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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Geoïd; Geologische Gesellschaft

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Geoïd - Geologische Gesellschaft.

knüpfte er an seine Reisen die Herausgabe eines Sammelwerks: »Studien und Forschungen« (Leipz. 1885), das sich vorwiegend mit physikalisch-geographischen und organismen-geographischen Gegenständen aus den Polargebieten beschäftigt. Endlich sind noch zu registrieren: der Bericht von G. Holm und Garde über die ostgrönländische Expedition 1883-1885 (Kopenh. 1888-89); Krahmer, »Über die Sunde, welche Grönland durchschneiden sollen« (Halle 1885); B. v. Engelhardt, »Ferdinand v. Wrangel und seine Reise längs der Nordküste von Sibirien« (Leipz. 1885); A. R. Carstensen, »Two summers in Greenland« (Lond. 1890); und Frithjof Nansens Bericht über seine ruhmreiche Wanderung quer über das grönländische Inlandeis, der unter dem Titel: »Auf Schneeschuhen durch Grönland« auch in deutscher Ausgabe (Hamb. 1890) erscheint. Die Probleme einer neuen großen Südpolunternehmung, welche von A. E. Nordenskjöld sowie von den geographischen Gesellschaften Australiens geplant wird, diskutieren H. Reiter, »Die Südpolarfrage« (Weim. 1886), und W. de Fonvielle, »Le pôle sud« (Par. 1888).

Geoïd, s. Erde, S. 254.

Geologische Gesellschaft. Die allgemeine Versammlung der Deutschen geologischen Gesellschaft tagte vom 11.-13. Aug. 1890 in Freiburg i. Br. Die erste. Sitzung eröffnete Professor Steinmann mit einem Überblick über die ausgeführten und noch auszuführenden Ausflüge und gedachte der Verluste, welche die Geologie durch den Tod von Quenstedt, Neumayr, Hébert und Weiß erlitten hat. Nachdem Professor Beyrich - Berlin zum Vorsitzenden erwählt worden war und nach den üblichen Begrüßungsreden sprach Professor Platz - Karlsruhe über die alten Gletscher des Schwarzwaldes. Die tief herabgehende, lange bekannte Vergletscherung der Alpen zur Diluvialzeit ließ darauf schließen, daß auch die niedrigern Gebirge Süddeutschlands und der Schweiz, der Jura, der Schwarzwald und die Vogesen, vergletschert waren. Sehr bald nach der Aufstellung der Glazialhypothese suchte man auch schon nach Gletscherspuren im Schwarzwald, und Agassiz glaubte, solche bei Geroldsau gefunden zu haben. Im Gegensatz dazu kam in den 40er Jahren der Freiburger Geolog Fromherz zu der Überzeugung, daß es im Schwarzwald nie Gletscher gegeben habe. Er hatte die Alpen besucht und den sehr großen Unterschied erkannt, der zwischen den Gletscherbildungen der Alpen und den dafür gehaltenen Erscheinungen des Schwarzwaldes besteht. Erst die Untersuchung der zwischen beiden Gebirgen gelegenen Gebiete lieferte allmählich die Übergänge von den vegetationslosen Moränen der Alpen mit ihren eckigen Fragmenten zu den waldbedeckten, aus abgerundeten Blöcken bestehenden gleichen Bildungen im Schwarzwald. Im letztern ist das niedere Land durch enge, tief eingeschnittene Thäler, wie das Höllenthal, mit flachen, schuttbedeckten Hochthälern verbunden. Die glazialen Ablagerungen sind teils Bodenausfüllungen in den Thälern, teils Hügel in denselben und an den Gehängen, teils einzelne Blöcke, die sich stellenweise zu richtigen Packungen haufen, teils auch Gebilde, die mit den als Grundmoränen aufgefaßten Geschiebelehmen Norddeutschlands auf das genaueste übereinstimmen. Überall im südlichen Schwarzwald findet man darin gekritzte und abgeschliffene Geschiebe, von denen besonders die neuern Eisenbahnbauten sehr viele geliefert haben. Alle diese diluvialen Bildungen haben als Gemeinsames den Mangel jeglicher Schichtung; nur wenn sie später durch Flüsse nochmals umgelagert sind, erlangen sie dieselbe. Der Vortragende sprach nun spezieller über das hinter dem Höllenthal gelegene Hochthal von Hinterzarten, durch welches die Wasserscheide zwischen Dreisam und Wutach verläuft. Aus der Verbreitung gewisser Gesteine in den Moränen ergab sich, daß der alte Wutachgletscher sich teilte, mit seinem einen Arme die heutige Wasserscheide überschritt und im Dreisamthal sich weiter bewegte. Typische Endmoränen, die quer über das Thal hinweggehen, liegen im Manzenschwander Thale unter dem Feldberg. Geschliffene Felsflächen sind unter den Moränen im Schwarzwald ungemein selten, vermutlich wegen der außerordentlichen Zersetzbarkeit der Gesteine.

Professor Zittel - München sprach hierauf über den Stand unsrer Kenntnis der Glazialerscheinungen in den Alpen und deren Vorland. Während dieselbe in den Schweizer und Bayrischen Alpen bereits eine recht gute ist, ist sie sehr lückenhaft in Bezug auf die Vergletscherung der österreichischen Alpen, von denen bislang nur zwei Thäler, Enns und Salzach, eine monographische Bearbeitung erfahren haben. Davon ausgehend, setzte die Abteilung Breslau des deutsch-österreichischen Alpenvereins einen Preis für eine Untersuchung der Vergletscherung der Österreichischen Alpen aus. Die eingegangene Arbeit gibt genaue Nachweise über die Ausdehnung der Vergletscherung, die Lage der diluvialen Schneegrenze und die Art, wie die Vergletscherung in den verschiedenen Gebieten stattgefunden hat. Sehr wichtig ist die Thatsache, daß die Vergletscherung um so schwächer ist, je weiter man nach O. kommt. Die ganzen Ostthäler waren nur mit schwachen Gletschern erfüllt, die selten mit ihrem Fuße die Ebene erreichten, vielmehr weit zurückliegende Endmoränen haben. Auch ist die Menge der hinterlassend Schuttmassen viel geringer als im N. Auch die Südalpen, das Piava-, Etsch- und Brentathal sind, allerdings nur kursorisch, untersucht worden, wobei sich herausstellte, daß auch in der österreichischen Lombardei eine Anzahl Gletscher niederging, welche in derselben gewaltige amphitheatralische Endmoränen ablagerten. Die alte Streitfrage, ob die lombardischen Gletscher schon in das Pliocänmeer mündeten, scheint endgültig in dem Sinne entschieden zu sein, daß dies nicht der Fall war.

Professor Steinmann wies darauf hin, daß die Vergletscherung im westlichen Schwarzwald viel weiter herunterreichte, als man bisher annahm. Man hat echte Schwarzwaldmoränen nur wenige Meter höher als die Rheinebene angetroffen, so am Ausgang des Wasathals. Auch südlich von Freiburg bis Staufen hin ist die Ebene allenthalben mit einer Grundmoräne überkleidet, und ebenso finden sich unterhalb Badenweiler echte, bis 5 m mächtige Moränen. Vermutlich reichten die Gletscher sogar noch tiefer in die uns unbekannten Tiefen des Rheinthals hinein und hatten an der Ausfüllung desselben einen wesentlichen Anteil. Auch in den Vogesen sind die Gletscherablagerungen im W. bedeutend stärker als im O., so daß wir für die räumliche Intensität der Vergletscherung in allen drei Gebirgen genau das Gleiche beobachten.

Professor Jentzsch - Königsberg sprach über ein neues Vorkommen von Interglazialablagerungen in Westpreußen. In den so außerordentlich mächtig entwickelten Diluvialbildungen Norddeutschlands finden sich in Ost- und Westpreußen zwischen den glazialen marine Ablagerungen, deren Fauna auf ein Meer von gemäßigter, nicht arktischer Temperatur