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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Azofarbstoffe; Azoospermīe; Azteken; Baader; Babelon; Baccarīni; Baccelli; Bacmeister

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Azofarbstoffe - Bacmeister.

ques et archevèques ^[richtig: l'archevêques] de Paris depuis saint Denys« (1878, 2 Bde.) und das von der Akademie preisgekrönte Werk »Richelieu et la monarchie absolue« (1884-90, 4 Bde.).

Azofarbstoffe. Den mächtigen Aufschwung, den die Teerfarbenindustrie in den letzten Jahren genommen hat, verdankt sie vor allem den Azofarbstoffen, welche durch die Mannigfaltigkeit ihrer Farbe und die Leichtigkeit ihrer Darstellung bei fast theoretischer Ausbeute dem Fabrikanten hohen Gewinn brachten, zumal die einfache Art, diese Farbstoffe auf der Faser zu fixieren, den Konsum derselben ganz enorm steigerte. Es genügt, die wässerige verdünnte Lösung des Farbstoffs mit einer geringen Menge Säure zu versetzen, zu kochen und die Faser tüchtig in dem Bade durchzuziehen, um letzteres vollständig zu erschöpfen. Die gefärbte Wolle und Seide erleidet durch Waschen mit Seife u. am Licht wenig Veränderung. Baumwolle freilich nimmt A. nicht auf. Nur die Krocine lassen sich mit Hilfe von Thonerdesalzen auf Baumwolle niederschlagen, die Färbung ist aber unecht und konkurriert nicht entfernt mit Alizarinrot. Erst in der neuesten Zeit ist eine Gruppe von Azofarbstoffen, die Kongofarbstoffe, entdeckt worden, welche sich nicht auf Wolle, dagegen in der einfachsten Weise auf Baumwolle fixieren lassen, indem man letztere lediglich durch die mit wenig Alkali versetzte kochende Farbstofflösung durchzieht. Die kongorot gefärbte Baumwolle ist nicht so echt wie die alizarinrote, doch hat die Einfachheit des Färbeprozesses der Alizarinrotfärberei enormen Abbruch gethan. Zur Herstellung der ältern A. benutzt man primäre aromatische Amine, welche neben dem Benzolkern eine Amidogruppe enthalten (Anilin C6H5.NH2 ^[C_{6}H_{5}.NH_{2}]), und verwandelt sie durch Behandeln in saurer kalter Lösung mit salpetrigsaurem Natron in eine Diazoverbindung (Diazobenzol C6H5.NN.OH ^[C_{6}H_{5}.NN.OH]), welche mit einer alkalischen Lösung eines Phenols oder Amins den Farbstoff erzeugt. Die aus verschiedenen Aminen und Phenolen erhaltenen A. zeigen große Mannigfaltigkeit in Nüance, Löslichkeit und Echtheit. Die Kongofarbstoffe werden aus Diaminen dargestellt, welche zwei Amidogruppen enthalten. Nitrobenzol C6H5.NO2 ^[C_{6}H_{5}.NO_{2}] wird in saurer Lösung zu Anilin C6H5.NH2 ^[C_{6}H_{5}.NH_{2}] reduziert, in alkalischer Lösung dagegen (Nitrobenzol mit Zinkstaub und Natronlauge) tritt aus zwei Molekülen Nitrobenzol Sauerstoff in Form von Wasser aus, und die Nitrobenzolreste verketten sich mit ihren Stickstoffatomen zu Azobenzol C6H5NNC6H5 ^[C_{6}H_{5}NNC_{6}H_{5}], welches unter Aufnahme von Wasserstoff in Hydrazobenzol C6H5.NH.NH.C6H5 ^[C_{6}H_{5}.NH.NH.C_{6}H_{5}] übergeht. Dies reduziert sich in saurer Lösung weiter und bildet Benzidin C6H5.NH2.NH2.C6H5 ^[C_{6}H_{5}.NH_{2}.NH_{2}.C_{6}H_{5}], welches nun wie Anilin diazotiert werden kann. Es entsteht Tetrazodiphenyl C6H4.NN.OH.OH.NN.C6H4 ^[C_{6}H_{4}.NN.OH.OH.NN.C_{6}H_{4}], welches nun bei der Einwirkung auf Phenol oder Amine A., die Kongofarbstoffe, liefert. Man hat rote, blaue und gelbe Farbstoffe hergestellt, erstere aus αNaphthylaminαsulfosäure, die blauen aus αNaphtholαsulfosäure, die gelben aus Salicylsäure. Die schönsten roten und blauen Kongofarbstoffe liefert das dem Benzidin homologe Tolidin, nämlich Benzopurpurin und Benzoazurin.

Azoospermīe, s. Unfruchtbarkeit.

Azteken, s. Amerikanistenkongreß, S. 19.

B.

Baader, 2) Franz Xaver von, Philosoph. Eine Auswahl seiner theosophischen Schriften »als Inbegriff christlicher Philosophie« gab J. ^[Johannes] Claassen heraus (»F. v. Baaders Leben und theosophische Werke«, Stuttg. 1886-87, 2 Bde.).

Babelon (spr. bab'lóng), Ernest, franz. Archäolog, geb. 1854 zu Sarrey (Obermarne), studierte an der École des chartes und erhielt eine Anstellung am Münz- und Antikenkabinett der Nationalbibliothek zu Paris. Er schrieb: »Les bourgeois du roi, au moyen-âge« (Dissertation); »Les derniers Carolingiens, d'après Richer« (1878); »Du commerce des Arabes dans le Nord de l'Europe avant les croisades« (1882); »Description historique et chronologique des monnaies de la république romaine« (1885-87, 2 Bde.), sein Hauptwerk; »Le cabinet des antiques à la Bibliothèque nationale« (1888-1889, mit 60 Tafeln); »Manuel d'archéologie orientale« (1889); »Recherches archéologiques en Tunisie« (mit T. Reinach, 1886); »Catalogue des monnaies grecques de la Bibliothèque nationale« (Bd. 1, 1890). Auch setzte er Lenormants »Histoire ancienne de l'Orient« (4.-9. Band, 1881-88) fort und ist Herausgeber der »Revue numismatique« und der »Gazette archéologique«.

Baccarīni, Alfredo, ital. Staatsmann, geb. 6. Aug. 1828 zu Russi in der Provinz Ravenna, studierte Physik und Mathematik in Bologna und beteiligte sich 1848 an der nationalen Erhebung seines Vaterlandes, indem er an den Kämpfen bei Vicenza, Treviso und Bologna teilnahm. Nach Niederwerfung der Revolution lebte er in Ravenna, wo er nach einigen Jahren als städtischer Oberingenieur angestellt wurde, später auch andre höhere städtische Ämter bekleidete. In den Staatsdienst übergetreten, wurde B. 1872 nach Rom berufen und stieg hier bald zum Generaldirektor der staatlichen Wasserbauten auf, in welcher Eigenschaft er wesentlichen Anteil an den durch Garibaldi 1875 veranlaßten Plänen zur Tiberregulierung nahm. Schon 1873 wurde er ins Parlament gewählt, aber seine Wahl wurde für ungültig erklärt, und erst einige Jahre später gelangte er, erst für Sant' Arcangelo, dann für Ravenna, in die Deputiertenkammer. 1876 wurde er Generalsekretär im Ministerium der öffentlichen Arbeiten und 1878 berief ihn Cairoli zur Leitung dieses Ministeriums, das er (mit kurzer Unterbrechung von Dezember 1878 bis Juli 1879) auch unter Depretis bis zum Mai 1883 behielt. Während einer fast fünfjährigen Verwaltung hat B. sich besonders um den Eisenbahnbau in Italien erhebliche Verdienste erworben. Nach seinem Rücktritt bildete er mit Crispi, Cairoli, Nicotera und Zanardelli die sogen. Pentarchie; auch nach Depretis' Tode blieb er in der Opposition gegen Crispi und lehnte ein ihm 1889 angebotenes Portefeuille ab. B. starb 2. Okt. 1890; er hat eine Reihe technischer Schriften, namentlich über Wasserbauten, veröffentlicht.

Baccelli, Guido, ital. Arzt und Staatsmann, wurde 4. Dez. 1890 Senator des Königreichs.

Bacmeister, Georg, hannöv. Staatsmann, starb 4. Aug. 1890 in Göttingen.