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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pretis-Cagnodo - Preußen
wodurch sich die Gesenke nähern und die Blechplatte der Gesenkeform entsprechend umbördeln. Der hydraulische Preßcylinder hängt bei V an der Grundplatte <^. Bei X ist die mit V verkeilte Preßkolbenstange sichtbar. Die Stützen 6 6 bilden ebenfalls verlängerte Kolbenstangen, welche aus den cylindrisch ausgebohrten Säulen 8 8 heraustreten, die hydraulische Pressen bilden, so daß die Hebung des Arbeitsstücks^ ebenfalls mit Wasserdruck erfolgt. Die Gesenke sassen sich gegen andre vertauschen, da beide Preßplatten Vorrichtungen zur Aufnahme beliebiger Gesenke besitzen und die Schrauben an den Säulen a oie Stellung der Preßplatten zu verändern gestatten. Bis zu welcher enormen Leistungsfähigkeit hydraulische Pressen gebaut werden, zeigt eine zur Herstellung gepreßter Röhren in der Fabrik von Sam.
Nalker zu Birmingham aufgestellte Maschine dieser Art, deren abwärts gehender Hauptkolben einen Durchmesser von 61 «in und einen Hub von 3,66 m besitzt. Der Wasserdruck beträgt 465 Atmosphären, was einem Kolbendruck von 1300 Ton. entspricht, ^um Heben des Hauptkolbens und gleichzeitigen Ausziehen des gepreßten Rohrs aus der Form dienen Nebenkolben mit einem Druck von 300 T. Mittels dieser P. können Stahlscheiben von 91 om Durchmesser und 10 om Dicke in Röhren oder Cylinder von l,<)66 m Länge, 30 em Durchmesser und 25 mm Wandstärke verwandelt werden, die am Ende geschlossen find. Zum Schmieden werden diese Pressen mit einer Preßkraft von 4000 T. und mehr gebaut.
Pretis-Cagnodo, Sisinio, Freiherr von, ehemals Österreich. Minister, wurde im Juli 1889 seiner Stellung als Statthalter des Küstenlandes enthoben und in den Ruhestand versetzt, gleichzeitig in das Herrenhaus berufen.
^Preuschen, Hermine von, Malerin, geb. 7. Aug.
l854 zu Darmstadt, bildete sich drei Jahre lang bei Ferd. Keller in Karlsruhe und eignete sich unterdessen Leitung ein glänzendes, auf starke Wirkungen abzielendes Kolorit an, welches sie anfangs in Blumenstücken und Stillleben, später in großen symbolischallegorischen, aus unbelebten Gegenständen gebildeten Kompositionen erprobte, die sie »historische Stillleben« nannte. Nach Studienreisen, die sie nach Rom, Sizilien, Paris :c. führten, war sie eine Zeitlang in Ferlin thätig und nahm dann wieder ihr Wanderleben auf. Sie bereiste Belgien, Holland, Südfrankreich, Spanien, England und schlug ihr Atelier zeitweilig in Kopenhagen, Venedig, München und Nizza auf.
l882 vermählte sie sich mit dem Arzt Oswald Schmidt in München. Unter ihren historischen Stillleben sind die hervorragendsten: Nvotz Laec!i6!, das Lager der Cleopatra und Noi-8 im^ratol, welches wegen seiner symbolischen Bedeutung 1888 von der Berliner Kunstausstellung ausgeschlossen, aber dann durch Sonderausstellungen allgemein bekannt geworden ist.
Ihre übrigen Hauptwerke sind: aus den Zentralhallen zu Paris, 15 Stillleben, 9 Panneaux aus Venedig, japanischer Frühling, römischer Herbst, Herbstzeitlosen u. Cinerarien. Eine Sammlung ihrer Kompositionen ist unter dem Titel: »Stille Winkel (Verl. 1885) erschienen. Sie hat auch ein Bändchen Gedichteunterdem Titel: »li^ina viwe« (Verl. 1887) herausgegeben.
Preußen,G eschichte. Die Regierung König Friedrichs III. konnte wegen ihrer kurzen Dauer und der schweren Krankheit des Herrschers für die Geschichte Preußens von keiner Bedeutung sein. Die deutsche freisinnige Partei freilich, welche sich von dem englischen Arzt Mackenzie über den Gesundheitszustand des Kaisers täuschen ließ und auf eine längere
Dauer seiner Regierung rechnete, hoffte, daß orc. nächsten Landtagswahlen noch unter Friedrich IU. stattfinden würden, und suchte sich den Sieg recht leitig zu sichern. Es kam ihr darauf an, für ihre An lichten und Behauptungen die öffentliche Zustim mung des Königs zu gewinnen, um sich später mit ihr gegen alle Anklagen antimonarchischer Gesinnung schützen zu können. Sie bot daher alles auf, um den', selben zu bewegen, das vom Landtag bereits genehmigte Gesetz über die Verlängerung der Legislaturperioden von drei auf fünf Jahre nicht zu unterzeichnen und Puttkamer zu stürzen, damit die Neuwahlen nicht unter diesem Minister stattfänden, wel cher das Recht der Regierung, auf dieselben Einfluß, zu üben, stets verteidigt und ausgeübt hatte; fielen dann die Wahlen einmal zu ihren gunsten aus, so konnte die deutsche freisinnige Partei, auch wenn ihre Herrschaft im Abgeordnetenhaus wieder vorbei wm, doch immer behaupten, daß bei gänzlich unbeeinflußten freien Wahlen das Volk auf ihrer Seite sei. Daher wurde am letzten Tag der Landtagssession 26. Mal 1888, als Puttkamer selbst nicht anwesend war, bei Gelegenheit der Verhandlung über Wahlprüfungen ein scharfer Angriff auf die Wahlpolitik Puttkamers in Szene gesetzt und einige Äußerungen von Zet^ tungen von Rickert und Richter benutzt, um die ganze Kartellpresse der schmählichsten Angriffe gegen das Kaiserhaus, ja des Staatsverrats zu beschul digen, dagegen die eigne Partei als Schützerin der Monarchie hinzustellen. Es wurde wirklich erreicht, daß der Kaiser zwar das Gesetz über die Landtags^ Perioden unterzeichnete, aber 27. Mai ein Schrei ben an Puttkamer richtete, er habe das Gesetz bestätigt in der Voraussetzung, daß die Organe der Negi'erung sich jeder Art von Beeinflussung der Wähler enthalten würden. Puttkamer suchte seine Wahlpolitik zu rechtfertigen, aber ein zweites königliches Schreiben vom 7. Juni, welches die Mißbilligung der Wahlbeeinflussungen aussprach, veranlaßte ihn, sei nen Abschied einzureichen, den er 8. Juni in gnädige: Form erhielt. Die Entlassung Puttkamers nützte aber den Deutschfreisinnigen nichts, da Kaiser Fried' rich schon 15. Juni 1888 starb.
Der neue Kaiser und König, Wilhelm II., erließ sofort nach seiner Thronbesteigung 15. Juni einen Aufruf an Heer und Marine, nach der Beisetzung seines Vaters 18. Juni auch eine Proklamation an das preußische Volk. In einer vereinigten Sitzung beider Häuser des Landtags leistete er 27. Juni den Eid auf die Verfassung und schloß die Thronrede mit den Worten: In bewegter Zeit habe Ich die Pflicht ten des königlichen Amtes übernommen; aber ich trete an die Mir nach Gottes Fügung gestellte Aufgabe heran mit der Zuversicht des Pflichtgefühls, indem Ich Mir dabei die Worte des großen Friedrich gegen wärtig halte, daß in P. der König des Staats erstei Diener ist«. An Puttkamers Stelle, den in seine Ämter wieder einzusetzen man doch Bedenken trug, wurd^ der Staatsminister v. Bötticher zum Vizepräsidenten, des Staatsministeriums, Herrfurth zum Minister des Innern ernannt. Der bisherige Präsident de5 Reichstags, v. Wedell-Piesdorf, wurde Minister des königlichen Hauses. Daß die von einer gewissen Presse verbreiteten Gerüchte, daß der junge Kaiser und seine Gemahlin der Stöckerschen Richtung huldigten, gänzlich unbegründet waren, bewiesen dic Bestätigung des freisinnigen theologischen Kritikers Harnack als Professor der Theologie zu Berlin, welche die orthodoxe Partei mit allen Mitteln zu hintertreiben sich bemüht hatte, und die Ernennung Ben-