Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bewick; Bewußtsein

118

Bewick - Bewußtsein.

Erregung des Gehirns. Dieser regulative Zusammenhang macht sich nun den auftauchenden Effektbildern von Bewegungen gegenüber öfters geltend und zwar entweder im hemmenden Sinne (dann wird eine B. mit Willen unterlassen oder unterbrochen) oder im fördernden Sinne (dann entsteht eine Willkürbewegung). Wenn nämlich eine Bewegungsvorstellung erst durch den Einfluß einer Summe von unbewußten Vorstellungen über die Bedeutung, die Beschaffenheit und die Folgen der betreffenden B. die zur Ausführung nötige Stärke erhält, dann sprechen wir von dem Willen zu dieser B. Willkürliche Bewegungen werden demgemäß unmöglich, einmal, sobald die nötige Vorstellung, d. h. das Effektbild, nicht reproduziert werden kann, wie in der Agraphie und Aphasie (s. d., Bd. 1), sodann, wenn die halbbewußten psychischen Inhalte nicht in die vollbewußte Synthese eingreifen, wie im Schlaf. Spielt das erwähnte Ineinandergreifen in einer Bewußtseinssphäre sich ab, werden also ganz bewußt vor der Ausführung einer B. widerstreitende Vorstellungen an ihrer Beziehung zum Lebenszweck angemessen, so resultiert eine Überlegungsbewegung oder Wahlhandlung.

Bewick, Thomas, engl. Holzschneider. Vgl. noch Rosin, Thomas B., his life and times (Lond. 1888).

Bewußtsein, im absoluten Sinne die charakteristische Eigenschaft der Seelenvorgänge, wie etwa Bewegung das bleibende Merkmal der physikalischen Prozesse bezeichnet. In diesem Sinne sowie mit Rücksicht auf die an B. gebundene Ausdehnung unsrer innern Erfahrung hat man vom B. als von der Grundbedingung des Seelenlebens und der Psychologie gesprochen. In einem mehr relativen Sinne dagegen unterscheidet man die von irgend einem Grade der Aufmerksamkeit begleiteten und in eine das Innenleben beherrschende psychische Synthese zusammengefaßten Vorgänge als bewußte von den im Hintergrund thätigen, mehr oder weniger verdunkelten seelischen Inhalten. Für die letztern kann der freilich ungeschickte Ausdruck unbewußt allenfalls gebraucht werden (vgl. Vorstellung). Mit diesem Ausdruck soll keineswegs gesagt werden, daß diese latenten Massen des psychischen Charakters entbehrten, denn dann wäre es unerklärlich, wie sie den klarbewußten Vorstellungsablauf bestimmen und zu einem erworbenen Zusammenhang des Seelenlebens sich zusammenschließen könnten. Besser nennt man sie aber vielleicht mit Dessoir unterbewußt, zum Unterschied von den oberbewußten Elementen, auch mit Rücksicht darauf, daß vielfach die beiden so getrennten Bewußtseinssphären gleichzeitig verschiedene Thätigkeiten in sich abspielen lassen können (Doppelbewußtsein) oder sich in der Herrschaft neben den ganzen Menschen abwechseln (alternierendes B., am klarsten in der Scheidung zwischen Traum[hypnotischem] Bewußtsein und Wachbewußtsein vertreten). Es ist daher falsch, dem Schlafe, der Hypnose, dem epileptischen Anfall etc. das B. abzusprechen; solche Zustände leiden wohl unter dem Mangel der Besonnenheit und haben Erinnerungslosigkeit zur Folge, sind aber nicht Zustände der sogen. Bewußtlosigkeit. Während B. im absoluten Sinne sich vom Standpunkt einer empirischen Psychologie aus naturgemäß weder erschöpfend definieren, noch gar erklären läßt, scheint B. im relativen Sinne nach drei Seiten hin einer teils positiv erläuternden, teils negativ begrenzenden nähern Bestimmung fähig zu sein, doch stehen gerade in der Lehre vom B. wie in dem eng damit verbundenen Kapitel von der Aufmerksamkeit und Apperzeption die widersprechendsten Ansichten sich schroff gegenüber. 1) Ein psychisches Moment scheint um so bewußter zu sein, mit je mehr andern homogenen Momenten es verschmolzen ist: eine Sinnesempfindung fällt dann mit besonderer Deutlichkeit ins B., wenn zahlreiche verwandte Vorstellungen sich ihr bei ihrem Eintritt in den dominierenden Thätigkeitsablauf der Seele anschließen. 2) Diese selbe Eigenschaft der Bewußtseinskonzentration wird gewöhnlich durch die Vergleichung mit dem Blickfeld des Auges (s. Gesicht) verdeutlicht, indem man dabei von jener bildlichen Ausdrucksweise Gebrauch macht, welche das B. ein inneres Sehen nennt. Sagen wir von den in einem gegebenen Augenblick gegenwärtigen Vorstellungen, sie befanden sich im Blickfeld des Bewußtseins, so kann man denjenigen Teil des letztern, welchem die Aufmerksamkeit (s. d.) zugekehrt ist, als den innern Blickpunkt bezeichnen. Den Eintritt einer Vorstellung in das innere Blickfeld nennt Wundt Perzeption, ihren Eintritt in den Blickpunkt Apperzeption. 3) Obwohl die so gewonnenen nähern Bestimmungen des Bewußtseins als Bild ihren Wert behalten, müssen sie doch durch eine prinzipielle Erwägung erhebliche Einschränkung erleiden. Das B. darf nicht als eine selbständige, bald hierhin, bald dorthin wandernde Macht in der Seele aufgefaßt werden, welche neben dem Seeleninhalt stünde; im Gegenteil, alles, was von der üblichen Theorie der Thätigkeit und der Veränderungen eines substanziierten Bewußtseins zugeschrieben wird, muß aus Gründen der Sparsamkeit und der Einheit der psychologischen Anschauung als Veränderung des Bewußtseinsinhaltes gedeutet werden. (Münsterberg.)

Enge des Bewußtseins bezeichnet mit einem rein bildlichen Ausdruck die Thatsache, daß wir uns in einem gegebenen Augenblick immer nur einer beschränkten Anzahl von psychischen Inhalten deutlich bewußt sind. Die nähere Bestimmung dieser Anzahl wird jetzt nicht mehr wie früher aus abstrakten Überlegungen, sondern durch experimentelle Untersuchungen zu gewinnen versucht, und zwar benutzt man hierzu die Gleichheit von Gruppen successiver Eindrücke. Es sollen danach zwölf einfache Vorstellungen als Maximalumfang des Bewußtseins für relativ einfache und aufeinander folgende Vorstellungen zu betrachten sein. Jedoch können die Voraussetzungen, unter denen die Versuche, als zur Lösung des Problems geeignet, vorgenommen wurden, angefochten werden. Dagegen lassen sich noch einige allgemeine Regeln aufstellen. 1) Der Umfang des Bewußtseins steht im umgekehrten Verhältnis zur Stärke der Aufmerksamkeit und des Interesses: je intensiver Aufmerksamkeit und Interesse angespannt sind, desto kleiner wird die Anzahl der vom B. umfaßten Inhalte. 2) Bei gleichmäßig verteiltem Interesse können gleichzeitig Sinnesempfindungen aller sechs Sinne nebst einer Vorstellungsreihe im B. vorhanden sein. (Spencer.) 3) Der Kreis der vom relativen B. beleuchteten Momente in uns ist ein sehr enger im Vergleich zu der unbeleuchteten Fläche.

Einheit des Bewußtseins bezeichnet die wesentliche Eigenschaft unsers Seelenlebens, daß in ihm die Thatsache des Vergleichens möglich ist. Denn zum Vergleichen gehört, daß zwei unterschiedene Vorgänge doch zu einer Einheit synthetisiert werden: zwei Nüancen der Farbe Rot müssen, um miteinander verglichen werden zu können, in ihrer Unterschiedenheit erhalten, gleichzeitig im B. existieren. Die so verstandene Einheit des Bewußtseins ist ausschließ-^[folgende Seite]