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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Eugen; Euphorine; Evangelischer Bund; Evans; Exerzierreglement; Exner; Expansionsdorn; Explosivstoffe

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Eugen - Explosivstoffe.

Eugen, 5) Franz E., Prinz von Savoyen. Das Quellenwerk »Feldzüge des Prinzen E. von Savoyen« wurde bis zum 14. Bande (Feldzug 1712) fortgesetzt. Vgl. auch Malleson, Prince Eugene of Savoy (Lond. 1888), und Stein, Deutsche Geschichts- und Lebensbilder, Bd. 3: »Prinz Eugenius« (Halle 1887, Volksschrift).

Euphorine, s. Phenylurethan.

Evangelischer Bund. Der Bund gliedert sich gegenwärtig (Anfang 1891) in die nachstehend verzeichneten 35 Hauptvereine, die 522 Zweig- und Ortsvereine mit zusammen 76,000 Mitgliedern umfassen:

1) Anhalt

2) Baden

3) Südbayern

4) Nordbayern

5) Rheinpfalz

6) Braunschweig

7) Bremen

8) Elsaß

9) Lothringen

10) Hamburg

11) Großh. Hessen

12) Lübeck

13) Oldenburg

14) Brandenburg

15) Hannover

16) Regbez. Kassel

17) Nassau

18) Ostpreußen

19) Pommern

20) Rheinprovinz

21) Prov. Sachsen

22) Schlesien

23) Westfalen

24) Westpreußen

25) Jadegebiet

26) Reuß j. L.

27) Königr. Sachsen

28) S.-Altenburg

29) S.-Koburg

30) S.-Gotha

31) S.-Meiningen

32) S.-Weimar

33) Schwarzburg-Sondershausen

34) Waldeck

35) Württemberg

Die stärksten dieser Hauptvereine sind die der Rheinprovinz mit 16,986, der Provinz Sachsen mit 7693, Württembergs mit 6802, Badens mit 5200, des Herzogtums Sachsen-Koburg mit 5090, der Provinz Hessen-Nassau mit 4806 und des Königreichs Bayern mit 4488 Mitgliedern. Im Königreich Preußen finden sich allein über 40,000 Mitglieder. Die bedeutendsten Zweigvereine sind Augsburg mit 1800, Remscheid mit 1500, Berlin mit 1005, Erfurt mit 1000, Bochum mit 700 und Koburg mit 628 Mitgliedern.

Evans, Thomas, Zahnarzt, geb. 23. Dez. 1823 zu Philadelphia, widmete sich seit 1841 der Zahnheilkunde und erwarb sich sehr bald den Ruf eines der geschicktesten Zahnärzte. 1848 ging er nach Paris, wo es ihm gelang, die Gunst Napoleons III. und dadurch auch die Kundschaft mehrerer Fürsten zu erlangen. Er machte sich um das Kriegssanitätswesen verdient und rüstete 1870 ein amerikanisches freiwilliges Sanitätskorps aus, welches der französischen Armee ins Feld folgte. Später verhalf er der Kaiserin Eugenie zur Flucht aus Paris. Er schrieb: »La commission sanitaire des États-Unis, etc.« (Par. 1865); »Les institutions sanitaires pendant le conflit austro-prussien-italien« (das. 1867), auch gibt er in Paris eine Wochenschrift: »The American Register«, seit 1887 ein täglich erscheinendes Blatt in englischer Sprache heraus und veröffentlichte noch: »The memoirs of H. Heine« (Lond. 1884).

Exerzierreglement. Ende 1889 erschien eine neue Ausgabe des Exerzierreglements für die Infanterie, welche einige durch die Einführung des kleinkalibrigen Gewehrs M/88 und die Schießvorschrift vom 21. Nov. 1889 bedingte Neuerungen enthält. Die Fußartillerie hat unterm 14. März 1889 (Bayern 23. Juni) ein neues E. erhalten, durch welches das Signalhorn für die Infanterie an Stelle der Signaltrompete eingeführt wurde. Die Spielleute der Fußartillerie haben damit die Bezeichnung Signalhornisten erhalten.

Exner, Siegmund, Physiolog, geb. 5. April 1846 zu Wien, studierte daselbst und in Heidelberg Medizin, beschäftigte sich hauptsächlich mit Physiologie und wurde 1870 Assistent bei Brücke in Wien. Hier habilitierte er sich auch als Privatdozent und wurde 1874 zum außerordentlichen Professor ernannt. E. lieferte zahlreiche Untersuchungen über die Physiologie der Sinnesorgane, der Nervenzentren etc. Zweimal erhielt er von der Akademie der Wissenschaften in Wien den Liebenschen Preis, 1874 für seine Untersuchungen über die einfachsten psychischen Prozesse, 1889 für die dioptrischen Untersuchungen am Insektenauge. Er schrieb: »Untersuchungen über die Lokalisation der Funktionen in der Großhirnrinde des Menschen« (Wien 1881).

Expansionsdorn, s. Werkzeuge.

Explosivstoffe. Die Anwendung der E. für Zwecke des Krieges und der Industrie beruht auf der plötzlichen Erzeugung eines beträchtlichen Gasvolumens in einem allseitig geschlossenen Raume, der zu klein ist, dasselbe unter dem Atmosphärendruck eingeschlossen zu halten. Infolge hiervon entsteht in sehr kurzer Zeit eine mehr oder weniger große Expansivkraft, die fähig ist, Geschosse zu schleudern oder die Wandungen der Gefäße zu zerreißen, in denen die Gase eingeschlossen sind. Die plötzliche Ausdehnung der Gase zu einem viel größern Volumen als das ursprüngliche, welche außerdem von lautem Geräusch und heftigen mechanischen Wirkungen begleitet ist, bildet die Explosion. Erreicht dieselbe den höchsten Grad der Geschwindigkeit, so wird sie Detonation genannt.

Die mechanischen Wirkungen hängen von der Art der Explosion ab und von der Ausdehnung, die sie bewirkt. Ein Teil der lebendigen Kraft, welche den Gasmolekülen innewohnt, teilt sich teils den Geschossen, teils den zertrümmerten Wandungen der Umhüllung und den in der Nähe befindlichen Körpern mit, die erschüttert, niedergeworfen, aus den Fugen gebracht und zerrissen nach allen Richtungen hin geschleudert werden. Diese Resultate können entweder durch die einfache Ausdehnung eines vorher komprimierten Gases oder eines aus einer überhitzten Flüssigkeit erzeugten Dampfes hervorgebracht werden, oder besser durch eine chemische Reaktion, die plötzlich in einem festen, flüssigen oder gasförmigen Körper ein großes Gasvolumen und eine Temperaturerhöhung erzeugt. Nur diese letztere Methode wird in der Praxis verwertet, weil bei ihr die erzielten Wirkungen für eine bestimmte Menge des wirksamen Körpers viel heftigere sind, und weil man keiner Hilfsapparate bedarf, um die Gase vorher zu komprimieren oder die Flüssigkeit zu erhitzen, die man in Dampf verwandeln will, Weder die Windbüchse, noch die Dampfkanone haben jemals wirklich praktische Verwendung gefunden. Ausschließlich die chemischen Reaktionen sind es, deren man sich bedient, um Explosivwirkungen hervorzurufen, und zwar beschränkt man sich auf solche, bei denen freier Sauerstoff und verbrennliche Substanzen zur Wirkung gelangen. Den Sauerstoff liefert gewöhnlich das Kaliumnitrat (Salpeter) oder das Kaliumchlorat, während Salpetersäure, da dieselbe eine Flüssigkeit ist, nur ausnahmsweise Verwendung findet. Man mengt daher die oxydierende Verbindung mit einer gewöhnlich ebenfalls festen, verbrennlichen Substanz, wie Schwefel, verschiedene Sulfide, Phosphor, Kohle, Zucker, Kohlenwasserstoffe u. a. m.

Die explosiven Gemische sind aber mehr und mehr durch chemische Verbindungen ersetzt worden, die sowohl den oxydierenden als verbrennlichen Körper enthalten, und die sämtlich durch Einwirkung von Salpetersäure auf organische Körper entstehen, demnach sämtlich Stickstoff enthalten, wie z. B. das Nitroglycerin, die Schießbaumwolle, das Knallquecksilber, das Kaliumpikrat. Auch stickstofffreie Körper, wie der Perchlorsäureäther und das Silberoxalat, können verwendet werden. Ja man hat selbst sauerstofffreie Kör-^[folgende Seite]