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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Erdkunde; Erdmann; Erdöl; Ergostat; Erinnerung

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Erdkunde - Erinnerung.

vorgezogen, das wesentlich auf dem Studium der Lotabweichungen beruht. Hat man ein bestimmtes Referenzellipsoid zu Grunde gelegt, so kann man ganz allein durch geodätische Operationen für jeden Punkt die Lotrichtung bestimmen. Stimmt dieselbe mit der astronomisch beobachteten wirklichen überein, so herrscht an dem betreffenden Punkte keine Lotabweichung, die Krümmung der Erdoberfläche ist dieselbe wie die des Referenzellipsoids. Die Differenz zwischen der astronomisch bestimmten und geodätisch ermittelten ergibt die Lotabweichung. Man zerlegt die Lotabweichung in solche nach der Breite und solche nach der Lange. Ist die Lotabweichung nach der Breite positiv, so zeigt dies im allgemeinen ein Ansteigen der Geoidfläche im Vergleich mit dem Referenzellipsoid nach S. zu an, ein negativer Wert ergibt ein Ansteigen nach N. Ein ähnliches Verhalten, nur nach O. und W., kann man aus den Lotabweichungen nach der Länge schließen. Aus der nach solcher Methode angestellten Untersuchung haben sich folgende Resultate ergeben: lokale Abweichungen treten auch in ebenen Gegenden häufig auf, sowohl in Europa als in Amerika. Nicht nur an Gebirgen und Meeresküsten zeigen sich systematische Lotabweichungen, sondern es treten auch in ebenen Regionen Gruppen von Lotabweichungen mit gleichem Vorzeichen auf, die man als regionale Lotabweichungen bezeichnen kann. Eine solche regionale und zwar positive Lotabweichung besteht in Deutschland zwischen dem 51. und 53. Parallel. Nicht minder bemerkenswert ist, daß nördlich von den Alpen München, südlich Nizza und Genua Lotabweichungen von absolut kleinerm Betrag zeigen, als nach der äußern Figur der E. zu erwarten ist. Ebenso liegen die Verhältnisse bei den Apenninen. Diese Anomalien deuten auf ausgedehnte unterirdische Anomalien der Massenlagerung, deren Sitz aber eher im Festland als im Meeresboden zu suchen ist. Vgl. S. Günther, Mathematische Geographie (Stuttg. 1890).

Erdkunde, s. Geographische Litteratur.

Erdmann, Gustav Adolf, Schriftsteller, geb. 16. Juli 1859 zu Ahrenshagen bei Stralsund, besuchte das Gymnasium zu Wittenberg, dann 1878 bis 1881 das Seminar zu Halberstadt und wurde im Herbst 1881 Lehrer an dem königlichen Militärknabenerziehungsinstitut zu Schloß Annaburg, wo er seitdem eine rege schriftstellerische Thätigkeit entfaltete. Er schrieb außer zahlreichen Aufsätzen (einige unter dem Pseudonym Gustav Lehrer) in deutschen und amerikanischen Zeitschriften: »Geschichte des Militärknabenerziehungsinstituts zu Schloß Annaburg« (Wittenb. 1883); »Holda, ein Elfentraum in neun Gesängen« (Wien 1886); »Ratsversammlung der Asen in Walhalla« (Wittenb. 1886); »Geschichte der Entwickelung und Methodik der biologischen Naturwissenschaften« (Kassel 1887); »Deutschlands Weihnachtsbitte für seinen Kronprinzen« (Berl. 1887); »Die Lutherfestspiele, litterarhistorisch-kritische Studien« (das. 1888); »Populäre Abhandlungen über Erziehung und Unterricht« (Gotha 1890); »Darwin und sein Einfluß auf die Methode des Unterrichts in den biologischen Naturwissenschaften« (das. 1891); »Sempach, ein Schweizer Epos« (1891).

Erdöl. Bei Erdölbohrlöchern macht sich oft schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit eine bedeutende Abnahme des Ölzuflusses bemerkbar, so daß die Ergiebigkeit des Bohrloches stark beeinträchtigt wird. Diese Abnahme soll nach O. Terp in Breslau durchaus nicht auf dem Versiegen des Erdölvorrats an jener Stelle beruhen, wie man bisher annahm, sondern soll durch Paraffinbildung an den Zuflußöffnungen und Verstopfung der Gesteinsklüfte herbeigeführt werden. Den Vorgang hierbei hat man sich nach Terp etwa folgendermaßen zu denken: Wenn in einem Bohrloch das ölführende Gestein (gewöhnlich poröser Sandstein) angebohrt wird, so bildet sich in demselben Augenblick eine ganz dünne Paraffinerstarrungskruste auf der Sohle und an den Wänden des Bohrloches infolge des Zutritts von Kälte und Feuchtigkeit. Diese Paraffinkruste wird bei jedesmaligem Abpumpen des Öles, bez. Leerpumpen des Bohrloches um ein ganz Geringes dicker, mit der Zeit aber so dick, daß der Ölzufluß zum Bohrloch durch die zähe Substanz gehemmt wird. Dazu kommt, daß das nach dem Bohrloch hinfließende Öl stets ganz feine Sandkörner und Gesteinspartikelchen mitführt, welche an der Außenseite der Paraffinschicht haften bleiben und so die Undurchlässigkeit verstärken. Schließlich fallen wohl auch von oben Gesteinsstücke in das Bohrloch, und das Tagewasser setzt losgespülte Thonteile u. dgl. auf der Sohle ab, so daß mit der Zeit eine vollständige Verschlammung und Verstopfung der ölführenden Klüfte eintritt. Daß ein solcher Vorgang wirklich stattfindet, scheint daraus hervorzugehen, daß ein Tieferbohren ins ölführende Gestein um nur 0,5-1 m oft die geschwundene Produktivität eines Bohrloches wieder herstellt. Auch gibt ein Bohrloch, welches man in der Mitte dreier in einem Dreieck von etwa 30 m Seitenlänge stehender, versiegter Bohrlöcher niederbringt, wieder Öl. Terp will zur Beseitigung des genannten Übelstandes der Bildung einer Paraffinkruste in einem neuen Bohrloch durch Erwärmung desselben vorbeugen und eine schon vorhandene Kruste durch Ausbürsten entfernen. Zu ersterm Zwecke führt er zwischen Ölpumpe und Bohrlochwandung ein Rohr in das Bohrloch, welches im untern ölführenden Teile des Bohrloches zu einer Heizschlange ausgebildet ist und dann wieder emporsteigt. Durch dieses Rohr wird überhitzter Dampf oder heißes Wasser geleitet. Das Ausbürsten soll mittels einer runden Drahtbürste geschehen, welche an einem Bohrgestänge hinabgelassen wird. - Über Entstehung des Erdöls etc. vgl. Naturforscherversammlung.

Ergostat (griech.), Apparat zur Dosierung der Muskelarbeit, eine mit Hilfe einer Kurbel zu drehende Eisenscheibe, die mehr oder minder stark gebremst werden kann, so daß es möglich wird, die zur Drehung erforderliche Kraft beliebig zu erhöhen oder zu verringern. Das Ende des Bremsbandes, welches die Scheibe mit den Bremsklötzen umspannt, ist an einem Hebel befestigt, und auf diesem wird ein Laufgewicht verschoben, so daß das Band je nach Bedarf stärker oder schwächer angespannt wird. Am Hebel sind Zahlen angebracht, welche angeben, wieviel Kilogrammeter bei einer Umdrehung geleistet werden. Die Anzahl der Umdrehungen wird von einem Tourenzähler automatisch gezählt. Man benutzt den von Gärtner in Wien konstruierten Apparat bei Krankheiten, bei welchen Muskelarbeit erforderlich ist, namentlich bei Fettsucht, auch eignet er sich für physiologische Zwecke.

Erinnerung, in der Sprache der wissenschaftlichen Psychologie nicht die Thatsache, daß in unserm Seelenleben frühere Vorstellungen wieder auftauchen (Gedächtnis, s. d.), sondern der Vorgang, bei dem die reproduzierten Vorstellungen von Vorstellungen der für jene charakteristischen Nebenumstände begleitet sind. Taucht eine bestimmte Farbennüance in mir auf, so ist das Gedächtnis, sehe ich dabei innerlich die Form des Kleides u. dgl., an dem mir die Farbe das erste