Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Davyl; Debidour; Debois; Dechend; Decker; Decrais; Defuisseaux; Dehio; Deiters

183

Davyl - Deiters.

wo er durch einen Unfall an einer Maschine den rechten Arm verlor. Die Beteiligung an einer Verschwörung in Irland zog ihm später die Verurteilung zu 15jähriger Zuchthausstrafe zu; doch wurde er nach 7 Jahren begnadigt. Darauf lebte D. eine Zeitlang in Amerika und gründete, 1877 nach Irland zurückgekehrt, die sogen. Landliga, die anfangs nur eine Verbindung der Pachter Irlands zur Erleichterung ihrer Lage darstellte, später aber eine radikale Änderung der Agrargesetzgebung seiner Heimat erstrebte; die erste Versammlung der Landliga fand im Oktober 1879 statt. Wegen dieser Agitation 1880 abermals angeklagt und 15 Monate im Gefängnis gehalten, trat D. bald danach die Leitung der Landliga an Parnell ab. D. ward mehrfach in irischen Wahlkreisen als Parlamentsmitglied gewählt, lehnte aber die Wahl stets ab, weil er den Eid nicht leisten wollte. Bei der Spaltung der irischen Partei im Dezember 1890 schloß D. sich den Gegnern Parnells an und bekämpfte denselben auf das heftigste. Seit Oktober 1890 gibt er die Zeitschrift »Labour World« heraus.

Davyl, Louis (eigentlich Louis Poupart), franz. Schriftsteller (s. Bd. 17), starb im August 1890 in Paris.

Debidour (spr. -uhr), Antonin, franz. Geschichtsforscher, geb. 31. Jan. 1847 zu Nontron (Dordogne), besuchte die Normalschule und wurde Geschichtslehrer am Lyceum seiner Vaterstadt. Den Krieg von 1870 bis 1871 machte er als Freiwilliger in der Verteidigungsarmee von Paris mit. Nachdem er an mehreren Lyceen als Lehrer der Geschichte gewirkt hatte, erwarb er 1877 mit einer Arbeit über die Kaiserin Theodora den Doktorgrad und wurde 1878 an die Faculté des lettres in Nancy berufen, wo er 1880 zum Professor der Geschichte ernannt wurde und die Société de géographie de l'Est und die »Annales de l'Est« gründete. Auch für die Ligue de l'enseignement war er durch Vorträge thätig und widmete sich mit Eifer der Sache der republikanischen Demokratie. Unter seinen Schriften sind zu nennen: »La Fronde angevine« (1877), von der Akademie gekrönt; »Précis de l'histoire de l'Anjou« (1878); »Le général Bigarré, d'après ses mémoires inédits« (1880); »Histoire de Du Guesclin« (1880); »L'impératrice Théodora« (1885); »Études critiques sur la Révolution, l'Empire et la période contemporaine« (1886); »Histoire diplomatique de l'Europe, 1814-1878« (1890, 2 Bde.). Auch übernahm er die Vollendung von Lanfreys »Histoire de Napoléon I«.

Debois (spr. -bŏa), Ferd., Männergesangskomponist, geb. 24. Nov. 1834 zu Brünn, wo er als Bankbeamter lebt. Schrieb Männerchöre, Lieder, Duette sowie auch Klavierstücke.

Dechend, Hermann Friedrich Alexander von, Reichsbankpräsident, starb 30. April 1890 in Berlin.

Decker, 4) Pierre Jacques François de, belg. Politiker, starb 6. Jan. 1891 in Brüssel.

Decrais (spr. -kräh), Pierre Louis Albert, franz. Diplomat, geb. 18. Sept. 1838, wurde Advokat in Paris, im September 1870 der Gesandtschaft in Brüssel beigegeben, 1871 Präfekt des Departements Indre-et-Loire, 1874 der Seealpen und 1876 der Gironde, wo er mit einer Unterbrechung während des reaktionären Ministeriums (1877) bis 1880 blieb. Nachdem er Gesandter in Brüssel gewesen, wurde er 1882 zum Direktor der politischen Abteilung im Ministerium des Auswärtigen und darauf zum Botschafter beim Quirinal in Rom, 1886 zum Botschafter in Wien ernannt.

Defuisseaux (spr. döfüissoh), Léon, belg. Publizist, geb. 17. Dez. 1841 zu Mons, studierte in Brüssel die Rechte, war 1861-63 Sekretär J. ^[Jules] Favres in Paris und seitdem Advokat in Brüssel. 1870-81 gehörte er als radikaler Deputierter der Kammer an, zog sich aber dann aus Gesundheitsrücksichten nach Nizza zurück, von wo aus er bis 1889 die Wochenschrift »République belge« redigierte; auch schrieb er: »Les hontes du suffrage censitaire« (Brüssel 1884). - Sein Bruder Alfred D., Advokat in Mons, warf sich ganz in die sozialistische Agitation im Hennegau, besonders im Borinage, und verfaßte hierfür zwei aufreizende Bücher: »Catéchisme du peuple« und »Grand catéchisme du peuple« (Brüssel 1886), wegen deren er zu längerer Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Er wanderte nach Frankreich aus, setzte aber von hier aus seine Aufhetzereien fort.

Dehio, Georg, Kunsthistoriker, geb. 22. Nov. 1850 zu Reval, studierte in Dorpat, Göttingen u. Bonn Geschichte, habilitierte sich 1877 an der Universität München für Geschichte und wurde 1883 als ordentlicher Professor der Kunstgeschichte nach Königsberg i. Pr. berufen. Er schrieb: »Hartwich von Stade« (Götting. 1872); »Geschichte des Erzbistums Hamburg-Bremen bis zum Ausgang der Mission« (Berl. 1877, 2 Bde.); »Die Genesis der christlichen Basilika« (München 1883); mit G. v. Bezold: »Die kirchliche Baukunst des Abendlandes« (bis jetzt 3 Bde., Stuttg. 1884-90).

Deiters, 1) Hermann, Philolog und Musikschriftsteller, geb. 27. Juni 1833 zu Bonn, studierte daselbst zuerst Rechtswissenschaft, dann aber klassische Philologie, war auch hier 1858-69 Gymnasiallehrer, 1869 Oberlehrer zu Düren, wirkte in der Folge als Gymnasialdirektor zu Conitz (1874), Posen (1878), Bonn (1883) und ward 1885 zum Provinzialschulrat zu Koblenz ernannt. Im Januar 1890 wurde er als Hilfsarbeiter ins Kultusministerium berufen. D. war während seines Aufenthalts in Bonn sowohl auf philologischem als musikhistorischem Gebiet persönlicher Schüler Otto Jahns. Rein philologisch sind nur D.' erste Schriften: »De Hesiodea scuti descriptione« (Bonn 1858), »De Hesiodi theogoniae prooemio« (das. 1863); die folgenden treten bereits auf das Spezialgebiet der Musikforschung über: »Über die Verehrung der Musen bei den Griechen« (Bonn 1868); »De Aristides Quintiliani doctrinae harmonicae fontibus« (das. 1870) und »Über das Verhältnis des Martianus Capella zu Aristides Quintilianus« (Pos. 1881). D. wurde besonders bekannt durch seine ausgezeichnete Übersetzung und Bearbeitung von A. W. Thayers Biographie Beethovens (bis jetzt 3 Bände, Berl. 1866-79), welches hochbedeutende, durchaus auf originalen Forschungen beruhende Werk in der Muttersprache seines amerikanischen Verfassers bisher überhaupt noch nicht erschienen ist. Außerdem schrieb D. noch kurze biographische Abhandlungen über J. Brahms (Leipz. 1880) und L. v. Beethoven (das. 1882, beide in Waldersees »Sammlung musikalischer Vorträge«), zahlreiche Kritiken und Abhandlungen in musikalischen Fachzeitschriften und unternahm die Herausgabe der dritten, die neuesten Forschungen berücksichtigenden Auflage von O. Jahns Mozartbiographie (1. Bd., das. 1889).

2) Otto, Mediziner, Bruder des vorigen, geb. 15. Nov. 1834 zu Bonn, studierte daselbst 1852-56, dann in Berlin, habilitierte sich als Privatdozent in Bonn, war gleichzeitig Assistenzarzt der medizinischen Klinik und starb 3. Dez. 1863. Er schrieb: »Lamina spiralis membranacea« (Bonn 1860); »Untersuchungen über Gehirn und Rückenmark des Menschen und der Säugetiere« (hrsg. v. Max Schultze, Braunschw. 1865).