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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Girards Schlitteneisenbahn; Giroverkehr; Giseke; Gislason; Giusti; Glareanus; Glas

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Girards Schlitteneisenbahn - Glas.

Girards Schlitteneisenbahn, s. Eisenbahnbau.

Giroverkehr, s. Clearing- und Giro-Einrichtungen.

Giseke, 2) Robert, Schriftsteller, starb 12. Dez. 1890 in einer Heilanstalt zu Leubus.

Gislason, Konrad, Sprachforscher, starb 4. Jan. 1891 in Kopenhagen.

Giusti, Giuseppe, ital. Dichter. »Memorie inedite di G. G.« wurden von Ferd. Martini herausgegeben (Mail. 1890).

Glareanus, Humanist. Vgl. Fritzsche, Glarean, sein Leben und seine Schriften (Frauenfeld 1890).

Glas, ein aus Kieselsäure, zuweilen unter Zuhilfenahme von Borsäure, Phosphorsäure und Fluor mit fixen Alkalien und alkalischen Erden, zuweilen auch Thonerde und unter Anwendung geringer Mengen färbender oder entfärbender Metalloxyde in der Weißglut erschmolzenes und bei niederer Temperatur zu einer amorphen, meist durchsichtigen Masse erstarrendes Gemenge von Silikaten. Der Bruch des Glases ist muschelig; mit dem Aufhören seiner amorphen Beschaffenheit verliert es seinen Charakter. Unter gewissen Umständen, z. B. bei langandauerndem Erhitzen der Glasmasse nahe ihrem Schmelzpunkt, scheiden sich während des Erkaltens aus der dünnflüssigen Masse zähe, kristallinische Silikate aus, d. h. das G. entglast. Hierauf beruht z. B. die Erzeugung des Réaumurschen Porzellans. Die chemische Zusammensetzung ist gleichfalls von Einfluß auf die Neigung zum Entglasen; Kali- und Bleigläser entglasen weit schwerer als Natron- oder Kalkgläser; kieselsaures Natron von der Zusammensetzung 2Na2O, 9SiO2 ^[2Na_{2}O, 9SiO_{2}] entglast fast ohne Umstände, desgleichen hat Weber gezeigt, daß man durch Zusatz von Thonerde, sei es als Kaolin oder als Feldspat, das Entglasen zum Teil verhindern, bez. es erschweren kann, und daß die Thonerde die Bearbeitung des Glases begünstigt. Wie Weber weiter hervorhebt und auch vor ihm schon Seger nachwies, befördert die Thonerde entgegengesetzt frühern Annahmen unter Umständen die Leichtflüssigkeit des Glasflusses.

Die Zusammensetzung des Glases ist auch auf sein spezifisches Gewicht von Einfluß; das Alkalikalkglas mit etwa 2,4 ist am leichtesten, es folgt das Thonerdekalkglas und zuletzt das Thalliumglas mit einem spezifischen Gewicht von 5,62. Ebenso brechen die schweren Blei- und Wismutgläser das Licht am stärksten. Auf den luftleeren Raum als Einheit bezogen, hat der Diamant einen Brechungsexponenten von 2,506; das Flintglas von Fraunhofer (spez. Gew. 3,77) hat einen Brechungsexponenten von 1,639, das Thalliumglas von Lamy (spez. Gew. 5,62) einen solchen von 1,71-1,965.

Unter dem Einfluß der Luft bedeckt sich besonders das in Steinkohlenstrecköfen gearbeitete Tafelglas sehr oft mit einer irisierenden Haut. Ein Teil dieser Schicht wird von Wasser gelöst, ein andrer Teil wird von Salzsäure nicht angegriffen, dagegen leicht von Natronlauge. Jolles und Wallenstein fanden in den Lösungen verhältnismäßig viel Natron, Schwefelsäure und Kohlensäure. Es wirkt die in den Brenngasen enthaltene schweflige Säure zersetzend auf die Glasoberfläche, indem sich neben Natriumsulfat Wasserglas bildet. Letzteres zersetzt sich unter dem Einfluß der Atmosphärilien in kohlensaures Natron und Kieselsäure, die sich amorph ausscheidet.

Auch das anhaltende Kochen mit Wasser greift das G. je nach seiner Zusammensetzung mehr oder weniger schnell an. Mit zunehmendem Kalkgehalt nimmt die Löslichkeit der Gläser ab; die Natrongläser sind gegen den Einfluß des Wassers widerstandsfähiger als die Kaligläser. Dabei stellten Mylius und Forster ziffernmäßig fest, daß dieser Unterschied um so mehr verschwindet, je kalkreicher die Gläser hergestellt werden, wie denn schon Schwarz beobachtet hatte, daß es für die Angreifbarkeit der Gläser von der Zusammensetzung R_{2}O, RO, 6SiO_{2} ^[img] ohne Belang sei, ob sie Kali oder Natron enthalten. Die Angreifbarkeit der Gläser durch wasserhaltigen Äther ist, wie Rieth u. endgültig auch Weber gezeigt haben, eine der Hauptfehlerquellen für die Herstellung der Libellen. Ein G. von 69,0 SiO2, 0,9 Al2O3 12,2 CaO, 18,5 K2O ^[69,0 SiO_{2}, 0,9 Al_{2}O_{3} 12,2 CaO, 18,5 K_{2}O] entspricht, wenn es mit gutem Äther, der über gebranntem Marmor gestanden hat und bei gelinder Temperatur destilliert ist, gefüllt wird, vollständig allen Anforderungen.

Bemerkenswert ist die von Weber beobachtete Eigentümlichkeit des Glases, daß die gleichzeitige Anwesenheit von Kali und Natron die Ursache der Depressionserscheinungen an den Thermometern ist. Der Gehalt an Kieselsäure kann in weiten Grenzen schwanken und der Kalkgehalt bei wechselnden Verhältnissen zum Alkali zwischen 10 und 15 Proz. variieren. Thonerde bis 4,39 Proz. ist nicht von Einfluß. Selbst ein hoher Natrongehalt gibt gute Resultate. Die durch das gleichzeitige Vorhandensein von Kali und Natron hervorgerufenen Depressionserscheinungen können durch einen größern Kalk- oder Kieselsäuregehalt nicht korrigiert werden. Der Gehalt an Kali kann in den Natrongläsern jedoch 1 Proz. übersteigen, ohne Einfluß auf die Depression auszuüben, was für die Praxis von Bedeutung ist.

Zu den Eigenschaften des Glases gehören endlich seine Festigkeit, Härte und Elastizität. Durch ein eignes, von de la Bastie zuerst angewendetes Kühlverfahren, nämlich das G. schnell und gleichmäßig zu kühlen und in Bädern zu härten, erlangt es diese Eigenschaften in besonders hohem Maße. Dieses sogen. Hartglas ist von ganz bedeutender Elastizität. Eine Hartglasplatte von 16 cm Länge, 12 cm Breite und 5 mm Dicke ertrug nach Luynes den Fall eines Gewichts von 200 g aus 1-4 m Höhe; es entspricht das ungefähr dem vierfachen des Gewichtes, durch welches nicht gehärtete Platten zertrümmert werden. Besonders vervollkommt ist dies Verfahren von Schott und Siemens, welche das G. zwischen erwärmten Thonplatten, bez. durch Guß in Metall- oder Sandformen härten und auf diese Weise glatte und gemusterte Glastafeln zu Bedachungen, für Gewächshäuser, Laternen, Geschäftsräume, endlich Fußboden- und Wandbekleidungsplatten, Mühlsteine und Eisenbahnschwellen herstellen. Die Zusammensetzung des Glases entspricht etwa folgender allgemeiner Formel: 1RO, 1RO, 6SiO_{2}. ^[img]

Wie schon oben ausgeführt wurde, ist die Zusammensetzung des Glases für seine mannigfachen Eigenschaften am bestimmendsten. Hinsichtlich seiner Undurchsichtigkeit zur Herstellung des sogen. Milchglases scheint gleichfalls nach dem jetzigen Stande der Wissenschaft und Technik die Anwesenheit gewisser Verbindungen im G. angenommen werden zu müssen. Benrath hatte die Trübung der Milchgläser ausgeschiedener Thonerde zugeschrieben, Williams nahm das Kieselfluornatrium (einen in der Glühhitze wenig beständigen Körper) als trübenden Bestandteil des Milchglases an, eine Ansicht, die durch Ebells Untersuchungen gestützt zu werden schien. Letzterer schmolz 1 Teil Kryolith mit 2 Teilen Sand zusammen und