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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Balan; Balanoglossus; Ballauff; Ballestrem; Balneologische Gesellschaft

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Balan - Balneologische Gesellschaft.

ihr eine Unzahl von B. auf, welche die verschiedenartigsten Gärungsvorgänge hervorrufen. Die moderne Einrichtung guter Molkereigebäude, alle praktischen Regeln des Molkereibetriebs haben den Zweck, die Milch möglichst lange vor den schädlichen Einflüssen gewisser B. zu schützen. Anderseits leisten die B. in der Milchwirtschaft die nützlichsten Dienste. Im Rahm wird zur Butterbereitung absichtlich die von B. abhängige Milchsäuregärung eingeleitet. Bei der Käsebereitung sucht man mit Hilfe der durch die B. hervorgerufenen Gärungsprozesse jeder Käsesorte den charakteristischen Geruch und Geschmack zu geben; in dieser Beziehung versucht man bereits Reinkulturen der Käsebakterien bei der Käsebereitung in Anwendung zu bringen. Beim Reifen der Käse kommt bestimmten B. eine besondere Aufgabe zu. Auch bei der Bereitung des Kefir handelt es sich darum, in der Milch unter bestimmten Bedingungen durch gewisse B. eine eigentümliche Gärung einzuleiten. Schließlich sind jene B. genau bekannt, welche die sogen. Milchfehler hervorrufen. Vgl. Kramer, Die Bakteriologie in ihren Beziehungen zur Landwirtschaft (Wien 1890, Bd. 1); Migula, Bakterienkunde für Landwirte (Berl. 1890); Adametz, Bakteriologische Untersuchungen über den Reifungsprozeß der Käse (»Landwirtschaftliche Jahrbücher«, Bd. 18, das. 1889); Jörgensen, Die Mikroorganismen der Gärungschemie (2. Aufl., das. 1890); »Wandtafeln für Bakterienkunde« (das. 1891).

Balan, Don Pietro, ital. Historiker, geb. 3. Sept. 1840 zu Este, besuchte das Priesterseminar in Padua und trat sodann in den geistlichen Stand. Nachdem er in Venedig, Modena und Turin ultramontane Zeitungen redigiert hatte, wurde er 1879 Archivar am vatikanischen Archiv in Rom und zog sich mit dem Titel eines päpstlichen Hausprälaten 1883 nach Pregatto bei Bologna zurück. Unter seinen zahlreichen Werken klerikaler Tendenz sind hervorzuheben: »I precursori del razionalismo fino a Lutero« (Parma 1867-69, 2 Bde.); »Pio IX., la Chiesa e la Rivoluzione« (Modena 1869, 2 Bde.); »Storia di Gregorio IX. e de' suoi tempi« (das. 1872-73, 3 Bde.); »Storia d'Italia« (das. 1878-88, 7 Bde.); »La politica di Clemente VII. fino al sacco di Roma« (Rom 1884); »Clemente VII. e l'Italia dei suoi tempi« (Mail. 1887) u. a.

Balanoglossus, s. Würmer.

Ballauff, Ludwig, Philosoph und Pädagog der Herbartschen Schule, geb. 27. Febr. 1817 zu Hannover, besuchte, dort vorgebildet, die polytechnische Schule zu Hannover, die Universität Berlin und die technische Hochschule zu Wien. 1841 trat er als ordentlicher Lehrer an der höhern Bürgerschule zu Varel (Oldenburg) ein, die später zur Realschule erhoben und mit einer Landwirtschaftsschule verbunden ward, stieg an diesen Anstalten zum Konrektor, Professor (1886) und Rektor (1887) mit dem Range und Titel eines Schulrats auf. Er gab 1849-54 das »Oldenburger Schulblatt«, 1865 mit Ziller die »Monatsblätter für wissenschaftliche Pädagogik« (Leipzig) heraus. In diesen wie in andern Blättern der Herbartschen Schule veröffentlichte B. zahlreiche philosophische Aufsätze. Außerdem erschienen von ihm: »Lehrbuch der Arithmetik und Algebra« (Oldenb. 1870-71, 2 Tle.); »Grundlehren der Psychologie« (2. Aufl., Köthen 1890); »Grundlehren der Physik« (Langensalza 1879-81). Die philosophische Fakultät zu Breslau ernannte B. 1884 ehrenhalber zum Doktor.

Ballestrem, Franz, Graf von, wurde 7. Mai 1890 an Stelle Franckensteins als Vertreter der Zentrumspartei zum ersten Vizepräsidenten des deutschen Reichstags gewählt.

Balneologische Gesellschaft. Die zwölfte Versammlung der Balneologischen Gesellschaft fand 7.-10. März 1890 in Berlin statt. Der Vorsitzende, Professor Liebreich, eröffnete die erste Sitzung mit einem Bericht über die Hygiene in den Kurorten. Auf Veranlassung von Brehmer war eine Bäderkommission zusammengetreten, welche an sämtliche deutsche Kur- und Badeorte Fragebogen versandt hatte, deren Inhalt sich meist auf hygienische Einrichtungen in den Bädern bezog. Es sind 144 Fragebogen ausgefüllt an die Kommission zurückgelangt und zwar von 101 Bädern und 43 Kurorten. Im allgemeinen hat sich ergeben, daß die hygienischen Einrichtungen sich in Deutschland entwickelt haben wie in keinem andern Lande. Manche Badeorte freilich, die aus spekulativer Sucht entstanden sind, entsprechen den zu stellenden Anforderungen nicht, und in einzelnen kleinern Orten herrschen unglaubliche Zustände. Am besten wäre es, wenn der Staat eintreten und jedem Kurort erst eine gewisse Approbation erteilen würde, bevor er als solcher sich aufthun dürfte. Vor allem bietet die Beschaffung der Nahrungsmittel den Kurgästen nicht die notwendige hygienische Garantie. In den meisten Badeorten fehlt eine Fleischkontrolle, die vor allen Dingen eingeführt werden müßte. Ebenso fehlt die regelmäßige Untersuchung der Milch, auf die nicht minder Wert zu legen ist. Die Wohnungen müßten vor allem der ärztlichen Kontrolle unterstellt werden. Es ist vorgekommen, daß unmittelbar nach dem Tode eines Kranken die Leiche bei Nacht ohne Aufsehen fortgeschafft und das Zimmer ohne weiteres mit einem neuen Gast belegt wurde. Natürlich wird dadurch der Verbreitung von Infektionskrankheiten Thür und Thor geöffnet. Liebreich teilte mit, daß in einem Kurort 22 Proz. der Todesfälle bei den Einwohnern und 10 Proz. bei den Badegästen ihre Ursache in Infektionskrankheiten hatten. Auch das Trinkwasser ist in den meisten Badeorten, namentlich in den Seebädern Norddeutschlands, derart beschaffen, daß ein gewissenhafter Arzt seine Patienten eigentlich nicht dahin schicken dürfte. Die Presse hat mit der Offenheit, die sie haben darf, die aber den Ärzten versagt ist, schon viel zur Abhilfe der Übelstände beigetragen. Aber wie der Staat darüber wacht, daß kein schlechtes Arzneimittel in den Handel komme, so müsse auch das Trinkwasser unter Schutz gestellt werden. Auch Isolier- und Leichenhäuser zur Verhütung von Ansteckungen sind nicht in allen Badeorten vorhanden. Der Redner schloß etwa folgendermaßen: Wenn nun auch mancherlei Schäden in Bezug auf die hygienischen Einrichtungen zu Tage getreten sind, so können die Ärzte doch im allgemeinen die Kranken mit Beruhigung nach unsern Badeorten senden und brauchen nicht ausländische zu empfehlen. Schon das Zusammentreten der Bäderkommission hat wie ein Schreckschuß auf manche Badeorte gewirkt. Einzelne haben durch Zuschriften an die B. G. gebeten, ihnen die Mängel anzugeben, damit deren Beseitigung ins Werk gesetzt werden könne. Die Kommission wird sich aber auf Verhandlungen mit den einzelnen Verwaltungen nicht einlassen, sondern, sobald Klagen aus einem Kurort kommen, zunächst mit den dort praktizierenden Ärzten sich ins Einvernehmen setzen. Badeorte, welchen die Mittel fehlen, die geforderten hygienischen Einrichtungen zutreffen, sollen auch nicht Erholung suchende Leute anlocken. Den zweiten Vortrag hielt Zuntz - Berlin über die Wirkung des Gehens, Bergsteigens und