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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Niederrad - Niessen
Abschluß, da weder die Liberalen noch die Ultramontanen sich zu der allgemeinen Wehrpflicht verstehen mochten. Dagegen wurde mit Unterstützung einiger Liberalen das Schulgesetz des Ministeriums in beiden Kammern angenommen, welches, falls die Prot?in Mlstaaten zustimmen, auch den konfessionellen Schulen eine Staatsunterstützung zusichert: die allgemeine Schulpflicht wurde aber nicht zum Gesetz erhoben. Da der KolonialministerKeuchenius die von ihm erwarteten notwendigen Reformen im Kolonialwesen nicht begann, zwang ihn die Erste Kammer 1890 durch Verwerfung des Kolonialbudgets zum Rücktritt.
Niederrad, Stadt im Regierungsbezirk Wiesbaden, gehört seit 1886 zum Landkreis Frankfurt a. M.
* Nieder-Wiiftcgiersdorf, f. Wüstegiersdorf i Äd. 16).
Niel, Gemeinde in der belg. Provinz u. im Arrondissement Antwerpen, ander Nupel und der Staatsbahnlinie Antwerpen-Boom, mit Fabrikation von Ziegeln, Zement, Thongefäßen, mit Sägewerken, Schiffbau und li889) 5674 Einw.
* Niemann, 2) Rudolf, Pianist und Komponist, geb.4. Dez. 1838 zu Wesselburen (Holstein), studierte 1853-56 am Konservatorium zu Leipzig unter Moscheles und Plaidy (Klavier) und Rietz (Komposition), weiter 1857- 59 am Pariser Konservatorium unter Marmontel (Klavier) und Halevy (Komposition) und zuletzt in Berlin unter H. v. Bülow (Klavier) und Fr. Kiel (Komposition). N. machte sich zunächst als Pianist bekannt auf den seit 1873 unternommenen Konzertreisen in Deutschland, Rußland und England mit August Wilhelmj. Als Komponist bewegt er sich überwiegend auf dem Gebiet der kleinern G^nrestücke und des Liedes; besonders hervorzuheben sind seine Gavotte 0p. 16, eine Violinsonate 0p. 18 und die Variationen 0p. 22.
*3) August, Militär- und Romanschriftsteller, geb. 27. Juni 1839 zu Hannover, trat 1856 in die hannöversche Armee ein und nahm 1866 seinen Abschied. Nachdem er einige Zeit in Genf gelebt, siedelte er 1868 nach Gotha über, umdie Redaktion des genealogischen Teils des bekannten »Gothaischen Hofkalenders zu übernehmen. Seit 1889 lebt er in Berlin.
Als Militärschriftsteller gab er in Verbindung mit andern Fachmännern ein »Militär-Handlexikon« (2. Aufl., Stuttg. 1881) heraus, schrieb eine der übersichtlichsten Darstellungen der Kriegsereignisse von 1870/71 in dem Buch »Derdeutsch-französische Kriea> (Hildburgh. 1870-71; von Newdigate ins Englische übertragen) und verfaßte die Spezialarbeit »Das 6. thüringische Infanterieregiment Nr. 95 im Feldzug gegen Frankreich« (Gotha 1875). Seit 1879 trat er als Romanschriftsteller mit den Romanen: »Katharina« (2. Aufl., Stuttg. 1884), »Eine Emanzipierte« idas. 1880), > Bakchenu. Thyrsosträger^(Leipz.1882,
2 Bde.), »Die Grafen von slltenschwerdt« (das. 1883,
3 Bde.), »Eulen und Krebse« (Gotha 1888), »Des rechten Auges Ärgernis« (Stuttg. 1889, 2 Bde.), > Amors Bekenntnisse« (Dresd.1889), »VeiHofe«(daf.
1889,2 Bde.) hervor, in denen ernste Weltanschauung, Lebenskenntnis und psychologisches Feingefühl mit lebendiger Schilderungsgabe zusammenwirkten.
Außerdem schrieb er das philosophische Werk »Die Erziehung des Menschengeschlechts« (Dresd. 1889) und mehrere Jugendschriften (»Pieter Maritz«, »Das Flibustierbuch«, »Das Geheimnis der Mumie«).
*4) George, Architekt, Bruder des vorigen, geb.
12. Juli 184'l, seit 1872 Professor der Architektur an der Akademie der bildenden Künste in Wien, nahm 1873 im Auftrag der Regierung mit A. Conze und
Hauser teil an der österreichischen Expedition nach Samothrake (vgl. »Archäologische Untersuchungen auf Samothrake«, Wien 1875), unternahm 1881 und 1^82 gemeinsam mit O. Benndorf Reisen in Kleinasien, deren wissenschaftliche Ergebnisse unter seiner Mitwirkung erschienen (»Reisen in Lykien und Karien^, das. 1884; »Das Heroon von Gjölbaschi-Trysa«, das.
1889). Über seine im Auftrag des Grafen Lanckoronski 1884 und 1885 mit dem Archäologen Petersen ausgeführten weitern Forschungsreisen in Kleim asien berichtet das Werk »Städte Pamphyliens und Pisidiens (Wien 1890). Er veröffentlichte außerdem »Handbuch der Linearperspektive« (Stuttg. 1884) u.
»PalastbautendesBarockstilsinWien«lWienI883ff.).
Niemeyer, 4) Paul, Mediziner, starb 25. Febr.
1890 in Berlin.
"Niendorf, Dorf im oldenburg. Fürstentum Lübeck, an der Ostsee, hat ein Seebad und 300 Einw.
*Niendorf, 1) Mark Anton, Schriftsteller und Politiker, geb. 24.Febr. 1826 zu Niemegk in der Provinz Brandenburg, war zuerst Schullehrer, beteiligte sich thätlich an der Berliner Revolution und verbüßte deshalb eine sechsmonatliche Gefängnisstrafe in der Stadtvogtei. Nach einem unsteten Hauslehrerleden wandte er sich der Landwirtschaft zu, die er auf einer Wüstung bei Zahna betrieb, bis er nach Berlin übersiedelte. Die Muße seines Landlebens teilte er zwischen Politik und Schriftstellers. Seit 1864 Mitglied der Fortschrittspartei, setzte er 1869 seine Wahl an Waldecks Stelle zum Abgeordneten für Bielefeld durch. Als solcher gründete er im folgenden Jahr die »Deutsche Landeszeitung <, deren Chefredakteur er bis kurz vor seinem Tod blieb. Er starb 12. Juni 1878 in der Niederlößnitz bei Dresden. Mit der »Landes-Zeitung« schuf N., indem er sich von der Fortschrittspartei lossagte, zugleich die selbständige konservative Partei der Agrarier, für die er mit aller Energie agitierte. Seinen schriftstellerischen Ruf begründete er durch einen Cyklus märkischer Lieder: »Die Kegler Mühle« (2. Aufl., Verl. 1861), dem die epischels Dichtungen: »Anemone« (1853) und Liebenstein« (das.
1853), »Lieder der Liebe« (1854) und »Gedichte« (3. Aufl., das. 1868) folgten. In einer Menge von Romanen und Novellen erörterte er sozialpolitische Fragen der Gegenwart; daneben behandelte er rein landwirtschaftliche Stoffs, dramatisierte seine eignen Romane, schrieb Märchen und zahlreiche politische Broschüren und suchte auch die Hauptwerke der altdeutschen Dichtung in seiner Weise dem Volk näher zubringen. Sein Lebensbild schrieb Schramm (Berl. 1879 /.
^2) Emma von, Pseudonym, s.Suckow (Vd. 15).
*Nirssen, Johann, Maler, geb. 1821 zu Köln, war von 1843 bis 1847SchülerderDüsseldorfer Akademie, trat 1846 mit einem Lear, der seine Tochter Cordelia verstößt, auf, malte dann eine Herodias mit dem Haupt Johannes des Täufers und kopierte im Louvrc Tizians Grablegung Christi, worauf ihm 'die Düsseldorfer Akademie eine Kopie von Tizians Himmelfahrt der Maria in Venedig auftrug. Er reiste 1847 dorthin, führte den Auftrag aus, hielt sich längere Zeit in Florenz und Rom auf und kehrte 1850 zurück.
1859 ging er nach Weimar, leitete dort an der Kunstschule den Aktsaal und malte mehrere religiöse Bilder, z. V. das Martyrium der heil. Irene, emen leidenden Christus, den Engel des Herrn, der dem Josua in der Nacht vor Jericho erscheint, Christus als guter Hirt sowie Porträte und Landschaften aus Italien. 1866 ging er nach Köln, wo er bis 1888 Konservator des Museums war. Er hat einen Katalog desselben verfaßt.