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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Höffding - Hoffmeister
berufen werde (sogen. Aufgriffsrecht). Der Übernehmer wird bei der Erbteilung bis zur Höhe des lastenfreien Wertes des Hofs Schuldner der Verlassenschaft. Der Wert des Hofs wird durch Übereinkommen der Beteiligten und in Ermangelung eines solchen durch das Gericht, jedoch nach billigem Ermessen, daß der Übernehmer wohl bestehen kann, bestimmt.
Wenn die Parteien sich über die Frist, die Raten der Auszahlung und die Verzinsung des den Miterben auszuzahlenden Betrags nicht einigen, so hat das Gericht hierüber zu entscheiden. Weitere und einschneidendere Bestimmungen sind der Landesgesetzgebung anheimgegeben. Sie kann für Höfe mittlerer Größe Beschränkungen der freien Teilbarkeit festsetzen oder Bestimmungen erlassen, wonach derartige Höfe von Personen, in deren Eigentum solche Höfe oder größere landwirtschaftliche Besitzungen bereits stehen, gar nicht oder nur unter bestimmten Voraussetzungen oder Beschränkungen erworben werden sollen. Im ganzen will das Gesetz die Erhaltung der Höfe in einer Hand begünstigen, auf der andern Seite aber auch die Latifündienbildung verhindern.
*Höfsding, Harald, dän. Philosoph, geb. 1843, studierteTheologie, absolvierte das theologische Amtsexamen, wandte sich aber, hauptsächlich beeinflußt durch die Werke Sören Kierkegaards, in der Folge dem Studium der Philosophie zu und promovierte l870miteinerAbhandlung:»DiestoischeBestimmung
der Willensfreiheit«. Die Bekanntschaft mit der modernen englischen Philosophie brachte ihn indessen zu bestimmter« Anfängen selbständigern Forschens. Er veröffentlichte (in dänischer Sprache): »Die Philosophie in Deutschland nach Hegel« (1872); »Die englische Philosophie unsrer Zeit« (1874; deutsch von Kurella, ^eipz. 1839); »Die Grundlage der humanen Ethik« (1876); »Spinozas Leben und Lehre« (1877); »Die Psychologie im Umriß« (2. Aufl.1885);»Ethik«(1887); »Charles Darwin« (1889).
'Hoffmann, 20) Heinrich, Maler, geb. 18. Okt.
1814 zu Frankfurt a.M., war anfangs Zimmermaler, wurde aber seit 1835 durch den Verkehr mit damals in Frankfurt anwesenden jüngern Künstlern, besonders mit A. Achenbach, zur Landschaftsmalerei geführt, in welcher er sich jedoch erst von 1843 bis 1850 auf dem Städelschen Institut unter der Leitung Jakob Beckers ausbilden konnte. Daneben machte er Naturstudien auf Wanderungen im Taunus, Odenwald und Schwarzwald, am Rhein, der Mosel und der Ahr, denen später größere Reisen nach der Schweiz und Tirol folgten. 1848 malte er seine ersten größern Bilder, in welchen zwar noch die romantische Stimmung nachklang, die sich aber bereits durch selbständige Naturbeobachtung auszeichneten. Auch in seinen spätern Werken hielt er an idealer Auffassung und .Nomposition fest, schloß sich jedoch in den Einzelheiten eng an die Natur an. Er hat zahlreiche Wald- und Alpenlandschaften, Waldbäche, Felsenschluchten, Mondnächte, Heidelandschaften, Straßen und Gäßchen aus dem alten Frankfurt und verfallene Burgen aus dem Taunus gemalt, welche sich meist im Frankfurter Privatbesitz befinden. Seine Hauptwerke sind: eine Waldlandschaft von 1873, Mondnacht im Wald (1879) und das Wetterhorn (1881).
-21) H a n s, Schriftsteller, geb. 27. Iuli1848 zu Stettin, studierte in Bonn, Berlin u. Halle Philologie, trat eine größere Studienreise nach Italien an und begann, nachdem er im Januar 1871 mit einer Dissertation: >über die Entstehung der Nibelungen ,, die philosophische Doktorwürde erworben, in Stettin, Stolv und Danzig seine Laufbahn als Gymnasial lehrer, die, bereits 1872 einmal durch einen längern Aufenthalt in Rom und eine Reise nach Athen und Konstantinopel unterbrochen, 1878 durch den Entschluß, sich ganz der Litteratur zu widmen, beendigt ward. Nach abermaligen Reisen nach Italien und Griechenland und längerm Aufenthalt im Elternhaus siedelte H. 1882 nach Berlin über, wo er den größern Teil seiner seitdem veröffentlichten Werke schuf. H. gehört zu den besten, nach künstlerischer Reife und künstlerischem Vortrag ringenden Novellisten der Gegenwart, eine gewisse Feinheit der Umrisse und Wärme der Farbengebung zeichnen seine Erzählungen aus, die der Phantasie einer wahrhaft poetischen Natur entstammen. Außer dem Gedicht Der feige Wandelmar« (Leipz. 1883) erschienen von ihm die Novellensammlungen: »Nnter blauem Himmel« (Verl.
1881), »Der Hexenprediger und andre Novellen« (das.
1883),»ImLandederPhäaken«,Novellen(das.1884),
»Neue Korfugeschichten« (das. 1887), die größere Novelle »Brigitta von Wisby< (Leipz. 1884), nach der Rich.Voß sein gleichnamiges Trauerspiel bearbeitete; ferner: »Von Frühling zu Frühling«, Bilder und Skizzen (Verl. 1889), und der Roman > Iwan der Schreckliche und sein Hund« (Stuttg. 1889).
*22) Ludwig, Architekt, geb. 31. Juli 1852 zu Darmstadt, studierte auf der Akademie in Kassel und Berlin und begann seine praktische Thätigkeit als Bauführer beim Bau der Kriegsakademie in Berlin.
Nachdem er 1884 die Prüfung als Regierungsbaumeister bestanden, beteiligte er sich an der Konkurrenz um die Bebauung der Museumsinsel in Berlin mit einem Entwurf, welcher von der preußischen Regierung angekauft wurde. Im Herbst 1884 unternahm er eine Studienreise, während welcher er in Gemeinschaft mit P. Dybwad (s. d., Bd. 17) einen im Stil der italienischen Renaissance gehaltenen Entwurf für das deutsche Reichsgerichtsgebäude in Leipzig anfertigte, der ihm bei der Konkurrenz im März 1885 den ersten Preis und die Ausführung eintrug.
H. lebt in Berlin.
*tzoffmeifter, 3) Heinz, Bildhauer, geb. 24. Juni 1851 zu Saarlouis, besuchte das Gymnasium zu Kreuznach, bildete sich aber daneben des Abends im Atelier der Bildhauer Gebrüder Cauer. Seme weitere künstlerische Ausbildung erhielt er auf der Akademie zu Düsseldorf. Doch wurden seine Studien durch den Krieg unterbrochen, aus welchem er als Offizier mit dem Eisernen Kreuz zurückkehrte. Später nulM cr seinen Wohnsitz in Berlin. Nachdem er sich zuerst mit einer Reihe von Bildnissen bekannt gemacht, schuf cr eine lange Reihe von Figuren und Gruppen, in welchen sich ideale Auffassung mit einer sich treu an die Natur anschließenden Formenbehandlung verbindet.
Von seinen an öffentlichen Orten aufgestellten Schöpfungen sind die hervorragendsten: das Marmorstandbild des Generals v. Frankenberg in Köln, das David Hansemann-Denkmal in Aachen, die Kolossalstatuen für einen monumentalen Brunnen in Erfurt, das Moses Mendelssohn-Denkmal in Dessau, zwei Kolossalstatuen aus der Zeit Friedrichs II., Grena dier und Kürassier, im königlichen Schloß zu Berlin und die Koloffalbüsten Wrangels und v. Goebens in der Feldherrenhalle des Zeughauses zu Berlin. Auch hat er die Kaiser Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II. wiederholt nach dem Leben modelliert. H. hat weite Reise durch Deutschland, Frankreich, Schweden, Norwegen, Spanien, Italien, Nordafrika, Ägypten und Palästinagemacht. Erschrieb: »Kriegsskizzenbuch 1870/71«; »Durch Südspanien und Marokko« (Verl. 1888); .Von Eaprinach Jerusalem« (das. 1889).
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