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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Englische Litteratur

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Englische Litteratur (Biographie).

»Frankenstein«, der aus dem »Homunculus« hervorgegangen, von Lucy Maddox Rossetti. Damit ist das »Life of Mary Wollstonecraft Shelley« von Frau Julian Marshall zusammenzustellen. Von Roden Noel haben wir ein sympathisches Buch: »Life of Lord Byron«, mit wertvoller Bibliographie von John Anderson. »De Quincey's life and writings, with unpublished letters« ist von A. H. Japp herausgegeben. Frau Roß, Tochter und Enkelin zweier berühmter Schriftstellerinnen, der Lady Duff Gordon und Frau Sarah Austin, die sich viel mit Einführung deutscher Litteratur beschäftigt haben, veröffentlichte »Early days recalled«, worin Guizot, Carlyle, Thackeray, Rogers, Grote, Layard u. a. vorgeführt werden. Sehr anziehend ist der erste Band des »Journal of Sir Walter Scott«, welches bereits Lockhart in seiner bekannten Lebensgeschichte des großen Dichters benutzt, und das nun von Douglas vollständig herausgegeben wird. Von John Addington Symonds sind »Essays, speculative and suggestive« zu verzeichnen, von W. E. Henley: »Views and reviews in appreciation«. Mit Italien hat sich William Vernon beschäftigt in »Readings on the Purgatorio of Dante«, mit Indien Georg Grierson durch das sehr eingehende Werk: »The modern vernacular literature of Hindustan«. Während Garcin de Tassy, der ein langes Leben mit Entzifferung von verworrenen Handschriften und Vorlesungen über Urdu und Hindi verbrachte, nur 70 hindische Schriftsteller aufzählen konnte, hat Grierson das Dasein von nahezu 1000 entdeckt, und diese Zahl begreift noch nicht die große Masse von Liedern und Balladen, die im Volke umgehen, und deren Verfasser unbekannt sind.

Biographie.

Viele der nachfolgend verzeichneten Bücher sind als Teile der oben erwähnten Sammelwerke erschienen. Nur wenige gehen bis zum 17. Jahrhundert zurück, und sie werden zahlreicher in dem Maße, als wir unsern Tagen nahen. Fräul. Bradley beschäftigt sich mit einem bedauernswerten Opfer der herzlosen Familienpolitik Jakobs I., in dem »Life of Lady Arabella Stuart«, in welchem sie bisher ungedruckte Urkunden zu Tage fördert. Reginald Palgrave erörtert von neuem eine Streitfrage, die abgethan schien, in »Oliver Cromwell, an appreciation based on contemporary evidence«. Vom königfreundlichen Standpunkt aus tritt er der wesentlich günstigen Auffassung entgegen, welche durch Carlyle die frühere Verketzerung des großen Staatsmannes abgelöst hat. Dagegen bringt F. Harrison in »Twelve eminent statesmen« ein Leben Cromwells, voll des Lobes. Richard Garnetts »Milton« schließt sich seinem Carlyle und Emerson würdig an. In das 18. Jahrh. treten wir ein mit »Locke« von Professor Fraser, »Peterborough« von William Stebbing, »Lord Clive« von Oberst Wilson, »Dupleix« von Oberst Malleson, der auch einen »Akbar« herausgibt, »Warren Hastings« von Sir Alfred Lyall, einem hochverdienten englischen Staatsmann. Hierher gehören auch die von dem nunmehr verstorbenen Lord Carnarvon veröffentlichten Briefe Chesterfields: »Letters to his god-son and successor«, die sich den schon seit dem vorigen Jahrhundert bekannten, einst übermäßig bewunderten wie übermäßig verlachten Briefen an seinen Sohn anschließen; diese neue Briefsammlung stellt den Verfasser jedenfalls in ein günstigeres Licht; sie gehören einem spätern Lebensalter an.

Wir nähern uns unsern Tagen mit einem merkwürdigen Buche, welches eine bisher ganz unbekannte, lange Jahre dauernde Episode aus dem Leben Wellingtons vorführt: »The letters of the Duke of Wellington to Miss J., 1834/51«. Diese sehr religiös gestimmte Frau hatte sich vorgenommen, die Seele des bereits nicht mehr jungen Soldaten und Staatsmannes zu retten, und drängte sich ihm zu diesem Zwecke auf, indem sie ihm eine zarte Ergebenheit an den Tag legte, die von weiblicher Gefallsucht nicht frei war, und es ist sehr merkwürdig, mit wie großem Langmut der Herzog diese Herzensfreundin bis ganz kurz vor seinem Tode behandelte, da selbst Versuche, dem alten Herrn ein Eheversprechen abzugewinnen, der eifrigen Sorge um sein Seelenheil nicht ganz fremd blieben. Briefe und Tagebuch sind von einem gewissen Herrick herausgegeben; die Urschriften scheint indessen niemand gesehen zu haben. Handelt es sich um eine Erfindung, was doch nicht behauptet wird, so ist sie höchst geschickt. Das »Life of the Marquis of Dalhousie«, Vizekönigs von Indien, ist von Hauptmann Trotter, das des Generals »Havelock« von Archibald Forbes behandelt, der wohl in seinen Kriegsberichten von 1870/71 und 1877/78 glücklicher war. In sehr eingehender Weise hat Spencer Walpole »The life of Lord John Russell« geschrieben; ihm stellte Königin Viktoria drei Manuskriptbände von Briefen zur Verfügung, welche der einst vielgefeierte Staatsmann an sie gerichtet. Lloyd Sanders gab »Lord Melbourne's papers« heraus, dessen Leben auch von Henry Dunckley geschrieben wurde, einem Schriftsteller, der häufig unter dem Namen Verax vor das Publikum getreten ist. Von andern britischen Premierministern sind Lebensschilderungen erschienen: »Beaconsfield« von dem alten J. A. ^[James Anthony] Froude (während der viel jüngere Lord Rowton, dem der sterbende Staatsmann seine Papiere anvertraut hat, mit seiner Arbeit zurückhält); »Palmerston« vom Marquis von Lorne, dem Schwiegersohn der Königin; »Sir Robert Peel« von dem irischen Agitator Justin Mac Carthy; »Gladstone« von G. W. E. Russell. Diese letzten fünf Bücher bilden den Anfang einer Folge, in welcher noch Russell, Aberdeen, Salisbury und Derby demnächst erscheinen werden. Des letztern (Vater des jetzigen Lord Derby) Leben ist auch von J. E. ^[richtig: T. E. für Thomas Edward] Kebbel geschrieben. Das Leben des Lord Althorpe wurde von dem auch auf andern Gebieten rührigen Ernest Myers dargestellt. Von ausländischen Staatsmännern wurde »Gambetta« von Frank Marzials vorgeführt.

Der 1886 verstorbene Mitgründer des englischen Genossenschaftswesens, Lloyd Jones, hat uns in »Robert Owen, his life, times and labours« ein merkwürdiges Zeitbild und mit der Feder eines Bewunderers das Leben eines für das Gemeinwohl begeisterten Mannes geschildert, der die Charakterzüge des Schwärmers mit denen des Geschäftsmannes zu verbinden wußte. »The diaries of Sir Moses and Lady Montefiore« zeigen uns ein freundliches Bild des 1885 verstorbenen jüdischen Philanthropen, der hochgeehrt das 100. Lebensjahr in unermüdlichem Wohlthun überschritt. In »Leaves of a life« erzählt Montagu Williams, erst Soldat, dann sehr rühriger Rechtsanwalt, endlich Richter, seine eigne Laufbahn, mit vielen interessanten Mitteilungen aus der Verbrecherwelt.

Moncure Conway, ein Amerikaner, der den größten Teil seines thätigen Lebens in England verbracht hat, gibt uns in »Hawthorne« das Bild eines Landsmannes, das günstiger für den Schilderer als