Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Geographische Forschungsreisen

338

Geographische Forschungsreisen (Asien).

Pässe zwischen Kaschmir und Chinesisch-Turkistan zu erforschen. Er besuchte das Schimsalthal nordwestlich vom Mustagpaß, ging auf einem neuen Wege nach Hunza, traf auf dem Taghdumbasch-Pamir mit Grombtschewski (s. oben) zusammen und stieg über den Kandscherabpaß nach Kundschut und Gilgit. Seine zweite Reise in dieselben Gegenden unternahm 1889 der Franzose Dauvergne, der Leiter einer Teppichfabrik in Kaschmir. Über den Karakorumpaß erreichte er Kilian in Chinesisch-Turkistan und stieg von da zum Pamirhochland hinauf, indem er bis zum Thal des Serafschan oder obern Jarkand-Darja nicht weniger als zwölf Pässe von 3600-4500 m Höhe zu überschreiten hatte. Dann erforschte er das Thal des Tung, eines Zuflusses des Serafschan, in welchem er arische Bevölkerung antraf, gelangte nach Taschkurgan und zu den aus drei großen Gletschern entspringenden Quellen des Oxus und entkam glücklich den Nachstellungen der Afghanen, indem er unter schweren Mühsalen den Hindukusch mit seinen Gletschern und Schneemassen überschritt; in Gilgit erreichte er wieder britisches Schutzgebiet. Bonvalot und Prinz Heinrich von Orléans waren im September 1889 von Kuldscha aufgebrochen; sie überschritten den Tiënschan, berührten den Lob-Nor, kreuzten das Altyntaggebirge und den Tschamen-Tagh auf einem andern Wege als vor ihnen Prschewalskij und Carey und drangen in Tibet ein. Gerade südlich durch ganz vegetationslose und menschenleere Einöden maschierend, erreichten sie den Tengri-Nor, zogen dicht bei Lhassa vorüber und gingen über Tatsiënlu und durch Jünnan nach Tongking. Es war die erste Durchkreuzung Tibets und ganz Asiens von NW. nach SO. Betreffs der Reise des Amerikaners Rockhill 1889-90 (vgl. Bd. 17, S. 58) ist nachzutragen, daß derselbe vom Kuku-Nor und der Sumpflandschaft Tsaidam her in tibetischer Verkleidung Lhassa zu erreichen suchte. Als ihn aber das Gerücht erreichte, daß eine russische Expedition in Lhassa eingetroffen sei, gab er seinen Plan auf und reiste bei den Quellseen des Hoangho vorbei durch das östliche Tibet nach dem Dretschu, dem Oberlauf des Jangtsekiang, den er vor Dschje-kundo (Kegudo) überschritt. Der Versuch, Tsiamdo zu erreichen, scheiterte an der feindseligen Haltung der tibetischen Lamas, so daß er der geraden, von zahlreichen Theekarawanen belebten Straße nach Tatsiënlu folgte, welche zum Teil 1879-82 schon der indische Pandit A-K- mit großer Genauigkeit aufgenommen hatte. Einen Fehlschlag kann man diese Reise Rockhills um so weniger nennen, als er in sprachlicher Hinsicht viel Neues und Richtigeres als der Pandit ermittelt hat.

[China, Korea und Japan.] Weder aus China noch aus Japan ist diesmal von einer bedeutendern Reise zu berichten, dagegen von einigen Unternehmungen in Korea. Der durch seine afrikanischen Reisen bekannte Chaillé-Long besuchte 1888 vom Hafen Pelto aus die nahe Hauptstadt der Insel Quelpart, Tjyonsong oder Tjiei-tjyu, wo er indessen nur eine Nacht verweilen und mit Mühe einige Photographien aufnehmen durfte. Im Auftrag des französischen Unterrichtsministers bereiste Charles Varat Korea, um ethnographische Studien zu machen und zu sammeln. Nachdem er das nördliche Japan und China besucht hatte, ging er nach der koreanischen Hauptstadt Seul und von da nach Fusan im S., weiter nach Sibirien, China, Tongking, Anam, Siam und Indien. Ein russischer Generalstabsoffizier, Webel, reiste 1889 von der russisch-koreanischen Grenze südwärts an der Ostküste entlang bis Gensan, dann zur Westküste hinüber und weiter bis Sëul, stets mit topographischen Aufnahmen beschäftigt. Auf der durchreiste Strecke machten sowohl Land als Volk auf ihn einen trübseligen Eindruck; ersteres ist waldlos und von steinigen Bergketten erfüllt, das Volk zwar zahlreich, aber arm und ohne Industrie; das Handwerk wenig mannigfaltig, Viehzucht nur im N. vertreten. Noch in die Jahre 1885 und 1886 fällt die Reise des russischen Kaufmanns Delotkewitsch, welcher besonders über die Handels- und die gewerblichen Verhältnisse Koreas berichtet hat.

[Hinterindien.] Etwas hoffnungsreicher hat sich die Frage betreffs der Schiffbarkeit des Songka oder Roten Flusses in Tongking gestaltet: am 21. Juli 1889 ist es dem ersten, besonders zu diesem Zweck erbauten Dampfer gelungen, den Songka bis Laokai an der chinesischen Grenze zu befahren und dabei die für unpassierbar gehaltenen Schnellen von Tankwan zu überwinden. Doch sind noch mancherlei Felssprengungen erforderlich, ehe ein regelmäßiger Verkehr zwischen dem Delta und der chinesischen Grenze möglich sein wird. Auch die Versuche, den Mekhong zu erschließen, werden fortgesetzt: im August und September 1889 gelang es Leutnant Heurtel wiederholt, mit kleinen Dampfern die Stromschnellen von Prea-Pratang zu forcieren; er glaubt, dadurch Laos dem europäischen Handel geöffnet zu haben. Im Frühjahr 1890 ist C. W. Rosset von einer dreijährigen ethnographischen Sammelreise in Hinterindien nach Berlin zurückgekehrt und hat namentlich aus dem zuerst durchwanderten Mekhonggebiet reiche Schätze heimgebracht. 1888 und 1889 wandte er sich dann dem Donnai im südlichen Anam und seinen Moi-Anwohnern zu und kehrte 1889-90 nochmals an den obern Mekhong zurück, wo er die ethnologischen Verhältnisse auf beiden Ufern des Stromes auf weite Strecken hin feststellte. Taupin reiste 1887-88 von Angkor zu Lande durch das Siam tributpflichtige Laos bis zum Flusse Mun und machte dann von Ubon aus eine Reihe von Vorstoßen nach N. Eine britische Kommission unter Ney Elias hat die nördliche Grenze von Siam im Gebiet der Schanstämme aufgenommen, während anderseits die französische Regierung eine Kommission unter A. Pavie ernannt hat, um die siamesische Grenze gegen Tongking und Anam festzustellen. Pavie ist im April 1890 von Hanoi in Tongking nach Luang Prabang am obern Mekhong aufgebrochen und hat dabei den ganzen Schwarzen Fluß, den bedeutendsten Zufluß des Songka, erforscht. In Birma nehmen die Aufnahmen der Engländer ihren regelmäßigen Fortgang; so arbeitet Kapitän H. M. Jackson in den südlichen Schanstaaten, wo er bereits seit 1887 thätig ist, und gelangte mit einer militärischen Expedition an den Salwen, während in den nördlichen Schanstaaten der Feldmesser Faida Ali seine Vermessungen bis an den Salwen ausdehnte. 1889 unternahmen die Engländer von Tschittagong aus eine Expedition gegen die Luschai im nordwestlichen Birma, welche in geographischer und ethnographischer Hinsicht große Resultate gehabt hat; namentlich wurde der Oberlauf des Koladyneflusses festgelegt und ein Areal von 5000 engl. QMeilen aufgenommen. Von großem Interesse sind die Nachrichten über die dortigen, zum Teil sehr unzivilisierten und barbarischen Gebirgsstämme der Tschin, Jindu, Tschinbon, Weltschung und Tschinbok, welche Leutnant Rainey gesammelt hat. Ende 1889 ging dann zugleich von W. und von O. die sogen. Tschin-Luschai-Expedition vor, welche zu einer genauern und systematischern Erforschung des wilden Berglandes zwi-^[folgende Seite]