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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Affenspalte; Afrika, Forschungsreisen; Agathokles; Agnes; Agricola; Ägypten

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Affenspalte - Ägypten.

denn der Raum zwischen den Unterkieferästen ist ebenso eng wie bei diesem, die Kinnwand aber noch dicker und nach hinten stark geneigt, so daß sich der Befund sogar dem bei nichtanthropoiden A. nähert. Da nun das Sprachvermögen und die Vorbereitung der Organe zu demselben als das wichtigste Merkmal der Erhebung des Menschen über das Tier angesehen werden müssen, so muß man nach Gaudry zugeben, daß in diesem Punkte der höchststehende unter den fossilen Anthropoiden weiter vom Menschen entfernt steht als die heute lebenden Anthropoiden, Ergebnisse, die sich freilich nur schwer mit den Folgerungen der frühern Untersuchung an derselben Tierart vereinigen lassen. Es wird dies dadurch erklärt, daß der Lartetsche Kiefer einem jungen Individuum angehört habe, bei dem der Prognathismus noch nicht so entwickelt war wie bei dem jetzt gefundenen vollentwickelten, und es ist bekannt, daß auch die jetzt lebenden Anthropoiden in der Jugend viel menschenähnlicher sind als im Alter. Daraus hätte man aber schließen müssen, daß dies für die ausgestorbenen Anthropoiden überhaupt anzunehmen sei, nicht bloß für ihre Jugend, und es ergibt sich hier ein noch ungelöster Widerspruch mit der Theorie, der sich zum Teil dadurch löst, daß die ältern Menschenrassen ebenfalls ein wenig vorragendes Kinn zeigen.

Affenspalte, s. Gehirn.

Afrika, Forschungsreisen, s. Geographische Forschungsreisen.

Agathokles, Tyrann von Syrakus. Vgl. R. Schubert, Geschichte des A. (Bresl. 1887).

Agnes, 5) A. von Poitou, Gemahlin des deutschen Kaisers Heinrich III. Vgl. v. Salis-Marschlins, A. von Poitou, Kaiserin von Deutschland (Zürich 1888).

Agricola, 1) Rudolf, Humanist. Vgl. F. v. Bezold, Rudolf A., ein deutscher Vertreter der italienischen Renaissance (Münch. 1884).

5) Georg, Mineralog. Vgl. Jacobi, Der Mineralog Georg A. und sein Verhältnis zur Wissenschaft seiner Zeit (Werdau 1889).

Ägypten. Über Areal und Bevölkerung s. Bd. 17, S. 15, doch ist zu bemerken, daß noch ein Teil der ehemaligen Provinz Dongola zu Ä. gehört, nämlich das Nilthal oberhalb Wadi Halfa bis zur Ortschaft Akasche. Die Landwirtschaft hat aus der von englischen Ingenieuren geleiteten Stromregulierung des Nils bereits große Vorteile gezogen, indem das Wasser dieses Flusses infolge derselben viel besser ausgenutzt wird, als es früher der Fall war. Dieses sowohl als die hohen Preise für Baumwolle, das Herabgehen des Zinsfußes und eine minder schwere Besteuerung (Aufhören der Fronen 1889) haben die Fellachen in den Stand gesetzt, einen erheblichen Teil der Hypotheken abzutragen. Die Baumwollernte betrug 1888-89: 2,722,954 Kantar zu 44,5 kg, die Zuckerernte 1889: 937,934 Kantar (gegen 1,135,416 Kantar im J. 1888). Tabak darf jetzt nur noch auf 1500 Feddans zu 4301 qm gebaut werden. Ein- und Ausfuhr während der letzten drei Jahre stellten sich wie folgt (in ägypt. Pfund zu 21 Mk. 25 Pf.):

1887 1888 1889

Wareneinfuhr für den Konsum 8137054 7738343 7020961

Ausfuhr von ägypt. Produkten 10876417 10418213 11953196

Einfuhr von Münzen 3066740 2038956 1900418

Ausfuhr von Münzen 1898062 2642900 1963699

Durchfuhr - 698992 749568

Den Ländern nach verteilten sich Ein- und Ausfuhr von Waren im J. 1889 wie folgt:

Einfuhr Ausfuhr

Großbritannien 2539381 7744540

Britische Kolonien 589920 26332

Frankreich und Algerien 715700 908681

Türkei 1422950 320553

Österreich-Ungarn 657687 986689

Rußland 353863 647376

Italien 216501 816077

Deutschland 50664 2968

Die wichtigsten Artikel der Einfuhr waren 1889 Baumwollenstoffe (1,048,000 Pfd.), Getreide u. Mehl (750,398 Pfd.), Steinkohle (441,000 Pfd.), Metalle und Metallwaren (517,116 Pfd.), Bauholz (292,000 Pfd.), Kaffee (254,292 Pfd.), Tabak und Zigarren (272,000 Pfd.). Die Ausfuhr bestand fast ausschließlich aus Produkten der Landwirtschaft, als Baumwolle (3,206,202 Kantar im Werte von 8,547,716 Pfd.), Baumwollsamen (2,098,589 Ardeb, Wert 1,453,891 Pfd.), Zucker (733,378 Kantar, Wert 496,796 Pfd.), Bohnen (432,084 Ardeb, Wert 326,836 Pfd.) und Weizen (203,716 Ardeb, Wert 165,608 Pfd.). Der Handel mit dem Sudân ist seit 28. Nov. 1889 wieder gestattet, doch ist die Ausfuhr von Waffen, Munition und Getreide verboten (s. Suakin). Die Eisenbahnen hatten 1887 eine Länge von 2012 km, sie beförderten 3,244,112 Personen und hatten bei einer Ausgabe von 587,556 Pfd. eine Einnahme von 1,305,680 Pfd. Postämter gab es 1888: 171; die Telegraphenleitungen hatten 1889 eine Länge von 5841 km.

Die ägyptischen Finanzen besserten sich von Jahr zu Jahr in dem Grade, daß trotz erheblicher Steuernachlässe die Einnahmen einen immer größern Überschuß über die Ausgaben lieferten. Die englische Regierung zog daraus den Schluß, daß ihr vorherrschender Einfluß in Ä., welcher von der Anwesenheit einer Besatzungsarmee abhängig sei, aufrecht erhalten werden müsse. Die Staatseinnahmen beliefen sich 1889 auf 9,716,000 Pfd., die Ausgaben auf 9,523,000, und am Schlusse des Jahres befanden sich noch 1,100,000 Pfd. in der Staatskasse. Direkte Steuern ergaben 5,249,000 Pfd. (wovon 4,893,000 Pfd. vom Land), indirekte Steuern 1,872,000 Pfd. (Zölle und Tabak 1,027,000 Pfd.) und die Eisenbahnen 1,302,000 Pfd. Von den Ausgaben kamen 271,000 Pfd. auf die Zivilliste, 4,221,000 Pfd. auf die öffentliche Schuld, 665,000 Pfd. auf den Tribut an die hohe Pforte, 589,000 Pfd. auf Eisenbahnen, 824,000 Pfd. auf Polizei und Kriegsmacht. Für 1890 schätzte man die Einnahmen auf 9,650,000 Pfd., die Ausgaben auf 9,500,000 Pfd.; für 1891 Ein- und Ausgaben bez. auf 9,820,000 und 9,320,000 Pfd. Die öffentliche Schuld belief sich 1. Jan. 1890 auf 103,426,640 Pfd., wozu noch die als Mukabalah bekannte innere Zwangsanleihe, welche im J. 1930 durch jährliche Raten von je 150,000 Pfd. abgezahlt sein wird, und die Zinsen (194,000 Pfd.) auf die von England angekauften Suezkanalaktien kommen. Eine von England 1889 vorgeschlagene Konvertierung eines Teils der Schuld konnte 1890 durchgeführt werden, nachdem Frankreich seinen Widerspruch gegen diese dem Lande so günstige Maßregel aufgegeben hatte. Jetzt steht die ägyptische Schuld wie folgt:

^[Liste]

Garantierte Anleihe vom J. 1885, 3 Proz. 9111100 Pfd.

Unifizierte Schuld zu 4 Proz. 55988920 -

Domanialschuld zu 5 Proz. 5173440 -

Daira Sanich und Daira Khassa 8587480 -

Anleihe vom J. 1890 zu 3½ Proz. 29400000 -

: 108260940 Pfd.