Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Aleuronkörner; Alexander; Alfieri; Algerien

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Aleuronkörner - Algerien.

sterhaften Schilderung der tropischen Natur. Auch für die Bühne schrieb er mehreres, darunter das beifällig aufgenommene Lustspiel »Der Dämon der Familie«.

Aleuronkörner. Die bisherigen Kenntnisse über diesen wichtigen Inhaltsbestandteil der Pflanzenzellen, insbesondere im Samen, bieten trotz der gründlichen Untersuchungen Pfeffers noch mancherlei Lücken. Vor allem fehlte es an einem Reagens, welches eine bequeme Beobachtung der A. nebst ihren merkwürdigen Einschlüssen ermöglicht, ohne daß die Körner, wie es z. B. in Wasser geschieht, gelöst werden oder tiefergehende chemische Veränderungen erleiden, wie sie z. B. das von Pfeffer vorgeschlagene, in Alkohol gelöste Quecksilberchlorid bewirkt; das Einlegen der die A. enthaltenden Schnitte in ein fettes Öl, wie z. B. Mandelöl, gestattet endlich keinen Einblick in die den Aleuronkörnern eingelagerten Proteinkörper. Lüdtke, der kürzlich ausgedehnte neue Untersuchungen über die A. anstellte, fand in dem absoluten Alkohol das gesuchte Reagens, welches die Körner so weit erhärtet, daß sie gegen Wasser wenigstens für einige Zeit unempfindlich bleiben; außerdem bietet er den Vorteil, das die A. umgebende und die Beobachtung störende fette Öl zu entfernen. Jedes Aleuronkorn besteht aus einer dünnen, zarten Hüllmembran, die sich leicht in verdünnten Alkalien löst, ferner einer in Natriumphosphat löslichen Grundmasse und den Einschlüssen, unter welchen Proteinkristalloide (d. h. Eiweißkörper von kristallähnlichem Aussehen), Globoide (Eiweißkörper von rundlicher Gestalt) und echte Kristalle (aus Kalkoxalat) zu unterscheiden sind. Die Kristalloide lösen sich in Kalkwasser, welches auch für die Grundsubstanz und die Hüllmembran das beste Lösungsmittel bildet; in Natriumphosphat wie auch in Wasser sind die genannten Einschlußkörper unlöslich. Die Globoide (wie auch die Hüllmembran und die Grundmasse) lösen sich dagegen in Natriumphosphat, wodurch eine sehr sichere Unterscheidung der Einschlußgebilde gewonnen ist. Mit Hilfe dieser Reaktionen gelang die Feststellung von vier Haupttypen, in welchen die A. bei den verschiedenen Gruppen des Pflanzenreichs auftreten. Dieselben unterscheiden sich dadurch, daß sie entweder ganz einschlußfrei sind oder nur Globoide oder letztere neben Kristallen oder Kristalloide neben Globoiden (außerdem in seltenen Fällen auch Kristalle) enthalten; je höher organisiert die A. sind, desto mehr entsprechen sie dem letzten Typus, der bei Euphorbiaceen, Koniferen, Palmen, Linaceen, Labiaten, Kukurbitaceen und andern Familien vorkommt. Von besonderer physiologischer Bedeutung ist das Verhalten der A. in quellenden Samen bei Einwirkung von Wasser, in welchem sie, mit Ausnahme ihrer Einschlußgebilde, löslich sind; zumal in den Außenschichten des Samens wird durch Wasser Lösung in der Grundsubstanz der A. bewirkt. Durch wiederholtes Einquellen und Austrocknen wird daher die Keimkraft der Samen beinahe vollständig erschöpft, da die Hauptmasse der Eiweißstoffe in den Aleuronkörnern niedergelegt ist; ihr unverändertes Vorhandensein ist zum Wachstum der Keimpflanze unbedingt erforderlich. Eine normale Auflösung der A. tritt erst während des Wachstums der Keimpflanze ein. Die Entwickelung der A. im reifenden Samen findet nach Pfeffer und Lüdtke nicht in Vakuolen des Plasmas, wie das von andern Beobachtern behauptet worden ist, sondern frei im Zellinhalt statt. Im keimenden Samen (von Rizinus) quellen die A. zunächst auf, dann zeigt sich eine Abnahme der Kristalloide, während die vorher glattumrandeten Globoide einen zackigen Umriß annehmen; die anschwellende Grundsubstanz sprengt darauf die Hüllmembran, die sich schnell auflöst, wodurch die Globoide und Kristalloide frei werden und dann auch in Lösung gehen; dieselbe ist schon in den Keimpflanzen vollendet, ehe sich die Keimblätter entfalten. Diese Auflösungs- und Bildungsvorgänge der A. spielen im Stoffhaushalt der Pflanzen jedenfalls eine sehr bedeutende Rolle, über welche eine nähere Einsicht zur Zeit noch nicht gewonnen ist. Vgl. Lüdtke, Beiträge zur Kenntnis der A. (in Pringsheims »Jahrbüchern für Botanik«, Bd. 21, 1889).

Alexander, 1) der Große. Vgl. Kaerst, Forschungen zur Geschichte Alexanders d. Gr. (Stuttg. 1887); H. Droysen, Untersuchungen über Alexanders d. Gr. Heerwesen und Kriegführung (Freiburg 1885); Lezius, De Alexandri Magni expeditione indica (Dorp. 1887); Joubert, Alexandre le Grand (Par. 1889).

9) A. VI., Papst. Vgl. Höfler, Don Rodrigo de Borja (Papst A. VI.) und seine Söhne (Wien 1888).

13) A. I., ehemaliger Fürst von Bulgarien, s. Hartenau.

17) A. I., Kaiser von Rußland. Vgl. Vandal, Napoléon et Alexandre I, l'alliance russe sous le premier Empire (Par. 1890); Tatistchéw, Alexandre I et Napoléon d'après leur correspondance inédite (das. 1891).

Alfieri, Vittorio, Graf, ital. Dichter. »Lettere edite e inedite« von A. gab Mazzatinti (Turin 1890) heraus.

Algerien. Die Volksbildung läßt noch immer viel zu wünschen übrig, und im J. 1887 besuchten nur 106,060 Kinder die Schule, während 611,720 Kinder im schulpflichtigen Alter von 6-13 Jahren ohne allen Unterricht blieben. Im J. 1888 war die Akademie der Stadt Algier von 223 Studenten besucht. Die Lyceen von Algier und Constantine hatten 1547 Schüler und 8 höhere Gemeindeschulen (Collèges) 1254 Schüler. Die Landwirtschaft beschäftigte 1889: 3,264,708 Personen, einschließlich von 210,000 Europäern. Getreide (Gerste und Weizen) wurde 1888 auf 2,758,073 Hektar gebaut und ergab einen Ertrag von 13,223,312 Quintals. Dem Weinbau waren in demselben Jahre 97,266 Hektar gewidmet, und 2,753,885 hl Wein wurden gekeltert. Tabak wurde auf 10,143 Hektar gebaut mit einem Ertrag von 5,502,053 kg. Auch die Olivenpflanzungen sind von Bedeutung. Alfa oder Espartogras wird auf 1¼ Mill. Hektar gesammelt (Ernte 1888: 1,905,715 Quintals). Die Wälder bedecken 3,247,692 Hektar. Künstliche Berieselung erstreckt sich jetzt auf 133,893 Hektar. Der Viehstand belief sich 1889 auf 190,185 Pferde, 136,537 Maultiere, 306,560 Esel, 299,946 Kamele, 1,227,078 Rinder, 10,712,926 Schafe, 4,587,719 Ziegen und 83,238 Schweine. Mit der Straußenzucht werden jetzt bei Ajata im Wed Rir Versuche angestellt. Der Fischfang ist seit 1. März 1888 nur französischen Unterthanen gestattet und haben sich infolge dieser Verordnung etwa 600 Malteser naturalisieren lassen. Die Korallenfischerei nimmt ab und beschäftigte 1888 nur 26 Boote mit 5111 Mann Besatzung. Den Ertrag schätzte man auf 265,550 Fr. Die Produkte des Bergbaues hatten 1888 einen Wert von 4,822,821 Fr. Gewonnen wurden 383,958 Ton. Eisenerze, 15,036 T. Kupfererze, 451 T. Blei, 8521 T. Zinkerze und 25,835 T. Steinsalz.

Handel. Die Einfuhr für den einheimischen Verbrauch betrug 1888: 234,908,120 Fr., die Ausfuhr algerischer Produkte 197,699,565 Fr. Auf Frank-^[folgende Seite]