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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Amerikanistenkongreß

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Amerikanistenkongreß.

herbeigeschleppter Insekten sowie kokonlose Ameisenpuppen. Bisweilen stellen sich die A. diesen Käfern feindlich gegenüber, welche sie aber durch den Geruch eines an der Hinterleibspitze ausgeschiedenen weißen Tröpfchens zu beruhigen wissen. Ähnlich verhalten sich andre Käfer aus den Gattungen Stenus, Thiasophila, Homalota und Hetaerius. Die Larven von Dinarda verhalten sich wie die Käfer, sind flink und ganz selbständig im Gegensatz zu den unbeholfenen ameisenähnlichen und von den A. ganz abhängigen Larven von Lomechusa und Atemeles. Beziehen die A. ein neues Nest, so tragen sie letztere und wahrscheinlich auch die Käfer hinüber, während die Ameisengäste der zweiten Kategorie den Weg zur neuen Kolonie selbst suchen und auch finden. Neben der dritten Gruppe typischer Ameisenkäfer, zu denen besonders die Gattung Myrmedonia gehört, unterscheiden Wasmann und Forel noch zufällige Ameisengäste, die auch noch frei, außerhalb der Ameisenkolonien, leben und durchaus nicht von den A. abhängen. Sehr wichtig und interessant ist die von Wasmann beobachtete Thatsache, daß, während die A. verschiedener Kolonien stets einander feindlich gesinnt sind, die Ameisengäste von den A. verschiedener Kolonien und sogar verschiedener Arten freundlich behandelt werden, vorausgesetzt, daß im Naturzustand die betreffende Käferart bei den betreffenden verschiedenen Ameisenarten als Gast auftritt. Auch die Blattläuse sind den Ameisen gegenüber international.

Bezüglich der Ameisenähnlichkeit (Mimikry) mancher Ameisengäste, welche bei andern ganz fehlt, kommt Wasmann zu folgenden Resultaten: Zwischen den echten Ameisengästen und ihren gewöhnlichen, bez. ursprünglichen Wirtsameisen besteht meist in der Größe und Färbung, oft auch in der Gestalt, eine gewisse Ähnlichkeit. Am vollkommensten ist dieselbe nicht bei den höchsten Ameisengästen (Clavigeriden), sondern bei jenen, die durch zudringliches, ameisenähnliches Benehmen sich besonders auszeichnen (Lomechusa-Gruppe). Zwischen den regelmäßigen Ameisenfeinden und deren gewöhnlichen, bez. ursprünglichen Wirtsameisen herrscht in Größe und Färbung, meist auch in der Gestalt eine mehr oder minder täuschende Ähnlichkeit; bei den häufigsten Arten ist diese Ähnlichkeit am vollkommensten. Lebt dieselbe Käferart bei mehreren, an Größe und Färbung bedeutend verschiedenen Ameisenarten, so stimmt sie mit jener überein, gegen die sie des Schutzes am meisten bedarf. Zwischen den indifferent geduldeten Ameisengästen und ihren Wirtsameisen findet sich gewöhnlich keine Ähnlichkeit, nur bei solchen, die häufig die mißtrauische Aufmerksamkeit der A. erregen, tritt eine Ähnlichkeit in der Färbung auf. Die Larven von Atemeles und Lomechusa ahmen in Gestalt, Haltung und Benehmen die Ameisenlarven nach.

Schon von frühern Forschern ist festgestellt worden, daß die Amazonenameise (Polyergus) unfähig ist, selbst zu fressen; sie leckt wohl gelegentlich Wasser oder Honig, wenn sie zufällig mit dem Kopfe hineingerät, aber niemals sucht sie neben ihr liegende Nahrung auf und verhungert, wenn nicht ein Sklave kommt und sie füttert. Ihr Nahrungsbedürfnis treibt sie nicht zum Fressen an, sondern nur zur Anbettelung von andern A. Sie vermag die Beziehung, die zwischen dem Nahrungsbedürfnis und der Stillung desselben durch eigne Nahrungssuche und Nahrungsaufnahme obwaltet, nicht zu erkennen. Forel hatte bereits gezeigt, daß eine sehr kleine Ameise, Solenopsis fugax, in den Wandungen der Nester größerer Arten gräbt und deren Brut gelegentlich raubt und verzehrt. Die Existenz solcher zusammengesetzter Nester, in welchen thatsächlich zwei feindliche Arten hausen, ohne daß ein Zusammenwohnen in gleichen Räumen stattfindet, ist von Wasmann bestätigt worden.

Amerikanistenkongreß. Der achte internationale A. tagte 14.-20. Okt. 1890 in Paris. In seiner Eröffnungsrede behandelte Quatrefages die Frage nach dem Ursprung der amerikanischen Stämme. Er verwarf die Theorie von der ursprünglichen Existenz artlich verschiedener Menschenstämme und suchte im Hinblick auf die Verhältnisse im Tierreich zu zeigen, daß der Mensch von einer verhältnismäßig beschränkten Ursprungsstätte aus durch Wanderungen über den Erdball sich verbreitet haben müsse. Die Verbreitung der polynesischen Stämme durch derartige Wanderungen sei bereits erforscht, für die amerikanischen Stämme aber seien noch Ausgangspunkt, Ziel und Richtung der Wanderung festzustellen.

Am ersten Arbeitstag wurde das Musée du Trocadero besichtigt, wo namentlich die Gegenstände von Tenenepanco am Abhang des Popokatepetl Interesse erregten. Die hier gefundenen Kinderleichen kennzeichnen den Ort als eine Stätte, wo in alter Zeit dem Tlaloc, dem Gotte des Regens und der Berge, Kinder geopfert wurden. Am Nachmittag überreichte Peñafiel sein großes Werk über Mexiko, welches in Berlin gedruckt wird, und dann sprach Marcou über den Ursprung des Namens Amerika. Marcou hatte schon früher den Namen von der Sierra de Amerique oder Sierra de Amerisque abgeleitet und darauf hingewiesen, daß Amerigo Vespucci, nach dessen Vornamen, wie allgemein angenommen wird, der Name Amerika gebildet worden ist, vor 1506 sich Alberigo genannt habe. Nun zeigte aber Jimenez de la Espada, daß in alten Berichten und Karten der Name Sierra de Amerique gar nicht erscheint, und daß Vespucci sich bereits 1492 und 1495 Amerigo genannt habe. Der Kongreß stimmte daher mit großer Einhelligkeit der Bemerkung des Vorsitzenden Hellmann bei, daß diese Frage nun wohl für immer von dem Programm der Amerikanistenkongresse abgesetzt sei. Marcel erwähnte einen Globus der Bibliothèque Nationale, welcher 1513 angefertigt sein dürfte und wohl eins der ältesten Dokumente ist, auf denen der Name Amerika erscheint. Eine Meerenge durchschneidet das Land in der Höhe von Panama. Zum Schlusse sprach Gaffarel über die Entdeckungsfahrten der Portugiesen in der Kolumbianischen Epoche, an denen besonders die Familie Corte Real beteiligt war. Die erste durch Dokumente bezeugte Fahrt machte Gaspard Corte Real 1500, welcher auf derselben die Terra verdex, wahrscheinlich Neufundland oder Labrador, entdeckte. Auf einer Fahrt im folgenden Jahr, von welcher nur ein Schiff zurückkehrte, wurden ziemlich hoch im N. gelegene Gebiete (Baffinsbai) erreicht und bei den Bewohnern der Küste venezianische Glasperlen als Schmuck angetroffen. Gaspard ebenso wie sein Bruder Miguel Corte Real, der ihn 1502 aufzufinden suchte, blieben verschollen, das Interesse der Portugiesen aber lenkte sich nach der Entdeckung Brasiliens durch Cabral andern Gebieten zu, und man überließ den Franzosen die Erschließung der im N. gelegenen Gebiete.

In der zweiten Sitzung unter dem Vorsitz von Altamirano, den Quatrefages als Vertreter der präkolumbischen Rassen vorgestellt hatte, sprach Seler über die Wandmalereien der Paläste von Mitla. Dieselben sind in Rot und Weiß auf feinem Stuckgrund im Stile der alten Bilderhandschriften aus-^[folgende Seite]