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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Engelsberg; Englische Litteratur 1889-90

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Engelsberg - Englische Litteratur.

»Geschichte der neuhochdeutschen Grammatik sowie der Methode des grammatischen Unterrichts in der Volksschule«. Auch erschien von ihm eine Geschichte seiner Vaterstadt (Landsb. 1857).

Engelsberg, E. S. (Pseudonym für Eduard Schön), Männergesangskomponist, geb. 23. Mai 1825 zu Engelsberg in Österreichisch-Schlesien, empfing seine musikalische Ausbildung durch seinen Vater und durch Selbststudium, blieb auch in seiner Stellung als Ministerialrat in Wien der Tonkunst treu und schuf eine Reihe viel gesungener Männerchöre, von denen die bekanntern sind: »Meine Muttersprache«, »So weit«, »Waldesweise«, »Heini von Steier«, »Ballszenen«, »Narrenquadrille«. E. starb 27. Mai 1879 in Deutsch-Jaßnik.

Englische Litteratur 1889-90. Die schon in unserm vorigen Bericht erwähnten biographischen und andern Sammelwerke wurden auch im letzten Jahre fortgeführt und durch neuere Unternehmungen dieser Art vermehrt (»English statesmen«, »The story of the nations series«, »Philosophical classics for English readers«, »The Mermaid series of Elizabethan dramatists«, »The foreign favourite series«, »The Saga library«, »The statesmen series«, »Rulers of India« u. a.). Die Zeitschriften weisen außerordentliche Verbreitung auf; die neubegründete »Review of Reviews«, teilweise von geborgtem Material lebend, ein Wunder an Fülle des Stoffes und Wohlfeilheit des Preises, gehört in den Händen des rührigen William Stead einem stark religiös gefärbten Radikalismus an, der an das Puritanertum erinnert, dabei aber kunstliebend ist. Der kürzlich zum Katholizismus übergetretene Verlagsbuchhändler Kegan Paul, längst auch als Schriftsteller vorteilhaft bekannt, begründete die »Paternoster Review«, in welcher auf wissenschaftlichem wie schönwissenschaftlichem Wege der Einfluß des päpstlichen Rom den Übeln der Zeit entgegenwirkt soll.

Dichtung.

Des greisen Robert Brownings letztes Buch: »Asolando«, ging seinem Tode nur wenige Tage voraus. Asolo ist der Name eines freundlichen Städtchens in den Friauler Alpen, das einst ein Lieblingsaufenthalt der Katharina Cornaro war, welche dort einen litterarisch glänzenden Hof hielt. Es war auch zu verschiedenen Zeiten ein Lieblingsaufenthalt Brownings, der so gern die Nebel Englands mit der Sonne des italischen Himmels vertauschte (asolare heißt im Italienischen auch »atmen, frische Luft schöpfen«). Und so waren diese Verse gleichsam die letzten Atemzüge des Dichters, der am 12. Dez. 1889 in Venedig starb. Wie die frühern Gedichtsammlungen Brownings, enthält auch dieser Band neben anmutigen und kräftigen Stücken Dunkles und Groteskes. Die alten Verehrer bleiben treu, neue werden kaum angezogen, der Masse des englischen Volkes bleibt Browning nach wie vor fremd. Doch haben jene ihm die Ehre der Bestattung in der Westminsterabtei verschafft. Auch fährt die Browning-Gesellschaft fort, unter F. Furnivalls Leitung die Wertschätzung und das Verständnis des Dichters zu fördern; so veranstaltete sie eine Neuausgabe von Brownings »Life of Strafford«, der 1836 verfaßten Vor- oder Nebenarbeit seines Dramas »Strafford«, die aber bisher dem Historiker John Forster zugeschrieben wurde.

Der greise Tennyson hat auch in diesem Jahre wieder einen Band Verse dargeboten: »Demeter, and other poems«, worin er teilweise, wie im Vorjahr, sich mit Altklassischem beschäftigt, teilweise seiner alten Neigung für den nordenglischen Dialekt und dessen Vertreter folgt. Stellenweise schlägt er hier auch, wie in dem im Vorjahr erschienenen »Sixty years after«, stark pessimistische Töne an. Noch hat Tennyson die Gabe der wohltönenden, einschmeichelnden Verse nicht verloren; aber es ist nicht zu bezweifeln, daß er nicht mehr wie früher die Lesewelt zu begeistern vermag. Trübe Lebensauffassung stellt sich auch in Alfred Austins großem Gedicht »The human tragedy« dar. Es ist langsam und mit allmählichen Fortsetzungen und Erweiterungen, dem Goetheschen »Faust« ähnlich, aus dem ersten Entwurf herausgewachsen, der 1862 in nur zwei Gesängen erschienen war. Es folgten als scheinbar selbständige Stücke: »Madonna's Child« und späterhin »Rome or Death«, in welchem die italienischen Ereignisse der Neuzeit spielen. Das Ganze, zuerst 1876 in einem Bande herausgegeben, erscheint gegenwärtig neubearbeitet und trotz des Zugewachsenen beträchtlich gekürzt. Weniger herb, aber oft ernst-schön zeigt sich Austins Muse in dem Bande »Love's Widowhood and other poems«. In eine ferne Welt führen uns Sir Alfred Lyalls »Verses written in India«, in die Welt der Eingebornen sowie der Anglo-Indier. Fräulein Mathilde Blind, deutscher Abkunft, die sich längst durch ernste Arbeiten einen geachteten Namen errungen, fand mit ihren Gedichten »The Ascent of man and other poems« beifällige Aufnahme. Algernon Swinburne hat durch eine wider das Zarentum gerichtete Ode den Ingrimm der irischen Agitatoren hervorgerufen, weil er ein Gegner des sogen. Home Rule ist, während jene, die Franzosen nachahmend, die Gunst der Russen für ihre Zwecke zu erreichen streben. Wilfrid Blunt, der Asien bereist und in Ägypten eine Rolle gespielt hat, zog sich durch thätliche Einmischung in einen irischen Spektakel, den die Agitatoren in Szene gesetzt, einige Monate Gefängnis zu, aus dem er einen Sonettenkranz: »In Vinculis«, hervorgehen ließ, dem auch Gegner Beifall zollten. Baring-Gould gab mit Fleetwood Sheppard »Songs of the West« heraus, worunter nur Westengland zu verstehen ist. Catherine Furley Smith hat in »Treble Chords« einen vielversprechenden Erstlingsband veröffentlicht, A. L. Stevenson einen satirischen Band in Versen: »Raimond«, in dem er Byrons »Don Juan« nachahmt. Edmund Gosse gab unter dem Titel: »On viol and flute« eine Auswahl seiner früher veröffentlichten Gedichte, die sehr günstig aufgenommen wurde; ebenso Gerald Massey mit Beifügung von vielem Neuen: »My lyrical life«, ein Leben, das in frühern Jahren größere Aufmerksamkeit erregt hatte. Aus dem Nachlaß des am 24. Dez. 1889 verstorbenen Dichters Charles Mackay, der sich gleichfalls einst eines berühmten Namens erfreut hatte, und von dem manche Lieder noch populär blieben, nachdem das Publikum schon lange des armen Dichters vergessen hatte, gab dessen Sohn »Gossamer and snowdrift« heraus. Noch mehr hatte sich Martin Tupper (gest. 29. Nov. 1889) überlebt, dessen »Proverbial Philosophy« vor einem Vierteljahrhundert wirklich für Poesie angesehen wurde. Aber zwei wahre Dichter schieden in William Allingham (gest. 18. Nov. 1889), dem Verfasser von »Day and night songs«, »Lawrence Bloomfield«, »Songs, ballads and stories« etc., und in Charles Grant, der im Juli 1889 zu Graz in Steiermark ein unruhiges Leben endete. Seine »Studies in verse« enthalten viel des Zarten und Kräftigen, seine Dramen »The charm and the curse«, deren Stoff er der Edda entnahm, sind mit Recht andern, aus derselben Quelle stammenden