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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gipsdielen; Gipsdrahtbau; Girard; Girardi

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Gipsdielen - Girardi.

Gipsdielen (Hartgipsdielen, nach ihrem Erfinder auch Macksche Dielen genannt), vierseitig prismatische Dielen aus abwechselnden Lagen von Rohrstengeln und Gipsbrei, der mit Leimwasser angerührt und mit Kork, Haaren u. dgl. vermengt wird. Die G. haben seit einigen Jahren zu mancherlei Bauzwecken Verwendung gefunden. Man benutzt sie zur Herstellung von Zwischendecken zwischen Eisenträgern, wobei Holzfußboden unmittelbar auf die G. genagelt oder geschraubt wird, und der Deckenputz ohne Schalung an ihnen angebracht werden kann; ferner dienen sie, hochkantig wie lange Wölbsteine nebeneinander gestellt, zur Bildung von Kappen- und Tonnengewölben, z. B. bei Baulichkeiten, welche einer Explosionsgefahr leicht ausgesetzt sind, vor allen Dingen aber zu leichten, unverbrennlichen und den Schall nur wenig durchlassenden Wänden. Die G. haben gewöhnlich 1,5 m Länge, 0,20-0,25 m Breite und verschiedene Dicke. Ihr Gewicht beträgt für 1 qm und 1 cm Stärke 6-7 kg. Der bessern Haltbarkeit wegen werden die schwächsten Sorten mit einer einseitigen Bekleidung von Asphaltpappe versehen.

Gipsdrahtbau (Rabitzbau), Bauweise in Gips mit Einlage von Eisendrahtgeweben oder -Gespinsten als Träger der Gipsmörtelmasse. Ihre Anfänge reichen in die 40er Jahre dieses Jahrhunderts zurück und lassen sich namentlich in England verfolgen. Doch ist sie erst im Anfang der 70er Jahre durch den Maurermeister Rabitz in Berlin und andre wieder aufgenommen und verbessert worden und hat seitdem weite Verbreitung insbesondere dadurch gesunden, daß sie als sehr feuerbeständig erprobt worden ist. Man benutzt sie zur Ausführung feuersicherer und gleichzeitig einer besondern Unterstützung nicht bedürftiger Wände sowie feuersicherer Putzdecken, Ziergewölbe, Vouten und Gesimse. Auch Ummantelungen eiserner Säulen, Träger, Unterzüge etc. werden neuerdings vielfach in G. ausgeführt, nachdem man erkannt hat, wie wenig das Eisen ohne derartigen Schutz den Ansprüchen der Feuersicherheit genügt. Die Ausführung erfolgt derart, daß ausgespannte, entsprechend befestigte und versteifte Drahtgewebe oder -Gespinste von etwa 4 cm Maschenweite mit Gipsbrei, dem etwas Kalkmörtel, Leimwasser und Kälberhaare zugesetzt sind, ausgedrückt und dann mit der gleichen Masse, nur unter Fortlassung der Haare, glatt überputzt werden. Die Wände werden einfach, in 5 cm Stärke, oder doppelt in einer Dicke von je 3 cm mit zwischenliegender 5 cm breiter Luftschicht hergestellt und bilden in letzter Gestalt auch guten Schutz gegen das Durchhören und Temperaturausgleichungen.

Girard, Stephen, Philanthrop, geb. 24. Mai 1750 in der Nähe von Bordeaux als Sohn eines Schiffskapitäns, wandte sich in jungen Jahren nach Amerika und erwarb sich als Seefahrer und Kaufmann im Anfang dieses Jahrhunderts ein bedeutendes Vermögen in New Orleans, hauptsächlich aber in Philadelphia, wo er 26. Dez. 1831 starb. Als Privatmann zeitlebens die Rauheit und Bedürfnislosigkeit eines alten Seemanns zeigend, dabei im kleinen knauserig bis zur Hartherzigkeit, war er in öffentlichen Angelegenheiten von einer beispiellosen Freigebigkeit. Diese kam namentlich der Stadt Philadelphia schon bei seinen Lebzeiten, noch mehr aber durch sein Vermächtnis zu gute. Den größten Teil seines ca. 40 Mill. Mk. betragenden Nachlasses bestimmte er für Errichtung des seinen Namen tragenden Girard-College, eins der bedeutendsten und mustergültigsten Erziehungshäuser der Welt. Ein 40 Acres großes ihm gehöriges Grundstück im nordwestlichen Teile Philadelphias bestimmte er für die nötigen Bauten. Dieselben wurden 1834 begonnen, und 1847 konnte die Anstalt bereits 300 Zöglinge aufnehmen, deren Zahl im J. 1890 bis auf 1600 gewachsen ist. Die Kosten dieses Baues, welcher vier in Marmor u. Eisen ohne jedes Holzmaterial hergestellte große Wohnhäuser, das im Stile der Akropolis aufgeführte Unterrichtsgebäude und die 10 Fuß hohe Granitmauer rings um das gewaltige Grundstück in sich schloß, betrugen nahe an 3 Mill. Doll. Nach Bestimmung Girards dürfen die Zinsen des übriggebliebenen Kapitals von 7 Mill. Doll. nicht aufgehäuft werden, sondern müssen stets jährlich zu Neubauten und Verbesserungen Verwendung finden. Dadurch sind nunmehr noch vier neue Prachtgebäude und ein großer Kirchenbau zur Ausführung gekommen und die Zahl der Zöglinge, welche den besten Unterricht genießen, auf 1600 erhöht. Waisenkinder aus Philadelphia in erster Reihe, dann solche aus dem Staate Pennsylvanien und schließlich solche aus New Orleans im Alter von 6-10 Jahren finden hier Aufnahme, Erziehung und Pflege. Sie dürfen, je nach dem Wirkungkreis, den sie erwählt haben, bis zum 18. Lebensjahr in der Anstalt verbleiben. Haben sie sich gut geführt, so erhalten sie bei ihrem Abgang einen wohlgefüllten Koffer mit Kleidern und Wäsche im Werte von 75 Doll. (300 Mk.). Auch wenn sie in das werkthätige Leben getreten sind, bleiben sie dauernd unter dem Schutze der Anstalt. Damit bei der Erziehung, resp. Bestrafung eines Zöglings keine Parteilichkeit möglich ist, hat G. die Handhabung des Strafgerichts nicht in die Hände der Lehrer, sondern in die des jemaligen Bürgermeisters und der Stadtväter gelegt, welche die Kuratoren der Anstalt sind. Der Religionsunterricht wie die Sonntagsandacht wird nicht von Geistlichen, sondern von den Lehrern erteilt und beschränkt sich fast ganz auf Moralphilosophie. Nach einer Bestimmung des Testaments ist keinem Geistlichen irgend welcher Religion der Eintritt in die Anstalt selbst, auch nur zur Besichtigung, gestattet. G. wollte nicht, daß sein segensreiches Unternehmen der Zankapfel des in den Vereinigten Staaten grassierenden Sektenwesens werde, welches jetzt (1890) nicht weniger als 134 verschiedene christliche Religionssekten außer dem Judentum und der katholischen Kirche zu verzeichnen hat. Vgl. Steph. Simpson, Life of Stephen G. (Philad. 1832); Arey, Girard-College and his founder (1860); »Handbook of Girard-College« (hrsg. von Scattergood, 1888).

Girardi, Alexander, Schauspieler, geb. 5. Sept. 1850 zu Graz, mußte anfangs das Schlosserhandwerk auf Wunsch seines Vaters erlernen und durfte sich erst 1868 nach dessen Tode der Bühne widmen. Nachdem er sich auf einem Privattheater versucht, trat er zuerst, ohne dramatischen oder Gesangsunterricht erhalten zu haben, im Juli 1869 als Tratschmirl in Nestroys »Tritsch-Tratsch« auf dem Theater in Robitsch-Sauerbrunn auf und war dann auf den Bühnen in Krems, Karlsbad, Ischl und Salzburg im komischen Fache thätig, bis er 1871 ein Engagement am Strampfertheater zu Wien fand, wo er sich im Zusammenwirken mit Schweighofer und der Gallmeyer zu einem der hervorragendsten Wiener Lokalkomiker ausbildete. 1874 ging er zum Theater an der Wien über, wo er sich besonders der Operette zuwandte und eine große Zahl komischer Charakterfiguren in den Operetten von Strauß, Millöcker u. a. und in französischen Operetten und Schwanken schuf. Mit großer Beweglichkeit des Mienen- und Gebärdenspiels verbindet er einen scharf pointierten Vortrag.