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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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See (Tiefenverhältnisse, Bestandteile u. physikalische Eigenschaften des Seewassers)
Untersuchungen von R. Credner über die Reliktenseen ist es jedoch sehr wahrscheinlich gemacht, daß Bestandteile einer Meeresfauna auch auf Flüssen und andern Wegen in einen S. gelangen können, so daß faunistische Befunde allein noch nicht als entscheidend für dis frühere Meereszugehörigkeit jetziger Binnenseen angesehen werden dürfen; der Beweis, daß ein Seebecken ein festländisch gewordener Teil frühern Meeresbodens ist, kann vielmehr nur auf geologischer Grundlage geführt werden. Die echten Reliktenseen lassen sich vom genetischen Standpunkt aus nach ihrer Entstehung und Bildung in drei Abteilungen gliedern: 1) Reliktenseen, entstanden durch Abschnürung von Meereeteilen, sei es durch Abdämmung von Meeresbuchten oder allseitige Umschließung von Teilen des offenen Meers, z. B. durch Korallen bauten.
^) Reliktenseen, entstanden durch das Emportauchen von beckenförmigen Vertiefungen des Meeresbodens infolge negativer Niveauveränderung des Meers.
Dahin gehören unter andern der Wener- und Wetterte. 3) Reliktenseen, entstanden durch Einschrumpfen von Meeresräumen zu kleinern, vom Meer unabhängigen Seebecken. In der Weise bildeten sich das Kaspische Meer, der Aralsee und manche Salz seen des Hanhai heraus. Bezüglich der Tiefenverhältnisse und Beckengestaltnng sind die Seen der Alpen und einiger deutscher Mittelgebirge am genauesten durchforscht. Neuere Messungen haben Fahlen geliefert, die von den frühern in betreff d'r Maximaltiefe etwas abweichen und hier mitgeteilt werden mögen:
Baikalsee .. .. .. 1373 m Laduaasec ... 375 m
Kasp Uches Meer. 946 - Nlbanersec ... 340 Laa.o Maggioro .. 850 - Genfer See .. .. .. 334 Gardasee ... 825 - Oberer See. .. .. 310 Comersee ... 588 - Michigattsr?. .. .. 300 Totes Meer .. .. 560 ^^ Iseoseo .... : M:M Zuger See. .. .. 390 »!
Für die Vogesenseen stellen sich die Tiefen auf:
Weißer See ... 60 in Eulzersee .. .. .. .. 15 ?> Schwarzer Scs .. .. 45 - Die Neuweither. .. 12 -Belchensee. .. .. .. 2ü - Scwcnsec .... 12 -Sternsec .... 17 - !
- Die Seiten der Becken besitzen im großen und ganzen dieselbe Böschung wie die begrenzenden Ufer,, je Fig. 1. Isobathen des Weißen Sees.
doch sind plötzliche Steilabstürze nicht ausgeschlossen.
An den Stellen, wo Flüsse und Bäche einmünden, verflacht sich der Boden infolge der eingeschwemmten
Massen ganz allmählich. Der Seeboden ist bei vielen Becken auf weite Strecken hin eben, doch gibt es auch Beispiele, in denen der Grund sich von allen Seiten gleichmäßig zur Mitte senkt, während in einigen Seen unterseeische Erhebungen vorkommen, die entweder isoliert sind oder rückenartig sich durch den S. ziehen und denselben in mehrere gewöhnlich ungleich tiefe Becken zerteilen. Die nebenstehende Skizze der Isoba< then des WeißenSeeslTextfig.1 )veranschaulicht am be.
Das Wasser der Seen ist gewöhnlich süß. Doch gibt es, von den großen Binnenmeeren ganz abgesehen, auch salzige Seen, aus deren Wasser teils reines, teils auch durch salzsauren Kalk, Bittererde, schwefel saures Natron verunreinigtes Kochsalz gewonnen wird. Am häufigsten kommen Seen dieser Art in Asien in der Kirgrsensteppe vor. Natronseen gibt es außer in Ägypten auch in Ungarn. Eine reiche Natrongewinnung knüpft sich an den Kratersee, der in der Nähe von Nagtown im Staat Nevada liegt, eine Tiefe von 50m hat und im Durchmesser 1000-1200w an der Wasserfläche mißt. Von den noch existierenden Seen des Great Basin im N. des hydrographi chen Beckens des quaternären Lalwntansees sind eimgc reine Süßwasserseen, die meisten haben etwas bracki? ges und alkalisches Wasser.
Was die physikalischen Eigenschaften des in den Seen enthaltenen Wassers angeht, so richtet sich die Temperatur im allgemeinen nach den Iah reszeiten. Im Innern der Wassermasse bedingt dic Wärmeverschiedenheit eine vertikale Zirkulationsbewegung dlirch Konvektionsströme. Süßwasser erreicht bekanntlich bei 4" seine größte Dichte; liegt Wasser von 4" über solchem, das höher temperiert ist, so sinkti ersteres unter, während das wärmere Wasser seine Stelle einnimmt. Setzt sich der Abkühlungsprozeß län. gere Zeit hindurch fort, so bildet sich für tiefere Seen von einer gewissen Tiefe ab eine ziemlich gleichmä ßige Temperatur heraus. Die Bodentemperatur sinkt nie unter die Minimaltemperatur des Winters, für den Genfer S. beträgt dieselbe 5 - 5,2" E. Nachdem in den kalten Wintern 1879/80 und 1885/86 die Temperatur der ganzen Wassermasse etwas herabgedrückt war, trat eine Erwärmung in der Zwischenzeit ein, die einen Wert von 0,l - 0,2" im Jahr erreichte. Das Eindringen der Wärme in die tiefern Schichten' des Sees rührt von einermecha nischen Mischung des warmen Obersiächenwassers mit dem kalten Wasser der Tiefe her, die hauptsächlich unter Einfluß de^ Windes vor sich geht.Die Wärme dringt schnell in die obersten Schichten bis zu 50 m Tiefe ein, die jährliche Wärmeschwankung nimmt mit der Tiefe rasch ab und ist bei 100 in ganz gering, doch selbst am Grund noch etwas merklich. Während in den größern Seen die Hauptmasse des Wassers in der Regel auch im Winter über 4" temperiert ist, findet am Ufer überall eine bedeutend tiefere Abkühlung statt. Dieses Strandwafser ist von der Hauptmasse durch eine vom Grund bis zur Oberfläche reichende thermische Barre von 4" getrennt, die wie ein Wall um den tiefen Teil des Sees herumläuft. Die Erwärmung