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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kirschbaumkrankheit - Klapperschlange
Kirschliamntralltheit, ein durch einen Kernpilz l<^n0inonill M'vsin's^tt'm.^ F^e/<l'.) verursachtes, massenhaftes Absterben der Blätter von Süßkirschen, durch welches auch der Fruchtertrag bedeutend geschwächt oder ganz verhindert wird. Eine solche Epidemie trat z. B. seit 1878 im Altenland an der Unterelbe zwischen Harburg und Stade, wo die Bevölkerung fast ausschließlich vom Obstbau sich ernährt, in immer zunehmendem Nmfang auf, so daß in den letzten Jahren die ganze Kirs'chenernte vernichtet wurde. Die Krankheit beginnt meist in der zweiten Hälfte des Juni damit, daß die Blätter große, gelbe flecke bekommen und dann dürr und braun werden, ohne im Herbst, wie sonst gewöhnlich, abzufallen; sie bleiben sogar bis zum nächsten Frühjahr und Sommer an den Zweigen. Die Früchte dor erkrankten Zäume verkrüppeln oder bekommen nur einseitig Saftfleisch. In den trocknen, den Winter über auf oen Zweigen bleibenden Blättern finden sich die Perichecien des Pilzes, welche im Frühjahr reifen und dann ihre Sporen aus der Mündung der Svorendehälter explosionsartig heroorspritzen, wodurch dieselben auf junge Blätter übertragen werden. Sie leimen hier bei Vorhandensein von Feuchtigkeit, der Keimschlauch durchbohrt die Außenwand der Epidermiszellen und dnngt tiefer in das Blattgewebe ein, ^5en sich zahlreiche Äste besonders im Schwammparenchym entwickeln und die Zellen desselben zum Absterben bringen. Auf den Fadenästen des Pilzes entstehen zuerst Spermogonien, aus deren nach außen geöffnetem Scheitel Spermatien ausgestoßen werden; letztere bleiben an den im Nmkreis der Spermogonien gebildeten und aus Spaltöffnungen hervorwachsenden weiblichen Organen, den sogen. Trichognnedüscheln, hängen und befruchten dieselben, womit der Anfang zu neuer Perithecicnbildung und zur Vermehrung des Pilzes gegeben ist. Als einziges rationelles Mittel zur Bekämpfung der Krankheit empfiehlt sich das sorgsame Entfernen und Verbrennen des alten, an den Zweigen hängenden Laubes während des Herbstes oder Winters,' da die Neuausbreitung des Pilzes im Frühjahr immer nur von den Perithecien der abgestorbenen Blätter ausgeht. Durch die angegebenen Maßregeln, die im Ältenland zu n?^gifcher Durchführung gelangten, wurde daselbst die Epidemie in erfolgreichster Weise unterdrückt. Vgl.
Frank, i'lber Onomoni^ 6r.vtiii'05wma, (Berichte der Deutschen Botanischen Gesellschaft, Ad. 4,1886); Derselbe, Über die Bekämpfung der durch ftnomonia. orytlirostoina, verursachten K. im Altenland .ebenda, Bd. 5, 1887).
^Kistl Arwat, befestigter russ. Militärposten im Kreis Achal Tete der Transkaspischen Provinz im Generalgouvernement Turkistan (Russisch-Zentralasien), in der Ebene zwischen dem Abfall des Kiurian Dagh und der Südgrenze der Wüste Karakum, an der Transkaspischen Militärbahn Michailowsk-Gök-Tepe, hat in der russischen Stadt eine Kirche und außer dem Militär (i«^l) 760 Einw., wovon.300 Russen, 250 Tataren und Perser, 200 Armenier, 10 Juden, in der turkmenischen dagegen 987 Tekinzen, welche in Filzzelten wohnen.
Miss (ipr. tiich, ehedem Klein), Joseph, ungar.
Dichter, geb. 1843 zu Temesvär, wo er geraume Zeit in Privatstellung und dann als Notar der dortigen jüdischen Gemeinde lebte. Seine ersten »Gedichte^ ^1868) vermochten nur geringen Eindruck hervorzurufen, um so größer war der Beifall, den zehn Jahre später seine »Gesammelten Dichtungen« (1878) fanden, die ihm überdies eine sorgenfreie Existenz von
feiten seiner jüdischen Glaubensgenossen eintrugen.
Insbesondere machten seine Valtaocn, deren Stoff er mit Vorliebe der jüdischen Sage oder der jüdischmagyarischen Gesellschaft entlehnt, seinen Namen allgemein bekannt Deutsche Übersetzungen seiner Gedichte gaben Steinbach (Wien 1886) und L. Neugebauer(Leivz.1887); letzterer übersetzte auch das epischmoralische Gedicht »Lied von der Nähmaschine' (das.
1884). Weniger bedeutend ist ein Roman des begabten Lyrikers, der auch einen Band religiöser Dichtungen für Israeliten (1888) im Auftrag der Budapester Judengemeinde verfaßt hat.
^Kistna, Distrikt der britisch-ind. Präsidentschaft Madras, 21M9 c^m (698 QM.) groß mit ,i88i» 1,548,480 Einw., darunter 87,161 Mohammedaner und 36,194 Christen, welche in dem vom Kistnafluß und dem Kolarsee bewässerten flachen Land Getreide, Gespinst- und Farbepflanzen, Ölsaaten, Zucker, Gewürze :c. bauen. Hauptort ist Masulipatam.
Kjerulf, 1) Theodor, Geolog, starb 25. Okt. 1888 in Christiania.
»2) Halfdan, norweg. Komponist, geb. 15. Sept.
1815. zu Christiania, widmete sich nach vollendetem Nniversitätsitudium der Musik und fand mit seinen Kompositionen, namentlich mit ein- und mehrstimmigen Liedern, bei seinen Landsleuten groben Beifall; seine Klavierkompositionen haben ihm auch in Deutschland einen guten Namen gemacht. Er ftar!» 11. Aug. 1868 in seiner Vaterstadt, wo ihm ein Denkmal gesekt wurde.
Klamm, s. Thäler (Bd. 17).
Klapp, Michael, Schriftsteller, starb 25. Febr.
1888 in Wien.
Klapperschlange. Die biologische Bedeutung und Entstehungsweise der eigentümlichen Verhärtungen am Schwanzende vieler Giftschlangen bildeten bisher ungelöste Rätsel. Nicht nur die Klapperschlangen, sondern auch viele andre besitzen daselbst einen Tonapparat, der in einfacherer Gestalt als Oepinieulnin bezeichnet wird. So ist bei der nordamerika
coutortiix)
das Schwanzende erst niederwärts und dann aufwärts gebogen und weist daselbst 1-2 Anschwellungen auf, die an die Klapper der K. erinnern. Sie erzeugt nach Garman, wenn sie gereizt wird, mit dem vibrierenden Schwanzende ein ähnliches Geräusch, und ebenso hörte King von (^o1uli?r vulpinus ein entsprechendes Geräusch, was man bei den Landesgenossen der Klapperschlangen auf Mimikry gedeutet hat. Daß die Schlangen aber nicht, wie man früher glaubte, die Nafsel empfangen haben, um Menschen und Tiere zu warnen, etwa wie früher die Aussätzigen Vorübergehende mit der »Laznrusklapper« vor zu großer Annäherung warnen mußten, dürfte wohl nun allgemein angenommen sein. Natürlich kann bei allen solchen Einrichtungen stets nur von einem Nutzen für die Tiere selbst die Rede sein, und darum rasseln sie nur auf der Flucht, nicht aber beim Ve^ schleichen ihrer Opfer. Allerdings kann auch das Verscheuchen andrer Tiere der Schlange zum Nutzen dienen, da es sie hindert, ihr Gift unnütz zu vergeuden.
Nach Putnam und Aughley dürfte es auch zum Aufsuchen der Geschlechter und zum Zusammenhatten der Jungen von Nutzen sein. Mit Bezug auf die Entstehung der Klapper glaubte Garman wieder (1888) nachgewiesen zu haben, daß die Bildung der losen I.hornringe mit der Häutung des Schwanzendes in! Verbindung stehe, aber Feo'ktistow bestreitet (1889) dies auf Grund seiner Beobachtungen an fünf im! Terrarium gehaltenen Klapperschlangen (Ootaw^