (Acacia Giraffae), Dornakazie (Acacia horrida) und in Damaland dem Anabaum (Acacia albida) sowie Ebenholzbaum (Euclea pseudebenus). Besonders eigentümlich sind dem Lande die strauchartigen Euphorbiaceen, mehrere Aloearten, die Welwitschia mirabilis und die Narapflanze (Acanthosicyos horrida) mit eßbaren Früchten. Die Tierwelt enthält die Formen des übrigen Süd- und Zentralafrika. Elefanten, Rhinozerosse, Giraffen, Zebras, Büffel, Löwen u. a. waren früher zahlreich, sind aber jetzt nur noch in den nördlichsten Gegenden zu treffen, da sie schonungslos gejagt wurden. Von Raubtieren trifft man noch Leoparden, Hyänen, Schakale, außerdem den Springbock, die Oryx- und Kudduantilope, Affen sind zahlreich. Der Strauß kommt nur noch in entlegenen Gegenden vor; sehr häufig sind dagegen Schildkröten, Eidechsen, Schlangen, darunter viele giftige, Heuschrecken, große Spinnen und Skorpione. Von wertvollen Naturprodukten blieb nach Ausrottung der Elefanten und Strauße demnach wenig, denn Ebenholz und das Harz der verschiedenen Bäume und Sträucher konnte den Handel nicht genügend nähren. Mit dem Ausbleiben des Elfenbeins und der Straußfedern fiel der bisher schwunghaft betriebene Handel sofort sehr bedeutend. Allein Hottentoten sowohl als Dama besitzen sehr große und von ihnen selbst wenig benutzte Herden von Vieh: Rinder, Schafe und Ziegen, einzelne Herden sind 30 - 40,000 Stück stark. Häute, Felle und Hörner werden in beträchtlichen Mengen ausgeführt. Das einzige Absatzgebiet für Vieh ist die Kapkolonie, und dorthin über Hunderte von Meilen Vieh zu treiben, ist ein mit großer Gefahr verbundenes Unternehmen. Der Hauptreichtum des Landes besteht wahrscheinlich in seinen Mineralschätzen und vielleicht auch in der Küstenfischerei.

Seiner geologischen Beschaffenheit nach ist ganz Südafrika südlich vom Sambesi auf einer Flächenausdehnung von ca. 70,000 geographischen QMeilen als ein einziges Hochland mit gleichartiger Bodengestaltung zu betrachten. Überall finden sich Urgesteine vor, namentlich Gneis, Granit und kristallinische Schiefer. Die letztern kommen vom Oranjefluß bis zum Cunene vor. Quarz- und Dioritgänge sind dort besonders reichlich vorhanden, in denen oft gewaltige Kupfermassen eingebettet sind. Dies sind auch die Gesteine, in welchen Gold teils in gediegenen Massen, teils in Stücke eingesprengt sich vorfindet.

Die Bevölkerung scheidet sich ethnographisch in zwei Hauptstämme: Bantu und Hottentoten. Zum ersten gehören die Ovampo und Dama im N., zum zweiten die Nama im S. Dazu kommen noch dir Mischlinge (Bastards) und die über das ganze Gebiet verstreuten, aber meist im N. lebenden räuberischen, unstet umherziehenden Bergdama oder Buschmänner, welche vielleicht als Reste einer afrikanischen Urbevölkerung mit den Akka und andern afrikanischen Zwergvölkern zusammenhängen. Über die Zahl der Bevölkerung liegen nur Schätzungen vor, die von dem Engländer Palgrave und den Missionären Hahn und Büttner herrühren. Die in acht Stämme zerfallende Bevölkerung von Ovampoland wird auf 98,000 Seelen veranschlagt, die von Dama- und Namaland auf 147,000 Seelen. Von den letztern sind 17,000 Nama und Bastards, 80,000 Herero und 50,000 Bergdama. Außerdem ließen sich in Ovampoland nördlich vom 20.° südl. Br. Buren nieder, welche dort die Republik Upingtonia mit dem Hauptort Grootfontein gründeten.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 249.