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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Glaser

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Glas - Glaser.

fand darin (entgegen Benraths Behauptung) 1,74 Proz. Fluor. Auch Hagemann und Jörgson fanden in Gläsern, die mit Flußspat oder Kryolith geschmolzen waren, Fluor. Endlich hat Weinreb die Frage zur Entscheidung gebracht und durch Versuche zur Evidenz bewiesen, daß Fluornatrium allein sowie Thonerde allein keine Trübung im G. hervorrufen, daß man aber durch Gemenge beider tadellose Milchgläser erzeugen kann. Zsigmondy kommt zu derselben Ansicht; mit aller Wahrscheinlichkeit ist Fluoraluminium der trübende Bestandteil des Kryolithglases. An Stelle von Kryolith wird auch Fluornatrium, gemengt mit thonerdehaltigen Materialien, verarbeitet. Trotz des hohen Preises, welchen der Kryolith hat, sind die französischen mittels Zusatz von Fluß- und Feldspat hergestellten sogen. Spatgläser infolge der umständlichern Fabrikation teurer als die Kryolithgläser. Während letzteres seine Eigenschaft (trübe zu sein) direkt beim Schmelzen erhält und ein aus solcher Glasmasse geformter Gegenstand sogleich die Beschaffenheit des Milchglases hat, muß das Spatglas wiederholt angewärmt werden, um völlig opak zu erscheinen. Auch hinsichtlich der Fabrikationsmethode stellen sich die eigentlichen Milchgläser, welche in Formen geblasen werden können (eine für Massenartikel allein mögliche Arbeitsweise), billiger als die französischen Spatgläser, welche aus freier Hand geblasen und zum Zwecke des Formens und zur Erzeugung des Opakwerdens öfter angewärmt werden müssen.

Zur Darstellung weißen Glases, wie es für die Spiegelfabrikation und für Hohlgläser gebraucht wird, müssen alle Rohstoffe möglichst eisenfrei sein; in den weitaus meisten Fällen erreicht man die Farblosigkeit des Glases nur durch Zusatz von Entfärbungsmitteln, deren Wirkung, wie zuerst Liebig erkannte, darauf beruht, daß die dem Glasfluß eigentümliche Farbe durch die Komplementärfarbe des Entfärbungsmittels neutralisiert wird. Unter gewissen Bedingungen kann jedoch auch durch Einführung eines nicht färbenden Stoffes, wie z. B. des Salpeters, welcher, der Glasschmelze zugesetzt, als Oxydationsmittel wirkt (z. B. grünes Eisenoxydulsilikat in das weit weniger stark färbende Eisenoxydsilikat), eine Entfärbung des Glases auf chemischem Wege herbeigeführt werden. Interessant, aber nicht weiter begründet ist die von Henrivaux (»Le verre et le cristal«) empfohlene Einführung des Zinkoxyds anstatt Braunsteins als Entfärbungsmittel.

Einen schätzenswerten Beitrag zur Erzeugung gefärbter Gläser bilden die mit Metallsulfiden von Zsigmondy hervorgerufenen Glasfärbungen: dunkelrotbrauner Rubin durch Molybdänglanz, sepia- bis sienafarbig durch Schwefelkupfer. Durch Zusatz von 0,5 Proz. Schwefelnickel zu einem gewöhnlichen Glassatz erhielt Haller eine amethystviolette Färbung.

Von größter Bedeutung für die Fabrikation ist die Anfertigung der Glashäfen. Hinsichtlich ihrer Formgebung und Größe waren in Deutschland seither weit kleinere Dimensionen gebräuchlich als in Belgien, Frankreich und besonders in England. In neuerer Zeit wendet man sich jedoch auch bei uns den größern Formen zu, die in den meisten Fällen den Vorzug verdienen, erstens was den Schmelzprozeß des Glases selbst anbelangt, und zweitens, weil die kleinern Öfen verhältnismäßig mehr Brennstoff gebrauchen. Für die Güte der Häfen ist in erster Linie das Schamotte- und Thonmaterial entscheidend. Die Schamotte muß durch hohes Brennen möglichst hart und gedichtet sein. Man benutzt zur Herstellung guter Schamotte möglichst feuerfeste, thonerdereiche Schieferthone, wie sie in Saarau in Schlesien, Rakonitz in Böhmen und Müglitz in Mähren vorkommen, zerstampft auch wohl alte Schamottegegenstände und Häfen, um sie wieder für die Masse zu verwenden. Auch die Korngröße der Schamotte ist von Wichtigkeit; je feiner das Korn, desto mehr kann man zwar dem rohen Thon davon zusetzen, aber die Masse wird weniger widerstandsfähig gegen Temperaturwechsel. Am besten nimmt man je zur Hälfte gröberes und feineres Korn. Als plastische, roh zur Hafenmasse zu verarbeitende Thone haben die fetten Thone (von Großalmerode, Hettenleidelheim, Klingenberg, Grünstadt), die ungemein fett, aber nur von mittlerer Feuerfestigkeit sind, einen guten Ruf, weil sie schon bei niederm Feuer ihre Schwindung beendet haben und völlig dicht werden.

Einen großen Fortschritt in der Feuerungstechnik der Glashütten bedeuten die Siemensschen Wannenöfen mit Generatorgasfeuerung. Die Brennmaterialersparnis ist eine beträchtliche, und die Zerkleinerung der zur Glasmasse zu verwendenden Materialien braucht nicht eine so sorgfältige zu sein wie bei der Beschickung der Glashäfen. Der Ofen hat sich daher schnell durch alle Länder verbreitet; die Brennstoffersparnis stellt sich gegenüber dem alten System für den Zentner G. wie folgt:

a) Glashäfen: b) Wannenöfen:

8 Ztr. Holz 1 Ztr. Holz

6-8 Ztr. Braunkohle 2 Ztr. Braunkohle

3-4 Ztr. Steinkohle 0,5-0,75 Ztr. Steinkohle.

Glaser, Eduard, Arabienreisender, geb. 15. März 1855 zu Deutsch-Rust in Böhmen, erhielt seine Vorbildung auf den Realschulen zu Komotau und Prag, studierte hauptsächlich Mathematik, Physik und Astronomie auf den Universitäten Prag und Wien; an letzterm Orte trieb er gleichzeitig Arabisch bei der Orientalischen Akademie. Nachdem er 1878-80 als Assistent an der k. k. Sternwarte in Wien (Währing) thätig gewesen war, begann er 1880 sich der wissenschaftlichen Erforschung der Länder arabischer Zunge zu widmen, mit einem Erfolg, der ihn in die erste Reihe der zeitgenössischen Forschungsreisenden gestellt hat. Nach einem vom November 1880 bis September 1882 währenden Aufenthalt in Tunesien, Tripolis und Ägypten hat er auf drei großen Reisen (September 1882 bis April 1884; April 1885 bis März 1886; Oktober 1887 bis Oktober 1888) unter geschickter und energischer Überwindung großer, seinen Vorgängern und Mitbewerbern hinderlich, zum Teil verderblich gewesener Schwierigkeiten das südwestliche Arabien (Jemen), vor allem Ma'rib, die ehemalige Hauptstadt des alten Sabäerreiches, nebst Umgebung durchforscht. Als Hauptergebnis seiner Thätigkeit erscheint bis jetzt der Gewinn von mehr als 600 wertvollen arabischen Handschriften, über 100 Steindenkmälern und 1032 südarabischen Inschriften aus der vormohammedanischen Zeit, die alle von ihm glücklich nach Europa geschafft sind und sich zum Teil in den Museen von Berlin und Paris, zum Teil noch in seinem Privatbesitz befinden. Aus den bisherigen, infolge eigentümlicher Verhältnisse leider noch sehr wenig umfangreichen Veröffentlichungen ergibt sich, daß nicht nur die Menge, sondern auch die Wichtigkeit dieser Materialien alles in den Schatten zu stellen verspricht, was durch Glasers Vorgänger, besonders J. ^[Joseph] Halévy, auf diesem Gebiet bisher der Wissenschaft zugänglich geworden war. Einen vorläufigen Begriff von dieser Wichtigkeit ge-^[folgende Seite]