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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hydroxylamin - Hyperhidrosis
aus der 6Ä8ti'uIa entwickelt, im wesentlichen den morphologischen Wert einer einfachen Medusenform und hat als erbliche Wiederholung der ursprünglichen Stammform die größte palingenetische Bedeutung.
Dem entgegengesetzt betrachtet die Polypersontheorie die Schwimmpolypen als eine Tierkolonie, zusammengesetzt aus vielen polypenartigen Einzeltieren, welche nach den Gesetzen der Arbeitsteilung die mannigfaltigsten Umbildungen, Ausbildungen und Rückbildungen erlitten haben; dieser Theorie muß die medusenförmige Larve cä'nogenetisch erscheinen. Beiden Theorien gegenüber stellt Häckel die in der Mitte stehende Medusomtheorie auf. Dieser Theorie nach ist die ausgebildete Siphonophore in der That ein Stock, ein ^0linu8, der aus vielen polymorphen Personen zusammengesetzt ist, die Häckel ^I6(w8oma, nennt; die Einzelorgane dieser Personen aber haben nicht den gleichen morphologischen Wert wie die Personen. Die medusoide Larvenform, aus welcher durch Knospung der ganze Stock entsteht, ist nach dieser Theorie keine entwickelungsgeschichtliche Fälschung, sondern von palingenetischer Bedeutung.
Die ganze Klasse zerfällt in zwei Subklassen: Disconluttlmk und ^i Moimutline. In der Ordnung der Hväi'uiäka finden sich bekanntlich verschiedenartige Tierformen: festsitzende Polypen oder Polypenstöcke und frei schwimmende Medusen, zu welchen erstere zum Teil als Ammen gehören. Auch von diefer Abteilung finden fich Arten in großeil Tiefen, und einige derselben, die Unterfamilie der Pektylliden, leben auf dem Boden der Meere, .häckel konnte eine Form lebendbeobachten. Die Tentakeln solcher Bodenmedusen haben in der Mehrzahl breite Saugscheiben, welche die Medusen in gleicher Weise wie die Seeigel ihre Füßchen gebrauchen, indem sie dieselben abwechselnd weiterschieben und anheften, wobei dann der Körper nachgezogen wird. Hierbei marschierte die von Häckel beobachtete Meduse mit besonderer Vorliebe verkehrt, d. h. den Scheitel nach unten und den Mundstiel nach oben gekehrt. Alle Tiefseemedusen, auch die Vodenmedusen, haben ein kräftiges Vklum, was auf eine bedeutende Schwimmfertigkeit schließen läßt. Wahrscheinlich leben sie auch in verschiedenen Wasserschichten, wie dies wenigstens von vielen im Mittelmeer lebenden Medusen nachgewiesen ist. Auffallend ist bezüglich der Horizontalverbreitung der geringe Anteil, den medusoide Formen der Hydroiden an der Zusammensetzung der australischen Cö lenteratenfauna nehmen; sie sind daselbst gering an Zahl und klein, wahrscheinlich infolge der Häufigkeit der großen Akalephen, welche dieselben nicht aufkommen lassen. Um so häufiger sind bei Australien die in äußerster Mannigfaltigkeit und Größe auftretenden polypoiden Formen, die etwa zwei Drittel aller überhaupt bekannten Formen ausmachen mögen. Ein weiteres Verbreitungszentrum dieser zierlichen Meerestiere scheint bei den' westindischen Inseln zu liegen. Im ganzen und großen gehören die polypoiden Formen der Hydroiden der Fauna des seichten Wassers an; charakteristische Tiefseegattungen sind wenige bekannt, so Or^pwiari^, ?6i'i8ii)1wnig. und Nonoe^uw», von denen die letztere Gattung bis zu 2900 Faden geht.
Doch steigen auch einzelne Arten von Gattungen, die überwiegend an der Küste sich finden, in größere Tiefen hinab. Wie dies häufig zu beobachten ist, haben auch hier Tiefseeformen eine weite horizontale Verbreitung. So findet sich ?6ri8ipk0iii«. üliculg. in der australischen Region und bei den Azoren und Olaäoc^r^us tornw Zus sowohl bei Japan als bei den Färöern, ohne daß beide Male an dazwischenliegenden
Punkten das Vorkommen der Art nachgewiesen worden wäre. Vemerkenswertisteine Tiefseeform, welche durch ihre gigantische Größe die sonst zierlichen Verhältnisse der" Polypen weit überragt. Es ist dies HIoiwcnuluß impki'awi', im Nordpacific in Tiefen von 1875 und 2900 Faden gefunden, dessen Stamm über 2 m lang ist, und dessen innerer Tentakelnkranz 23 cm im Durchmesser, der äußere aber gar ca. 1,5 in
mißt.
Hydroxtzlamin^II^O entsteht bei Behandlung von Salpetersäureäthyläther oder Stickoxyd mit Zinnund Salzsäure, bei Einwirkung von konzentrierter Salzsäure auf Knallquecksilber; es wird dargestellt, indem man saures schwefligsaures Natron in konzentrierter Lösung zu salpetrigsaurem Natron hinzufügt, das entstandene hydroxylamindisulfosaure Natron durch EHIorkalium in das schwer lösliche Kalisalz verwandelt und dies durch Erhitzen in schwefelsaures Kali und schwefelsaures H. zersetzt. Aus letzterm erhält man durch Ätzbaryt reines H., welches nur in Lösung bekannt ist. Es ist geruchlos, alkalisch, fällt viele Metallsalze, wirkt reduzierend, zersetzt sich teilweise bei Destillation, gibt mit konzentrierter Kalilauge Stickstoff, Stickstoffoxydul und Ammoniak. Die Salze sind meist in Wasser und Alkohol, nicht in Äther löslich. Salzsaures H. NH,0.It0I ist dem Salmiak ähnlich, leicht löslich in Wasser, reagiert sauer, schmeckt salzig, fällt aus Gold-, Silber-, Quecksilbersalzen die Metalle, schmilzt bei 150" und zersetzt sich dabei. Das Salz ist giftig, es ist in der Medizin als Ersatzmittel der Pyrogallussäure, des Chrysarobins und des Anthrarobins empfohlen worden. Pflanzenkeime sterben in einer Löfung von 1:15,000. Inder Photographie benutzt man es als Entwickler, in der chemischen Analyse als Reduktionsmittel.
Hyeres, (iW6) 8045 (Gemeinde 13,485) Einw.
"Hygienische Institute, Anstalten für akademische Lehrzwecke und wissenschaftlich-experimentelle Forschung auf dem Gebiet der öffentlichen Gesundheitspflege. Nachdem 1865 an den bayrischen Universitäten hygienische Lehrstühle errichtet worden waren, wurde 1879 das erste hygienische Institut in München eröffnet. Dasselbe enthält Laboratorien, 28 Arbeitsplätze, Hörsäle, Sammlungen, eine meteorologische Station, Ställe für Versuchstiere 2c. Das zweit 5 hygienische Institut wurde in Leipzig und bald darauf das hygienische Laboratorium des Reichsgesundheitsamtes eröffnet, welches durch den Eintritt Kochs für die weitere Entwickelung der hygienischen Institute von größter Bedeutung wurde und vorübergehend die Rolle eines Lehrinstituts übernehmen mußte. Die Hygieneausstellung in Berlin von 1883 brachte auch dem größern Publikum die Bedeutung der neuern Forschungsergebnisse klar vor das Auge. 1885 wurde das hygienische Institut in Berlin eröffnet, welches nicht nur Studierenden und Ärzten, sondern auch Verwaltungsbeamten zur Belehrung dienen soll und namentlich die mikroskopischbakteriologische Forschung berücksichtigt. Mit ihm verbunden ist das Hygiene museum für den preußischen Staat, welches aus der erwähnten Ausstellung hervorgegangen ist. Speziell für bakterioskopische Untersuchungen ist das 1888 eröffnete Institut Pasteurs in Paris bestimmt, welches ein Mittelpunkt der Forschung über Infektionskrankheiten und eine Lehranstalt für alle Studien fein soll, die sich auf Mikroorganismen beziehen.
^Hyperhidröfis (griech.), übermäßige, krankhaft gesteigerte Schweißproduktion. Dieselbe kann eine allgemeine sein, sie tritt dann als Begleiterscheinung