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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Strandbildungen
dann durch den Rückstrom den größern Tiefen zugeführt (vgl. Abrasion, Vd.17). Das Resultat dieses Vorganges ist, falls das Ufer aus anstehendem Fels besteht, die Herausbildung einer Steilküste; Fig. 4 der Tafel veranschaulicht eine solche von den Ufern des Großen Salzsees in Nordamerika. Die vertikale Ausdehnung, innerhalb welcher die Brandungswelle erodieren kann, ist nach oben durch die Horizontale der Hohe des Wellenkammes begreint, nach unten reicht sie nicht viel tiefer als das Wellenthal. Hat die Welle in ihrem Bereich eine Zeitlang gewirkt, so entsteht längs der Wasserlinie eine rinnenförmige Hohlkehle, während die höhern Teile des Ufers darüber hinwegragen. Die unterhöhlte Felswand verliert endlich ihre Unterstützung und bricht stückweise ab. Die notwendige Ergänzung s-iner Steilküste bildet eine ebene Fläche am Fuß derselben, die fast horizontal ist und sich seewärts ganz allmählich senkt; in ihren landwärts gelegenen Teilen ist diese Terrasse mit Gerölle bedeckt, ihre Breite hängt von der Ausdehnung der litoralen Erosion ad. Weiches Gestein wie Sand und Kies oder Thon und Kreidegestein verhält sich der Brandungswelle gegenüber ganz anders. Lockere Sand- und Kiesmassen kommen in der Natur nur in ziemlich flachen Böschungen vor.
Läuft die Welle eine solche Böschung hinauf, so führt sie große Sandmassen mit sich, beim Abfließen werden
in einzelnen Fällen können Stürme mit auflandiger Richtung einen starken Küstenstrom und dadurch bedeutende Massenverschiebungen von Sanden erzeugen.
Die vorherrschende Richtung des Küstenstroms kann man häufig aus der Beschaffenheit der sogen. Wandersande erschließen, die auf weite Strecken fortgeschwemmt werden. Das bekannteste Beispiel liefert die französische Kanaltüste: die aus dem Kreidegestade ausgewaschenen Feuersteinknollen wandern östlich der Küste entlang und werden dabei immer mehr ab Fig. 1. Strandbildung bei weichem Geste
dieselben aber samt den neuen oberhalb des mittlern Niveaus abgerissenen Körnern zurückgeschwemmt und unterhalb ihrer frühern Lage abgelagert. Den Transport besorgt die Rückströ'mung bis zu der Stelle, wo der Rückfluß einer fieuen W^lle begegnet, hier erfolgt die Ablagerung mit einer seewärts ziemlich steilen Böschung. Dieser Böschung entspricht im Niveau der Wellenwirkung eine Aushöhlung des Strandes, das Aufwerfen eines Walles oberhalb dieser Strandhöhlung erfolgt nur bei sehr flacher Anfangsböschung.
Der Strand nimmt schließlich nach Verlauf einiger Zeit eine Gestalt an, wie sie Textfig. 1 darstellt.
Beim litoralen Transport wirken also Wellen und Strömungen zusammen. Die durch die Wellenbewegung allem hervorgerufene Strömung des Wassers ist aber zu schwach, um schwereres Material zu transportieren, das geschieht vielmehr durch den Küstenstrom. Durch die Wellen, welche genau senkrecht auf den Strand auflaufen, werden die Sand- und Kieskörner nur vor- und rückwärts geschoben und verändern ihren Platz nur seewärts. Ein solcher Strom tritt aber wohl nur selten ein, meistens ist die Wellenbewegung schräg gegen das Ufer gerichtet. Beim Rückstrom werden alsdann die Wasserteilchen nichtm derselben Richtung zurückgeführt, sondern sie schlagen eine dem Strand parallele Bahn ein. Infolgedessen werden die Geschiebemassen nicht nur abwechselnd auf- und abwärts getrieben, sondern erleiden auch eine horizontale Verschiebung dem Strand entlang. Für die Erzeugung des Küstenstroms sind in erster Linie die vorherrschenden Winde maßgebend,
gerieben, so daß bei Dünkirchen das harte Flintgestein schon fast ganz zu Sand zerrieben ist. Soweit wie dieses Driftmaterial ausgebreitet ist, reicht das Gebiet des Strandes, dessen untere Grenze unter dein Wasser liegt, während der obere Rand gewöhnlich etwas über das Niveau des Wassers bei ruhigem Se<spiegel herausragt; die Böschung ist ziemlich flach und zeigt im Profil !6'förmige Gestalt, d.h. landwärts konvex nach oben, seewärts konkav (Textfig. 2). Brechen sich die Wellen ,H infolge sehr geringer Neigung des See bodens schon in größerer Entfernung vom Wasferrand, so folgt der Transport des Driftmaterials der Linie des Brechers, es bildet sich eine Barre parallel der Küste, aus der mit der Zeit eine Nehrung sich aufbaut. Dadurch wird ein Meeresteil von der freien Verbini n. düng mit dem offenen Meer abgeschnit ten und es entsteht ein Haff oder eine Lagune. Bei dieser litoralen Ablagerung ist zunehmende Tiefe des Wassers die Vorbedingung. Die Gebilde, welche ausder Ablagerung desder Küsteentstammenden Geschiebematerials hervorgehen, kann man im allgemeinen als Dämme bezeichnen, im einzelnen führen sie jedoch i hrer Gestalt entsprechende Namen.
Besitzt der Küstenstrom eine größere Gewalt, so folgt er nur dem allgemeinen Verlauf der Festlandsumr'isse, ohne sich um die vielfach gewundenen Linien der Küste zu kümmern. Dabei tritt der Strom streckenweise in tieferes Wasser und ist genötigt, die Geröllmassen, welche er in der Nähe der Küste mitschleppte, fallen zu lassen. Behält der Küstenstrom seine Richtung, und schwenkt die Küstenlinie von der Stromrichtung ab, so nimmt der aufgeworfene Damm-die Gestalt einer Landzunge, einer Barre oder eines Hakens an, im andern Fall entsteht vor der Küste eine Terrasse.
Bildet z. B. die Küstenlinie eine Bucht, so ist das Wasser zwischen den beiden divergierenden Züchtungen der Küste und des Stroms verhältnismäßig ruhig, das Gerölle folgt aber nicht der Küstenlmie, sondern dem Zug des Stroms und baut in dem Maß, wie immer neues Material durch die Strömung herbei' geschafft wird, einen Damm zwischen der Bucht und dem offenen Meer auf, der durch fortgesetztes Aufschütten immer weiter ins Wasser vorgeschoben wird.
Ist der Aufbau bis nahe an die Wasseroberfläche gediehen, so vertritt der Damm die Stel/e der Küste und unterliegt fortan denselben Einwirkungen (Fig. 3 der Tafel). Tressen Strom und Küste auf der anöern Seite der Bucht wieder zusammen, so wird die letztere