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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Samfara - Samoa
gleichen Umständen höhern Ertrag als mittel- oder leichtkörniges. Man bestimmt das absolute Gewicht durch Wägung von 2 oder 3x1000 Durchschnitts, lornern, woraus sich dann die Zahl der Dörner in! k^ berechnet. Hierbei ist aber der Wassergehalt zu berücksichtigen, da dieser nicht selten betrügerisch erlwht wird. Auch das Volumgewicht dient vielfach als Wertmesser des Saatguts. Zur Ermittelung desselben benutzt man den von der kaiserlichen Normaleichungskommission in Berlin konstruierten automatischen Apparat zur Ermittelung des Volumgewichts an Getreide, welcher das Einfüllen und Abstreichen so korrekt vollzieht, daß die Fehler wiederholter Bestimmungen auf V5 - V-.o Proz. beschränkt
bleiben.
^Samfara, Tributärstaat des Reichs Sokoto, von 12" 30' nördl. Br. durchschnitten, eine der wichtigsten Provinzen des Sokotoreichs, die sich in neuerer Zeit sehr gehoben hat. Diekriegerische Beuölkerung, welche den Gebrauch von Pfeil und Bogen noch nicht verlernt hat, ist aus verschiedenen Elementen gemischt, spricht die Haussasprache sehr rein und betreibt neben Landbau namentlich Weberei, Färberei, Töpferei, Lederarbeiten und im nördlichen Teil Pferdezucht.
Die Hauptstadt Kanra am linken Ufer des Bakota oder Sokoto ist ein Platz von geringer Bedeutung, doch ist ihr Verkehr mit dem Südrand der Sahara uon Wichtigkeit.
Sammelteich, s. v. w. Thalsperre (s. d., Bd. 17).
Samoa. Die politischen Verhältnisse auf dieser Gruppe waren Ende 1888 immer unbefriedigender geworden. Die Verhandlungen zwischen Deutschland, England und den Vereinigten Staaten hatten zu keinem Ergebnis geführt, indem England und Deutschland die bestehende patriarchalische Verwaltung beizubehalten wünschten, so daß dem regierenden Häuptling nur ein europäischer Berater beigegeben würde, die Amerikaner dagegen den Vorschlag machten, daß die Inselgruppe von einem König, einem Vizekönig und einem Ministerium, bestehend aus je einem Vertreter der drei Mächte, regiert würde. Indes schienen ruhigere Verhältnisse eintreten zu wollen, nachdem Malietoa nach den Marshallinseln gebracht und der bisherige Gegenkönig Tamasese als König eingesetzt worden war mit dem bayrischen Hauptmann a. D.
Brandeis als Berater. Die Amerikaner aber, welche fürchteten, daß der wachsende deutsche Einfluß zur Besitzergreifung führen werde, bewirkten es, daß eine Spaltung unter den Samoanern eintrat und !>. Sept. 1888 der Häuptling Mataafa als Malietoa II. zum König ausgerufen wurde. Tamasese verschanzte sich auf der Halbinsel Matianu, während Mataafa, in dessen Hände Apia kam, auf der Matianu gegenüberliegenden Halbinsel Maranta ebenfalls ein verschanztes Lager anlegte. In dem nun folgenden Kampf wurde Tamasese gänzlich geschlagen und mußte sich weiter östlich in ein verschanztes Lager bei Luatuanuu zurückziehen. Nachdem zu dem bereits im Hafen liegenden deutschell Kanonenboot Eber 14. Dez. 1888 die Kreuzerkoruette Olga hinzugekommen war, verlangte der deutsche Konsul Knappe die Einstellung der Feindseligkeiten und die Auslieferung der Waffen von beiden Teilen. Um dieser Forderung Nachdruck zu geben, wurden von der Olga 150 Mann gelandet, dieselben aber 18. Dez. uon einer weit überlegenen Schar von Samoanern unter Führung des Amerikaners Klein überfallen und 10ffizier nebst 15 Mann getötet, während 2 Offiziere und 36 Mann verwundet wurden. Mataafa verschanzte sich darauf südlich von Apia, in unmittel barer Nähe der deutschen Pflanzungen Vailele, Utumayu und Vaitele; die Arbeiter auf denselben wurden verlockt oder gezwungen, ihre Arbeit zu verlassen, die deutschen Krregsschiffeabersahensichdaraufbeschränkt,
die Gebäude der Deutschen Handels- und Plantagengesellschaft zu schützen, so daß ein ohne Zweifel angelegter Brand in der Nacht vom 8. zum 9. Jan. 1889 das deutsche Konsulat und einen großen Teil Apios zerstören konnte. Als darauf der deutsche Konsul 19. Jan. 1889 die Insel in Kriegszustand erklärte und der Kommandant des Adler das Oberkommando in Apia übernahm, antworteten der englische und amerikanische Konsul mit einer Gegenproklamation, und der deutsche Konsul wurde abberufen. Auch die Amerikaner riefen ihren Konsul sowie den Kommandanten ihres Kriegsschiffs ab. Inzwischen waren im Hafen von Apia versammelt die deutschen Kriegsschiffe Olga, Adler und Eber, die amerikanischen Trenton, Vandalia und Nipsic und das englische Kriegsschiff Kalliope. Da brach am Abend des 16. März plötzlich ein furchtbarer Sturm los, welcher die deutschen und amerikanischen Schiffe auf das Riff warf, wobei nur ein deutsches Schiff, die Olga, gerettet wurde, wenngleich auch dies strandete, während die andern an den Riffen zerschellten und 90 Mann und5 Offiziere deutscherseits untergingen, während die amerikanischen Verluste noch schwerer waren. Nur das englische Kriegsschiff vermochte es, gegen den Orkan ankämpfend, die offene See zu gewinnen. Unl die Verhältnisse Samoas endgültig zu regeln, trat auf Einladung Deutschlands 29. April 1889 eine von Amerika, Englandund Deutschlandbeschickte Konferenz
zusammen, deren Beschlüsse aber erst im Dezember veröffentlicht wurden. Danach wird die Inselgruppe für neutral erklärt und ihre Unabhängigkeit anerkannt.
Die Bildung eines obersten Gerichtshofs, bestehend aus einem von den drei Mächten oder event, vom König von Schweden zu ernennenden Oberrichter, wird angeordnet, die Eingebornen werden im Verkauf von Land beschränkt, der Präsident des Kommunalrats von Apia ist von den drei Vertragsmächten zu ernennen, im Streitfall ernennt ihn der König von Schweden, von Holland, der Kaiser von Brasilien oder die Schweiz u. a.
Inzwischen war Malietoa von den Marshallinseln durch ein deutsches Kriegsschiff nach Apia gebracht worden, wo seine Wiedereinsetzung in seine Königswürde und allgemeine Anerkennung durch die Samoaner ohne weiteres erfolgte. Die Verhältnisse Samoas erscheinen somit vorläufig beruhigt; es bleibt nun noch eine Festsetzung der Ansprüche, welche von Angehörigen der drei wiederholt genannten Staaten auf samoanisches Gebiet gemacht werden. Dieselben betragen nach offiziellen Angaben für Angehörige des Deutschen Reichs 54,048,8 Hektar, für Engländer 113,440, für Amerikaner 110,400 Hektar, was cino Gesamtsumme von 277,888,8 Hektar ergibt. Dagegen wird das Gesamtareal der Gruppe auf nur 268M3,^ Hektar berechnet, so daß die Ansprüche der Fremden noch um 9600,8 Hektar darüber hinausgehen. Indessen werden sich die während der jüngsten Kriege durch Lieferung von Kriegsbedarf zu solcher Höhe aufgeschwollenen englischen und amerikanischen Forderungen bei genauer Prüfung wohl um ein Bedeutendes herabmindern. Gethan haben die Amerikaner mit ihrem großen Besitz noch gar nichts, die Engländer haben von den ihnen auf Upolu gehörigen 3200 Hektar nur 300 Hektar kultiviert, während die Deutschen (d. h. die "Deutsche Plantagengesellschaft der Südsee) 3200 Hektar in voller Kultur haben und vor