Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Naras - Natan ben Jechiel
hundert, dahinter eine die Sonne vorstellende vergoldete Wand; aus derselben Zeit stammt eine 37 Ton. wiegende Riesenuhr. Eine Antiquitätensammlung enthält Ackergeräte, Werkzeuge, Waffen, darunter eine Rüstung des berühmten Daimio Ioshishine nebst vergoldetem Sattelzeug. Bei den Tempeln befindet sich ein reiches Kloster. Die Stadt zählt (i««4, 23,055 Einw., welche weitberühmte chinesische Tusche und schöne Waffen anfertigen.
Maras, s. ^eai Mosic^o? (Vd. 17).
Marbada, Division der britisch-ind. Provinz Zentralprovinzen, so benannt nach dem gleichnamigen Fluß (s. Vd. II), welcher die Nordgrenze bildet, 45,337 ykm (823 ym) groß mit ii88i> 1,763,165 Einw.
<72,g Proz. Hindu, 4,3 Proz. Mohammedaner, 1786 Christen). Die Division enthält Kohle und Eisen, die aber nur wenig ausgebeutet werden; Hauptprodukte des Ackerbaues sind Weizen, Reis, Ölsaaten, Baumwolle, Zuckerrohr, Mohn; Thee und Kaffee würden trefflich gedeihen, doch verhindert der Mangel an Straßen ihren Anbau. Die wertvollen Wälder von Sal und Teak sind zum großen Teil sinnlos verwüstet worden. Hauptort ist Burhanpur.
*Narbonne-üara, Louis, Grafvon, franz.Kriegsminifter, geb. 24. Aug. 1755 zu Colorno im Herzogtum Parma, stammte aus dem spanischen Geschlecht der Lara, erhielt seine Erziehung am Hof zu Versailles, trat in die französische Armee, in der er 1780 zum Obersten aufrückte und verschiedene Regimenter befehligte, und beschäftigte sich dann in den Archiven mit diplomatischen Studien. Er schloß sich der Revolution an und gehörte zur Partei der konstitutionellen Nonalisten. 1791 begleitete er die Tanten des Königs auf ihrer Flucht, kehrte, nachdem sie in Germ^in le Duc verhaftet worden waren, nach Paris zurück, erwirkte ihnen hier durch ein Dekret der Nationalversammlung die Freiheit wieder und begleitete sie nach Rom. Nach seiner Rückkehr wurde erzum Marechal oe Camp und im Dezember d. I. zum Kriegsminister ernannt. Er bereiste hierauf die Küstenfestungen und die Grenze gegen Deutschland und organisierte die drei Armeen unter Rochambeau, Luckner und Lafayette. Aber infolge der Strenge, mit welcher er vor allem die Disziplin in der Armee herzustellen suchte, vielfach angefeindet, nahm er 10. März 1792 seine Entlassung und begab sich zur Armee, bis ihn der Befehl des Königs zurückrief, um die Vorkehrungen zur Unterdrückung der zu erwartenden Exzesse zu leiten. Er langte jedoch zu spät an und wurde 10.
'Xug. denunziert, worauf er auf die Bitte seiner Geliel'ten. der Frau v. Stael, von dem deutschen Arzt Bo Umann unterstützt, nach London entfloh. Später begdb er sich in die Schweiz, dann nach Schwaben und zuletzt nach Sachsen. 1800 benutzte er die ihm zu teil gewordene Amnestie zur Rückkehr nach Frankreich, ward 1809 von Napoleon I. zum Generalleutnant ernannt und besonders zu diplomatischen Missionen verwendet. Dann war er bis 1811 Gesandter zu München. Als Adjutant Napoleons machte er den Feldzug von 1812 mit, war 1813 Gesandter in Wien, leitete dann als zweiter französischer Bevollmächtigter die Unterhandlungen zu Prag und erhielt nach seiner Rückkehr das Kommando der sächsischen Festung Torgau, wo er bald von dem Armeekorps des Generals Tauenzien eingeschlossen ward. Er starb hier an den Folgen eines Sturzes mit dem Pferd 17. Nov. 1813.
Marnaul, Stadt im Tributärstaat Patiala der britisch-ind. Provinz Pandschab, im Sirhind, mit ^i88i) 20,052Einw. (darunter7470Mohammedaner),
mit Kupferbergwerken und Marmorbrüchen. Die Stadt wurde 1857 dem Maharadscha von Vatiala als Belohnung für seine loyale Haltung während des großen Aufstandes geschenkt.
"Nafik, Distrikt in der britisch-ind. Präsidentschaft Bombay, 15,384 ykm (279 QM.) groß mit ds^D 781,206 Einw., darunter 683,579 Hindu, 51,687 Aboriginer, 35,294 Mohammedaner, 2644 Christen.
Der Distrikt liegt auf einem 400-600 m hohen Tafelland, das mit zahlreichen Vergfestungen gekrönt ist. Das ziemlich trockne Land erzeugt Weizen, Ölsaaten u. a., wird aber häufig von Hungersnot heimgesucht. Die Industrie in Seidenweberei, Tuch, wollenen Decken. Kupfer-, Messing- und Silberarbeiten ist ziemlich lebhaft.
Mastrabad, Stadt in der Provinz Adschmir-Mhairwara (Radschputana) des britisch-ind. Kaiserreichs, auf einer kahlen Ebene am Ostfuh der Aravaliberge, mit (i.>8i» 21,520 Einw., wovon 2838 in der britischen Militärstation für das zentrale Radschputana.
Nasse, Erwin, Nationalökonom, wurde 1889 zum lebenslänglichen Mitglied des preußischen Herrenhauses ernannt und starb 4. Jan. 1890 in Bonn.
Massjö, Gemeinde im schwed. Län Iönkoping, 314 m ü. M., unweit des Hjetsölabergs (377 m hoch), höchster Punkt des südschwedischen Bahnnetzes, Knotenpunkt der Eisenbahnlinien Katrineholm-N., Falköping-Malmö, Halmstad-N. und Oskarshamn-N., mit (i»80) 2903 Einw., welche einigen Handel treiben.
Nassr ed din, Schah von Persien, unternahm im Frühjahr 1889 eine dritte Reise an die Höfe und nach den Hauptstädten Europas, welche sich bis zum Herbst ausdehnte. Mit besondern Festlichkeiten wurde er in England gefeiert, wo man ihn zu einer festen Haltung gegen Rußland ermutigen wollte, das, durch die Eröffnung des Karunflusses für die Engländer empfindlich berührt, N. mit Waffengewalt bedroht hatte, falls er die russischen Interessen verletze. Vgl. Morgan und Burger, N. und das moderne Persien (Dresd. 1889).
Natal. Die Bevölkerung der Kolonie betrug Ende 1888: 481,361 Seelen und zwar
männlich weiblich zusammen
Weiße .... 19476 16457 35933
indische Kulis .. 22059 13211 85270
Kaffern. .. .. .. 185685 224473 410158
Es waren im Betrieb 375 km Eisenbahnen und 788 km Telegraphenlinien. Die Einnahmen betrugen 795,000, die Ausgaben 769,000, die Staatsschuld 4.535,000 Pfd. Sterl., die Einfuhr 2,264,000, die Ausfuhr 1,057,000 Pfd. Sterl.
Matalie, Königin von Serbien, geb. 14. Mai 1859, Tochter eines russischen Obersten, Keschko, und einer Rumänin, 17. Okt. 1875 mit dem Fürsten, spätern König Milan von Serbien vermählt, nötigte diesen durch ihr Betragen, sich 1888 von ihr scheiden zu lassen (s. Milan I., Bd. 17). Sie erhob vergeblich gegen diese Scheidung als rechtswidrig Einspruch und durfte auch nach Milans Abdankung 1889 von Bukarest, wo sie sich niedergelassen, nicht nach Serbien zurückkehren. Der ihr früher ergebene Metropolit Michael sprach, nachdem er 1889 in seine Würde wieder eingesetzt worden, nicht, wie sie erwartete, die Aufhebung ihrer Scheidung aus, da Rußland, das die Dynastie Obrenowitsch überhaupt fallen ließ, ihre Rückkehr nach Serbien nicht wünschte. Dennoch begab sie sich Ende 1889 nach Belgrad, ohne jedoch daselbst politischen Einfluß gewinnen zu können.
*Natan ben Jechiel, jüd. Gelehrter, lebte um 1100 in Rom und lieferte in seinem talmudischen Wörter-