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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Schutzeinrichtungen der Pflanzen (gegen Lichtmangel u. Lichtüberschuß)
stellt. Schlägt man nach Kerner von zwei gleichen, gleich stark von der Sonne erwärmten, nnterscits weißfilzigen Brombeerblättern das eine mit der grünen Seite nach außen um die Kugel eines Thermo meters, das andre mit der weißen Seite nach außen um ein zweites Thermometer, so zeigt ersteres nach kurzer Zeit 2 - 5" mehr als letzteres, wodurch der Einfluß des trocknen Haarkleides auf die verab setzung der Erwärmung in stark behaarten Pflanzenteilen augenscheinlich wird. Auch durch Bepanzerung mit lufterfüllten, blasenförmigen Kieselzellen, wie bei Nocliea, kann die Verdunstung beschränkt werden.
Ein andres hierher gehöriges Mittel der Pflanze zur Herabsetzung der Ti anspiration besteht inder Ver kleinerung und schließlichen Verkümmerung der grünen, assimilierend n Blattflächen, wie bei den Kasuarineen, bei lli»Ii6äi'^, Arten von Netatna, l-eni8s,a, l^usng, sp Hltium, auch bei Lquigstum u. a., deren rutenförmige, dünne Stengel dann die Funktion der Blätter übernehmen. Auch Dickblätter (bei seäum und 86lnp6i-vivum) und fleischige, blattlose Stengel von kugeliger, säulen- oder scheibenförmiger Gestalt bei Kakteen oder Euphorbien ermöglichen den gleichen Zweck, der dann durch starke Verdickung der Außenhaut und Ausbildung grober, innerer Wasserreicher noch erheblich erleichtertwird. Durch hohen Salzgehalt ihres Zellsaftes, durch welchen die Verdünnung des Wassers verhindert wird, ermöglichen es dle Salsoleen der Salzsteppen trotz größter Trockenheit monatelang sich grün und saftstrotzend zu erhal ten. Ein ferneres Mittel gegen Wasserverlust bilden die vertikal gezlellten Flachsprosse (Phyllokladien) bei Ku«cn8- und ^3.013.-Arten, bei (^Iltttia. ornoi^la l^s. Tafel, Fig. 1) :c., da durch diese Stellung bei senkrechtem St mde der Sonne zur Mittagszeit die geringstmögliche Erwärmung und Verdünnung bedingt wird. Aus gleichem Grund stellen sich die Blattflächen vieler australischer Myrtaceen und Proteaceen (I^ueHi^tu8, Zanl<8ia, u. a.) senkrecht, und auch die sogen. Kompaßpflanzen (^ilpliium I.^cinia Mm, s. Tafel, Fig. 2, I^amn^ll. ^cariola u. a.) drehen ihre Blattflächen aus derselben Urjache in die Meridianebene; für das Leben derartiger Gewächse hat diese Stellung nach Kerner den Vorteil, daß die Blattflächen von den am kühlen und relativ feuchten Morgen und Abend nahezu senkrecht einfallenden Sonnenstrahlen wohl durchleuchtet, aber nicht stark erwärmt und nicht übermäßig zur Transpiration angeregt werden, während dagegen zur Mittagszeit, wenn die Blätter nur im Profil von den Sonnenstrahlen getroffen werden, auch die Erwärmung und Transpiration stark herabgesetzt sind. Übrigens tritt an feuchten, schattigen Orten, wo die Gefahr übermäßiger Verdunstung nicht vorhanden ist, die Drehung und Meridianstellung der Blätter nicht ein. Endlich gehört auch das periodische Einfallen vieler Grasblätter, von 868!6na, Arten von ^.V6NK, 1^681 uea, stipa u. a., hierher, welche am Morgen rinnenförmig oder flach ausgebreitet sind, während sie bei abnehmender Luftfeuchtigkeit gegen Mittag sich der Länge nach entweder nur längs der Mittelrippe oder mit mehreren parallelen Rinnen zusammenfalten; die Spaltöffnungen liegen in diesem Fall immer nur innerhalb der Rinnen, und der Einfaltungsmechanismus scheint durch Turgeszenzänderungen bestimmter, im Grunde der Rinnen befindlicher, chlorophyllloser, aber wasserreicher Zellgruppen ausgelöst zu werden; auch einige Moosblätter (I^oi Mickulli) besitzen eine Schutzvorkehrung, durch welche sich die Blattränder bei abnehmender Luftfeuchtigkeit
über die zarten, chlorophyllführenden Zellleisten der Blattmitte einschlagen. Junge, der Knospe eben entschlüpfende Blätter sind anfangs gerollt, gerunzelt oder gefaltet, häufig auch senkrecht gestellt und durch mannigfache Hüllen, wie Firnisüberzüge, Haarbekleidungen, Spreuschuppen (bei Farnen >, und auch bisweilen durch große Schutznebenblätter vor zu starkem Wasserverlust gesichert Schließlich hat selbst der Laubfall feine nächste Ursache in der Gefährdung der Transpiration, weshalb bei beginnender Dürre viele Gewächse der tropischen und subtropischen Zone ihre transpirierenden Blätter abwerfen, um ebenso eine Periode des Sommerfchlafs durchzumachen wie unsre einheimischen Bäume aus ähnlicher Ursache den Winterschlaf; bei letztern wird durch Herabsetzung der Temperatur die wasseraufsaugende Thätigkeit der Wurzeln so beschränkt, daß der in den Blättern statt findende Wasserverlust nicht metir gedeckt werden kann und dieseluen eintrocknen. Aus diesem Grund entlaubt sich eine und dieselbe Baumart in hoher Gebirgslage früher als im Thal, weil auf der Höhe der Boden gegen den Herbst schneller an Temperatur abnimmt als in der Ebene.
Da die wichtigste Lebensaufgabe der grünen Blätter wie überhaupt aller Chlorophyll führender Pflanzenteile in der durch das Sonnenlicht bedingten Assimilation, d. h. der Kohlensäurezersetzung der Atmosphäre, besteht und für die verschiedenen Pflanzenarten dieser in den Chlorophyllzöllen sich abspielende Vorgang an einen bestimmten Grad der Lichtintensität geknüpft erscheint, so begegnen wir auch einer Reihe von S. gegen Lichtmangel und Licht über schuß. Schon dle Chlorophyllkörper selbst sind durch Eigenschaften des sie umgebenden Plasmas einer Ortsveränderung fähig, der zufolge sie bei starker Beleuchtung eine möglichst kleine Oberfläche dem Licht gegenüber einnehmen. Möglicherweise besteht die biologische Aufgabe des so allgemein verbreiteten grünen Chlorophyllfarbstoffs überhaupt in der Rolle emes in allen assimilierenden Pfla:^enzellen ausge^ spannten Lichtschirms, der teils gewisse, für die Kohlenstoffaufnahme notwendige Straylenarten des Sonnenlichts absorbiert und in chemische Schwingungen umsetzt, teils als Dämpfungsvorrichtung gegen zu energi, che Lichtwirkungen funktioniert. Mu ^ichtmangel haben besonders in schwach beleuchteten Höhlen und Grotten wachsende Pflanzen (!6e0i^p6uäi ium ott^in Hrum, 8olii8t06t,^a 08mniiäHc6a oder Leuchtmoos) zu kämpfen, welche sich durch ein außerordentlich lebhaftes Grün auszeichnen; das auf die Leuchtmoospflänzchen einer dunkeln Felsgrotte einfallende Licht verhält sich nach Kerner in den Zellen desselben ähnlich wie Licht, das durch ein kleines Fenster auf eine Glaskugel im Hintergrund einer dunkeln Kam? mer einfällt. Teils werden die parallelen Lichtstrahlen durch Brechung zu einem Lichtkegel vereinigt, der den in denselben befindlichen Chlorophyllkörpern intensives Licht zuführt, teils werden Strahlen von den wassergefüllten Zellen durch Reflexion zurückgeworfen und veranlassen dadurch dasjmaragdäynliche Glitzern dieser winzigen Moospflänzchen. Bei den in großer Meerestiefe unter blauem, wenig intensivem ^icht wachsenden Florideen scheint der durch starke Fluoreszenz ausgezeichnete rote Farbstoff (Phykoerythrin) derseloen eine Schutzwirkung auszuüben, indem er ihren Chlorophylltörvern ^icht von umgeänderter, aber für die Assimilation geeigneter Wellenlänge zuführt. Die S. gegen Lichtüberschuß, das den Chlorophyllfarbstoff zerstört, sind in sehr zahlreichen Fällen genau dieselben, durch welche auch