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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Dingelstädt - Doko

dierte aber 1862–65 in Bonn und Münster Philosophie und erwarb an der Akademie zu Münster den philosophischen Doktorgrad. Darauf wirkte er wieder als Lehrer an der Anstalt zu Gaesdonk bis zu ihrer Schließung, wurde dann Rektor in Goch, später Erzieher des jungen Grafen von Hoensbroich in Vechta und 1875 Lehrer am Gymnasium daselbst. 1889 wurde er zum Bischof von Münster erwählt.

Dingelstädt, (1885) 3313 Einw.

Dingolfing, (1885) 3636 Einw.

Dinkelsbühl, (1885) 4477 Einw.

Dinslaken, seit 1887 Kreis Ruhrort, (1885) 2638 Einwohner.

Dippoldiswalde, (1885) 3375 Einw.

Dircks, Henry, engl. Schriftsteller, starb 1873.

Dirichlet, Peter Gustav Lejeune, Mathematiker. Eine Gesamtausgabe seiner mathematischen Werke veranstaltet die königliche Akademie der Wissenschaften (Bd. 1, hrsg. von Kronecker, Berl. 1889).

Dirschau, seit 1887 Kreis Dirschau, (1885) 11,146 Einwohner.

*Discovery-Expedition, 1839-43, s. Maritime wissenschaftliche Expeditionen (Bd. 11).

*Dislokation (lat.), im geologischen Sinn die Gesamtheit aller der mechanischen Veränderungen in der ursprünglichen, flachen Lagerung der sedimentären Schichten, welche nach der Bildung und Verfestigung der letztern eingetreten sind. Die Dislokationen sind gewöhnlich linear und lassen sich in zwei Klassen teilen, je nachdem die Bewegungen, aus denen die D. hervorgegangen, hauptsächlich vertikal oder horizontal gewesen sind. Im erstern Fall ist ein längsgestreckter Streifen der Erdrinde relativ zu dem nebenliegenden Stück gehoben oder gesenkt worden in der Richtung des Erdradius (radial) nach einer oft sehr scharf ausgesprochenen Bruchlinie (Verwerfung). Im zweiten Fall erfolgte die Bewegung der Massen tangential zur Erdoberfläche, wodurch die Schichten aufgerichtet und in Falten gelegt wurden. Beide Arten von D. kommen getrennt vor, so daß man Bruchregionen und Faltungsregionen unterscheiden kann, meistens finden sich aber beide Bildungsweisen kombiniert. In jeder der beiden Klassen können die Dislokationen in zwei Formen von ganz verschiedenem Aussehen auftreten, je nachdem sie mit oder ohne Bruch vor sich gegangen sind. Ersteres bedingte eine Trennung, letzteres eine Umbiegung der Schichten. In der Klasse der D., welche aus einer vertikalen Bewegung hervorgegangen sind, ist der Bruch vorherrschend, welcher der relativen Verschiebung der beiderseitigen Stücke der Erdrinde vorausging; in der Klasse der D. durch Horizontalschub ist der Bruch die äußerste Grenze der Faltung. Umgekehrt entsteht Umbiegung infolge seitlichen Druckes bei der zweiten Klasse der D. fast ausnahmslos, während in der ersten Klasse der D. eine Biegung sich nur aus einer Streckung der Schichten entwickeln kann. In Bezug auf die Bewegung der einzelnen Schichtenkomplexe kann man nur von einer relativen Richtung sprechen. Mit dem Ausdruck »gehoben« oder »gesenkt« wird nur die gegenwärtige thatsächliche Lage der verstellten Schichten zu einander bezeichnet, während das Verhältnis in Wirklichkeit sogar durch eine ungleich starke Bewegung beider Teile hervorgerufen sein kann. Die gleiche Auffassung gilt für die Horizontalbewegungen; eine nach N. überschobene Falte kann auch durch eine entgegengesetzte Bewegung in der Basis der Falte entstanden sein. Als Ursache aller Dislokationen nimmt man allgemein die Kompression der starren Erdrinde infolge der durch Abkühlung bedingten Kontraktion des noch heißen Erdinnern an. Vgl. Margerie und Heim, Die Dislokationen der Erdrinde (deutsch u. franz., Zürich 1888).

*Dispositīv (lat.), bestimmend, anordnend. Im Staatsbudget nennt man d. denjenigen Teil, welcher für die Verwaltung bindende Bestimmungen enthält.

Ditfurt, (1885) 2154 Einw.

Dithmarschen, Landschaft, (1885) 66,514 Einw.

*Dito und Idem, Pseudonym der Königin Elisabeth von Rumänien (Carmen Sylva) und der Schriftstellerin Mite Kremnitz (s. d., Bd. 17).

Dittersbach, 1) Regierungsbezirk Breslau, (1885) 6573 Einw.

Dittmannsdorf, (1885) 2018 Einw.

*Dnjepr-Bugkanal, s. Königskanal (Bd. 10).

Dobberschütz, (1885) 1323 Einw.

Döbeln, (1885) 11,972 Einw.

Doberan, (1885) 4171 Einw.

Dobrilugk, (1885) 1481 Einw.

*Dobschau (Dobsina), Bergstadt im ungarischen Komitat Gömör. 8 km hiervon, in dem romantischen Sztraczenaer Thal, nächst der Dobschauer Eishöhle, befindet sich eine Villenkolonie mit Badeanstalt, die als klimatischer Kurort sehr beliebt ist.

*Dochow, Adolf, Kriminalist, geb. 24. Sept. 1844 zu Templin, studierte in Berlin, Göttingen, Heidelberg und München, habilitierte sich 1871 in Heidelberg und wurde bereits 1872 zum ordentlichen Professor in Halle ernannt, wo er 20. Dez. 1881 starb. Unter seinen Schriften sind außer zahlreichen Rezensionen und Zeitschriftenaufsätzen zu nennen: »Zur Lehre von dem gewerbs- und gewohnheitsmäßigen Verbrechen« (Jena 1871); »Meineid, falsche Anschuldigung, Beleidigung« (im 3. Band von Holtzendorffs »Handbuch des deutschen Strafrechts«, Berl. 1874); »Die Buße im Strafrecht und Strafprozeß« (Jena 1875); »Das Verbrechen des Mordes und die Todesstrafe« (in der »Deutschen Revue«, Bd. 1); »Der Zeugniszwang« (Jena 1877). Letztere Schrift, in welcher er in durchaus sachlicher Weise die juristische Natur des Zeugniszwanges feststellte und hierbei zu einer Verneinung der durch den bekannten Fall Kantecki angeregten Frage nach der Befreiung der Zeitungsredakteure von der allgemeinen Zeugnispflicht gelangte, hat nicht verfehlt, D. heftigen persönlichen Angriffen der Tagespresse auszusetzen. Besondere Aufmerksamkeit hat D. der Verbesserung des Strafensystems zugewendet. 1881 gründete er mit Franz v. Liszt (s. d., Bd. 17) die (wesentlich diesen Bestrebungen dienende) »Zeitschrift für die gesamte Strafrechtswissenschaft«.

Döhlen, (1885) 2334 Einw.

Doyme, Robert, wurde 1888 vom Kaiser Friedrich zum Direktor des Hofmarschallamtes ernannt, nahm aber schon 1889 seinen Abschied.

Dohna, 1) Sachsen, (1885) 2410 Einw.

Dohna, 9) Burggraf Karl Friedrich Emil von, preuß. Generalfeldmarschall (1784–1859). Ihm zu Ehren erhielt 1889 das ostpreußische Ulanenregiment Nr. 8 den Namen Ulanenregiment Graf zu D.

*Doiran (Dorijan), Hauptort eines Kaza im türkischen Wilajet Saloniki, 60 km nördlich von Saloniki, am 160 m hoch gelegenen Doirangöl, Sitz eines griechischen Bischofs, mit etwa 5000 Einw. (davon 2/5 christliche, 1/5 mohammedanische Serben, 2/5 Türken), welche Ackerbau und Handel mit Getreide und Fischen treiben.

*Doko, Zwergvolk in Afrika, im S. oder SO. von Kaffa, zuerst von Krapf genannt, der einen »etwa 4 Fuß« hohen Mann sah, dann von d’Abbadie in Kaffa