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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Stelzner - Sternschwanken
sammlungen sowie in Flugschriften trat er für die deutschnationale Bewegung ein und wurde 1885 in das Abgeordnetenhaus gewählt, wo er dem Deutschen Klub, später der deutschnationalen Vereinigung
beitmt.
"Stclzner, Alfred Wilhelm, Geolog, geb. 20. Dez. 1840 zu Dresden, studierte auf der dortigen polytechnischen Schule und auf der Bergakademie zu Freiberg. Nachdem er sich dann längere Zeit als Volontär' der geologischen Reichsanstalt zu Wien an Aufnahmen in den Alpen beteiligt hatte, wurde er 1866 zum Inspektor und Lehrer an der Bergakademie zu Freiberg ernannt, promovierte 1871 und siedelte in demselben Jahr als Professor der Mineralogie und Geologie an die neugegründetonaturwissensch^ftliche Fakultät zu Cordova in der Argentinischen Republik über. Seit 1874 lehrt er als Professor der Geognosie an der Bergakademie zu Freiberg. Außer verschiedenen Abhandlungen veröffentlichte er: »Die Granite von Geyer und Ehrenfriedersdorf < (Freiberg 1865); »Petrographische Bemerkungen über Gesteine des Altai < (Leipz.1871); »Die Umwandlung der Desti//c?tionsgefäße der Zinköfen in Zinkspinell und Tridymit (mit Schulze, Freiberg 1881); »Beiträge zur Geologie und Paläontologie der Argentinischen Republik- (mit Geinitz, Gotische und Kayser, Kassel 1885); »Die Lateralsekretionstheorie und ihre Bedeutung für das Pribramer Ganggebiet« (Freiberg 1889).
^Stephan, 4) Joseph, Physiker, geb. 183.^ zu St.
Peter bei Klagenfurt, wurde nach Beendigung seiner Studien Lehrer an der Oberrealschule in Wien und habilitierte sich gleichzeitig 1858 an der Universität, welcher er bald seine ganze Lehrthätigkeit zuwandte, und an der er gegenwärtig die Professur der Physik bekleidet. Außerdem ist er ständiger Sekretär der Wiener Akademie. S. ist ein ebenso bedeutender theoretischer wie experimentierender Physiker und von seltener Vielseitigkeit und Fruchtbarkeit. An seine ersten Arbeiten, welche sich auf die schwingenden Bewegungen bezogen, knüpften sich theoretische und expernnentelle Untersuchungen über die Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Schalles in Gasen und festen Körpern, dann lieferte er Messungen über die Drehung der Polarisationsebene im Quarz und über die Länge der Lichtwellen, Untersuchungen verschiedener Interferenzerscheinungen und Messungen der Nrechungsexponenten fester Körper in verschiedenen Temperaturen. Er entwickelte in sehr eleganter Weise die Theorie der Gasreibnng, gab zuerst die Theorie der Gasdiffusion und lieferte durch Messung der Wärmeleitungsfähigkeit der Gase und durch die hierbei gefundene naheübereinstimmung des experimentellbestimmten Wertes mit dem von der Theorie gelieferten einen glänzenden Beweis für die Nichtigkeit der neuern Gastheorie. In das gleiche Gebiet gehören Stephans Untersuchungen über die Verdampfung von Flüssigkeiten. Seine Abhandlung über die Grundformeln der Elektrodynamik bildet eine wesentliche Ergänzung der von Ampere gegebenen Theorie dieser
Erscheinungen.
'^Stephens, 3) Leslie, engl. Kritiker und Philosoph, geb. 28. Nov. 1832 zu Kensington, vorgebildet in Eton und auf dem King's College in London, studierte darauf in Cambridge und verblieb hier bis 1864 als Fellow und Tutor der Trinity Hall. Ausschließlich litterarischer Thätigkeit sich widmend, siedelte er nach London über. wo'er 1871-82 das »^ornliili Hia Z^iiie« herausgab. Seitdem steht er, mit zahlreichen Mitarbeitern vereinigt, an der Spitze des auf einige 60 Bände berechneten »Dictionar^ os uatio»
nal dioo-ll^)!^«, von dem bis jetzt 21 Bände erschienen sind. Die Professur der englischen Litteratur an der Universität Cambridge, zu welcher er 1883 berufen ward, legte er schon nach einem Jahr wieder nieder. Er schrieb: »lils euoioe ot'iepik86nwtiv^8« (1867); »1Ioui8 in a lidrln'^« (drei Serien, 1871 1879); >^8«g^8 0Nt>66t,1iil'.Kmc>-NN<I 1)1llin3P69.KlU^<'
(1873); »Hintor^ of I^n_:lisli ttimi Frit iu tlio ^i^iiw6Mk s>6Mn^ (1876, 2 Bde.); »'1!i6 1it6 <>l ll^ii')' I^veett« (1885). Auch gab er die Nerle Fieldings (1882, 10 Bde., mit Biographie) und mit Fred. Pollock >I^6otui'<_'8 anli 688HV8 d.vtiiöll Uö VV.H ^liWvä« (1879,2 Bde.) heraus. Für das Sammelwerk »Nn^> N8li wen ot l6tt6l8« bearbeitete er die Biographien von S. Johnson (1878), A. Pope (1880) und ^.^. Swift (1882). Als Vorstand des Londoner Alpenklubs veröffentlichte er: »'1^6 ^Ip5« (1861), »^6 ^Ibisin-Horn« (1861), »^ji6 8cw6eIiN0lu« (1862) und »'Ike pia.v Arounli ol Nuropk« (1871).
*Sterndrift (engl. lstlri - äi ilo), nach Proctor die Erscheinung, daß weit zerstreute Sterngruppen eine gemeinsame, von derjenigen ihrer Umgebung verschiedene Eigenbewegung besitzen. So rücken im Sternbild des Stiers eine Anzahl heller Sterne gemeinsam um etwa 10 Bogensekunden nach O. fort, auch 5 von den 7 tzauptsternen des Großen Bären zeigen eine gemeinsame Bewegung, desgleichen eine große Anzahl Sterne in den Plejaden 2c. Solche Gruppen betrachtet man als physisch zusammengehörig; doch ist der Schluß wegen der Unsicherheit unsrer Kenntnisse der Eigenbewegungen noch ziemlich gewagt.
*Sternjchlvaltten, eine auf und ab oder auch horizontal hin und her gehende scheinbare Bewegung der Sterne, die A. v. Humboldt 22. Juni 1799 vor Sonnenaufgang am Abhang des Piks von Teneriffa beobachtete, an welcher Stelle auch Prinz Adalbert von Preußen 9. Aug. 1842 diese Erscheinung wveder wahrnahm. Später ist oas S. auch anderwärts beobachtet worden, doch nicht häufig. Schweizer in Moskau, welcher in Bd. 30 und 31 des »Laliotin äs 1a. 8oci6t6 <1tzs HÄMi'HÜ8t68 äs Uoscou« (1857 und 1858) eine eingehende Untersuchung dieses Phänomens veröffentlicht hat, gibt an, daß er derartige Bewegungen in jedem Abstand vom Horizont an hellen Sternen beobachtet, wenn er dieselben längere Zeit hindurch ohne feste Visierlinie unverwandt betrachtet und gleichzeitig einen in der Nähe befindlichen, zum Vergleich dienenden Gegenstand durch indirektes Sehen wahrgenommen habe; die gleiche Wahrnehmung hätten auch alle Personen gemacht, die er auf die Erscheinung hingewiesen hatte. Nach Schweizers Ansicht ist das Ganze subjektiver Natur und erklärt sich daraus, daß das Auge nicht im stände ist, ohne markierte Gesichtslinie längere Zeit dieselbe Richtung beizubehalten, vielmehr in eine vibrierende Bewegung gerät. Mit dieser Erklärung stimmen neuere Beobachtung<m der Erscheinung überein, die 15. März 1888 von Weyer in Kiel am Antares und von Searle in Cambridge in Massachusetts 18. Sept. 1888 an der Capella in der Nähe des Horizonts gemacht worden sind (»Astronomische Nachrichten«, Nr. 2841 und 2863). Diese rein subjektiven Bewegungen werden nicht von einem Beobachter in derselben Weise gesehen wie von einem andern neben dem ersten stehenden: für den einen geht der Stern aufwärts, während er sich sür den andern nach unten oder in horizontaler Richtung bewegt; auch verschwindet die Erscheinung, sobald man den Stern durch ein fest aufgestelltes Fernrohr betrachtet. Es