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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Tierhandel; Tirard; Tissot

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Tierhandel - Tissot

amerikanischer Flußdelphin im Amazonas und Orinoko), tropisch sind speziell die Pottwale. Die Bartenwale sind ausgesprochen arktische und antarktische Tiere. Die pflanzenfressenden Wale (Sirenen) bewohnen in ihren jetzigen Vertretern drei verschiedene Gebiete: die Westküste des tropischen Afrika von Senegambien bis Guinea nebst allen Flußmündungen (afrikanischer Manati), die Küste Amerikas vom Golf von Mexiko bis Nordbrasilien und den untern Orinoko und Amazonas (amerikanischer Manati) und den Indischen Ozean vom Roten Meer bis Ceylon, den Malaiischen Archipel und die Nordküste Australiens (Dugong). Von den Flossenfüßern ist die eine Familie, nur das Walroß umfassend, arktisch zirkumpolar. Die Ohrenrobben sind scharf nach Arten lokalisiert; sie fehlen im Atlantischen Ozean; die Seehunde finden sich in allen Meeren der kalten und gemäßigten Zone.

[Tafel IV, Karte 3: Zahnarme, Beuteltiere und Kloakentiere.] Mit Ausnahme zweier Gattungen, Erdferkel und Schuppentier, welche beide der äthiopischen Region angehören, und von denen das Schuppentier sich auch noch in der orientalischen findet, sind die Zahnarmen neotropische Charaktertiere; Gürteltiere finden sich daselbst in der ganzen festländischen Ausdehnung der Region, während andre lokalisierte sind. Die Beuteltiere sind in hohem Grade Tiere Australiens, dem so ziemlich alle andern Säugetiere fehlen, während die Beuteltiere in großer Mannigfaltigkeit vertreten sind. Außerhalb der australischen Region finden sich Beuteltiere nur noch in Südamerika und dem südlichen Teil Nordamerikas (Beutelratten und Schwimmbeutler); die Mehrzahl der australischen Beutler ist auf das australische Festland u. Tasmania beschränkt. Ganz auf Australien, Tasmania u. Neuguinea beschränkt sind die Kloakentiere, die niedersten uns bekannten Säugetiere, von denen das Schnabeltier Queensland südlich des 18.° südl. Br. Neusüdwales, Victoria, Südaustralien und Tasmania bewohnt, die Gattung Ameisenigel dagegen ganz Australien, Tasmania und den Südosten sowie Nordwesten Neuguineas.

Tierhandel *. Die Tierliebhaberei läßt sich bis in die ältesten Zeiten verfolgen; überall trifft man Tiere, die nur aus Freude an ihrer Schönheit oder ihrem Wesen gezüchtet wurden. Vor vielen Jahrhunderten gelangten Papageien nach Europa, und die Spanier fanden Schmuckvögel schon bei den Urbewohnern Amerikas. Bis zur neuern Zeit herauf war aber der Handel, bez. die Einfuhr fremdländischer Tiere nach Europa lediglich dem Zufall preisgegeben. Reisende, Kaufleute, Seefahrer und gelegentlich auch Krieger brachten merkwürdige Tiere mit und verkauften sie zunächst an Liebhaber, aus denen dann hier und da Händler erstanden. Etwa mit dem Anfang, dann lebhafter zu Mitte des vorigen Jahrhunderts begann ein besonderer Tier-, namentlich aber Vogelhandel sich zu entwickeln. Fürsten, große Handelsherren u. a., späterhin die Besitzer umherwandernder Menagerien und wiederum später die Vorsteher der zoologischen Gärten waren die hauptsächlichsten Abnehmer. Seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts, lebhafter aber erst seit der Mitte des gegenwärtigen, veränderten sich die Verhältnisse, namentlich durch Erleichterung des Verkehrs, durchaus. Die wandernden Menagerien, welche doch nur verhältnismäßig wenige Tiere und meistens in kläglichem Zustand auszuweisen hatten, gingen bald ihrem Untergang entgegen, während immer zahlreicher zoologische Gärten sich großartig entwickelten und die Liebhaberei für die Luxnstiere, besonders für die Stubenvögel, begünstigten. Die Seefahrer fanden es lohnend, für große Händler, namentlich in London und Hamburg, Tiere mitzubringen, und als die Direktionen der großartigen Naturanstalten, die Besitzer von Vogelstuben u. a. ganz besondere Anforderungen stellten, die gelegentliche Einfuhr auch das Bedürfnis bei weitem nicht befriedigte, begannen die Großhändler eigens für den Zweck des Tierfangs Expeditionen auszurüsten, welche nach allen Weltteilen, vorzugsweise aber nach Afrika, ausziehen. Dieser T. gewährt nicht zu unterschätzende Vorteile in wissenschaftlicher Hinsicht und fördert die Interessen zahlreicher Liebhaber, leider aber fallen demselben sehr viele Tiere nutzlos zum Opfer, weil sie auf dem Transport nicht die entsprechende Pflege finden.

Eine Übersicht des gesamten Tierhandels ergibt folgende Zweige: 1) Tiergroßhandel in den Hafenstädten, der sich über alle Gebiete der höhern Tierwelt mit Einschluß der Reptilien erstreckt. Diese Großhändler senden eigne Expeditionen aus, oder sie kaufen die Tiere unmittelbar bei der Ankunft der Schiffe in den Hafenstädten. Meistens sind sie auch im Besitz von Handelstiergärten, Tierparken oder andern derartigen Anlagen. 2) Die Händler zweiter Hand, welche in den Binnenstädten ansässig sind, offene Läden haben, meistens aber nur fremdländische und einheimische Sing- und Schmuckvögel verkaufen, allenfalls auch einige Affen und sodann Aquarien- und Terrarientiere. Auch unter ihnen haben neuerdings mehrere sogen. Handelstiergärten eingerichtet. 3) Die eigentlichen Kleinhändler, welche mit Kanarien-, seltener mit kleinen fremdländischen Vögeln hausierend von Stadt zu Stadt reisen. 4) Ausschließelich Kanarienvogelhändler, welche größtenteils zugleich Selbstzüchter sind. 5) Geflügelhändler, welche vorzugsweise mit Luxusgeflügel handeln und die alljährlich über ganz Deutschland in großer Regsamkeit veranstalteten Geflügelausstellungen besuchen. 6) Die zoologischen Gärten, deren Verwaltungen fast sämtlich, wenigstens an Freunde und Bekannte, teils selbstgezüchtete, teils gekaufte u. bereits eingewöhnte Tiere abgeben. 7) Die große Zahl der Liebhaber, namentlich der Stubenvögelzüchter, welche einen überaus regsamen Kauf- und Tauschverkehr entwickelt haben. Die bedeutendsten Handlungen bestehen in Hamburg (Hagenbeck) und London (Jamrach, Abrahams), eins der interessantesten Geschäfte in Alfeld bei Hannover (Reiche). Deutschland exportiert sehr viele selbstgezüchtete Kanarienvögel, besonders nach New York, Südafrika und Australien, außerdem auch Stieglitze, Dompfaffen (wilde und abgerichtete), Hänflinge, Zeisige, weniger Nachtigallen, Mönche, Rotkehlchen, Grasmücken, Drosseln und Lerchen. Von großer Bedeutung für den T. sind die alljährlich stattfindenden Tierversteigerungen der Akklimatisationsgesellschaft von Antwerpen und für Frankreich die Thätigkeit des Akklimatisationsgartens in Paris.

Tirard, Pierre Emmanuel, franz. Minister, nahm im März 1890 seine Entlassung als Ministerpräsident, worauf am 17. März Freycinet ein neues Ministerium bildete.

Tissot * (spr. tissoh), 4) Joseph, franz. Gelehrter, geb. 26. Nov. 1801 zu Fourgs (Doubs), praktizierte zu Paris als Advokat bis 1829, wandte sich dann, da er zugleich auch theologische und humanistische Studien mit Eifer betrieben hatte, dem Unterrichtsfach zu und wirkte seit 1834 als Lehrer der Philosophie am College von Dijon, bis er 1837 an die wissenschaftliche Fakultät daselbst berufen ward. Er starb daselbst 17. Okt. 1876. Von seinen zahlreichen Werken,