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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Groß-Müritz - Grün
gebahnt. Ein schon im Vorfahr geplantes Gesetz, durch welches ein eignes Ackerbauministerium geschaffen wurde, ging diesmal durch (23. Juli), ebenso ein Gesetz, betreffend den Schutz der Kinder gegen Mißhandlung unddie Einschränkung der Kinderarbeit.
Für Irland sorgte die Regierung durch Gesetzesvorlagen über den Bau von Sekundärbahnen und die Entwässerung verschiedener Landstriche, gegen welche ^011 den irischen Abgeordneten in hartnäckigster, aber vergeblicher Obstruktion angegangen wurde. Tagegen mußte eine Vorlage üder Annahme der internationalen Konvention zur Abschaffung der Zuckerprämien, um eine Niederlage zu vermeiden, zurückgezogen werden. Ärgerliche Debatten verursachte gegen den Schluß der^ Session noch die Forderung der Königin, daß Apanagen für die ältesten Kinder des Prinzen uon Wales, den Prinzen Albert Viktor und die Prinzessin ^uise, welche sich 27. Juli mit dem herzog von Fife vermählte, bewilligt würden. Die Radikalen, insbesondere Labouchere und Bradlaugh, aber auch Morley, bekämpften alle weitern Geldbewilligungen für die königliche Familie in der rücksichtslosesten Weise; doch wurden ihre Gegenanträge 27. und 2l). Juli mit großer Majorität abgelehnt und der uon einem Sonderausschuß des Hauses geinachte Vorschlag, das Einkommen des Prinzen von Wales um 36,000 Pfd. Sterl. zu vermehren, von dettctt cr selbst die Apanagen seiner Kinder bestreiten sollte, angenommen. Ein sehr bemerkenswerter Zwischenfall trug sich noch in den letzten Tagen der erst Ende August geschlossenen Session zu. Bei Gelegenheit der Beratungen über ein Gesetz, betreffend den technischen Unterricht, gab der Obersekretär für Irland, Mr. Balfour, die Zusicherung ab, daß die Regierung im nächsten Jahr eine Bill über die Errichtung einer katholischen Universität in Dublin eindringen werde, und bewirkte dadurch, daß die Parnelliten, die bisher im Bund mit den Gladsto nianern alle Bestimmungen jenes Gesetzes bekämpft hatten, sich von diesen abwandten und für alle Anträge der Regierung stimmten. Eine dauernde Bedeutung für die Gestaltung der englischen Parteiuerhältniss'e scheint freilich diese Schwenkung nicht gehabt zu haben, und der Gegensatz zwischen den Iren nnd der Regierung blieb schroff und unversöhnlich.
Auch die Gladstonianer fuhren nach Schluß der Parlamentssession in ihren Angriffen gegen Lord'Salisoury und seine Anhänger in heftigster Weise fort und suchten durch die Antündigungueuer, sehr weitgehender demokratischer Maßregeln die öffentliche Meinung zu gewinnen, während die Regierung in geheimnisvollen Andeutungen auch ihrerseits auf überraschende Vorlagen in der nächsten Tagung des Parlaments vorbereitete. Nach außen hin geriet England im Anfang des Jahrs 18W wegen gewisser ostafrikanischer Gebictsfragen in einen heftigen Konflikt mit Portugal, erzwang aber durch eine Flottendemonstration und durch die Drohung mit dem sofortigen Abbruch der diplomatischen Beziehungen, die in emem sehr schroff gefaßten Ultimatum gestellt wurde, die Nachgiebigkeit des schwachen Gegners.
Neuere Litteratur: Bartholomew, (F^2ett66r
0t ttl6 Liiti8U 18168, toiwß 1'H1)IÜ0Äi 5M(l kttttiöti CHi
(Edinb. 1887); Neelmeyer-Vukassowitsch, G. und Irland (Leipz.1886); Vogel, Das britische Kolonialreich l Berl. 1886); Schuster, Die bürgerliche Rechtspflege in England (das. 1887); Archer, ^ne llritisk l U'M)' (Lond. 1888); Dilte, 1'!^ Nri'tisli UI'INV (das. 1868); Lucas, Iliswi'ioai ^<x>^'l'l»i»Ii)'oi illo ^liti^li (X)1oilic!8 (das. 1889 ff.).
Moß-Müritz, Dorf in Mecklenburg-Schwerin, an der Ostsee und in der Ribnitzer >>eioe, mit Seebad, Seelwsviz für Kinder und 133 Einw.
Grotesend, 4) Hermann, Geschichtsforscher, geb.
18. Jan. 1845 zu Hannover, Sohn uon G. 2). studierte in Göttingen zuerst Medizin, dann Geschichte unter Waitz, machte darauf unter Jaffe's Leitung in! Berlin gründliche Studien in Chronologie, Paläographie u.Diplomatik und ward darauf zum Aspiranten beim Staatsarchiv in Breslau, 1874 zum Staatsarchivar in Aurich ernannt. 1876 folgte er einem Ruf als Stadtarchivar nach Frankfurt a. M. und wurde im Oktober 1887 als Chef des großherzoglichen Geheimen und Hauptarchius mit dein Titel eines Archivratsnach Schwerin berufen. Erschrieb: »Handbuch der historischen Chronologie« (Hannov. 1872); »ÜverSphragistik« (Bresl. 1875); Stammtafelnder schlesischen Fürsten bis zum I. 1740« (2. Ansi., das.
1889); »Christian Egenolff (Frankf. 1881).
'-Grube, 2) Max, Schauspieler, geb. 25.März 1854 zu Dorpat, wiometesich gegen den Willen seiner Eltern der Bühne und begab sich mit 18 Jahren nach Meiningen, wo er anfangs unglücklich debütierte, aber nach Jahresfrist mit besserm Erfolg auftrat. Während eines Engagements am Hoftheater zu Detmold im I. 1875 spielte G. bereits hervorragende Charakterrollen, wie Richard III., Franz Moor, Shylock, Iago, und das Fach der Eharakterdarstellcr und Intriganten ist auch später seine Besonderheit geblieben. In den folgenden Jahren war er in Lübeck, Bremen, Leipzig uuo an den .Hoftheatern zu Dresden und Meiningen thätig, und 1889 trat er in den Verband des königl. Schauspielhauses zu Berlin. Seine übrigen Hauptrollen sind: Hamlet, Wattenstein, König i!ear, Macbeth und Mephisto. G. ist auch schriftstellerisch thätig und verfaßte unter anderm die Schauspiele: .Christian Günther (Oldenb. 1882) und Strandgut (das. 1885).
"Gruben, Dorf in der sächs. Kreishauptmannschaft Dresden, Aintshauptmannschaft^ieißen, hat eine an Eisen und Mangan reiche Mineralquelle mit Bad und li««5) 1-^51 Einw.
Hrubentheodolit, s. Theodolit (Bd. 15).
"Gruitsch, Sawa, serb. Staatsmann, geb. 1840 zu Kolare bei Poscharewatz, besuchte bis 1861 die Belgrader Militärschule, war dann IV2 Jahr zur Gardeartillerie in Berlin kommandiert, kämpfte 1863 im polnischen Aufstand mit und wurde sodann von der serbischen Regierung nach Rußland geschickt, wo er drei Jähre die Artillerieschule in Michailow besuchte und dann zwei Jahre praktischen Dienst that.
1873 wurde er wegen einer Schrift über das serbische Militärwesen, dessen Mängel er scharf tadelte, aus dem serbischen Heer entlassen, aber bald wieder zum Direktor des Arsenals in Kragujewatz ernannt, sodann in das Kriegsministerium berufen und im Türkenkrieg 1876 mit dem Oberbefehl der Artillerie betraut.
1877 übernahm Oberst G. das Kriegsministerium und gab dem serbischen Heer die noch jetzt bestehenden Einrichtungen. 1878 zurückgetreten, ging er 18751 als Generalkonsul nach Bulgarien, 1882 als Gesandter nach Athen und 1885 nach Petersburg. 1887 ward er wiederum zum Kriegsminister und bald zum Ministerpräsidenten ernannt und trat 1889 wiederum^ an die Spitze des von der Regentschaft eingesetzten Ministeriums. G. gehört zur radikalen Partei, ist aber gemäßigt und versöhnlich; er ist ein sehr unterrichteter, tüchtiger Offizier.
Grün, l) Karl, Publizist, starb 18. Febr. 1887 in Wien. ^^ .. >^, .,. .-.- ? .. ^^