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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Glasmalerei; Glatteis; Glattstehen; Gleichman; Gleitende Skala; Gletscher

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Glasmalerei - Gletscher.

geben zu haben, ist hauptsächlich das Verdienst Glasers selbst, den seine sprachlichen und epigraphischen Kenntnisse zur eignen Verarbeitung des in seinen Händen befindlichen Stoffes befähigen. Es sind von ihm erschienen: »Mitteilungen über einige aus meiner Sammlung stammende sabäische Inschriften« (Prag 1886, Selbstverlag); »Südarabische Streitfragen« (das. 1887, Selbstverlag); »Skizze der Geschichte und Geographie Arabiens von den ältesten Zeiten bis zum Propheten Mohammed nebst einem Anhang zur Beleuchtung der Geschichte Abessyniens im 3. und 4. Jahrhundert n. Chr.« (zuerst Bd. 2, Berl. 1890; enthält den geographischen Teil); außerdem zahlreiche Artikel in Zeitschriften (»Petermanns Mitteilungen«, 1884, 1886; »Ausland«, 1890; »Sitzungsberichte der Wiener Akademie«, historisch-philologische Klasse; »Schriften der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften«; »Münchener Allgemeine Zeitung« u. a.). Manche der überraschenden Ausstellungen Glasers, die eine vollkommene Umwälzung der bisherigen Ansichten insbesondere über die Geschichte des alten Arabien zur Folge haben würden, sind in den Kreisen der Fachgelehrten erheblichem Widerspruch begegnet, und eine sichere Lösung der von ihm angeregten Fragen wird vor der vollständigen Veröffentlichung des ganzen Materials kaum erreicht werden. Hierdurch wird natürlich das Verdienst des zielbewußten Reisenden und anregenden Gelehrten in keiner Weise gemindert, ein Verdienst, welches ihm außer andern Ehren 1889 den honoris causa erteilten Doktortitel der Universität Greifswald eingebracht hat. Gegenwärtig lebt G., mit der weitern Verarbeitung seiner Inschriften beschäftigt, in München.

Glasmalerei. Der durch die wirtschaftlichen Verhältnisse der letzten 20 Jahre herbeigeführte Aufschwung der Bauthätigkeit in Deutschland, die Wiederbelebung alter Kunstbetriebe und die beständig zunehmende Freude an der farbigen Ausstattung aller zum innern Ausbau der Monumental- und Privatbauten gehörigen Elemente haben auch die G. zu einer neuen Entwickelung geführt. Während sie bis um die Mitte der 70er Jahre nur von einigen wenigen, zum Teil von Regierungen unterstützten Instituten gepflegt wurde und zu ihrer Existenz meist auf spärliche Aufträge für Kirchenbauten angewiesen war, sind in den letzten 15 Jahren in allen Mittelpunkten deutscher Kunstthätigkeit Privatinstitute für G. entstanden, die jede Technik der G. üben und auch den umfangreichsten monumentalen Aufgaben gerecht zu werden vermögen. In München, von wo die Erneuerung der G. in unserm Jahrhundert ihren Ausgang genommen hat, sind neben dem alten F. X. Zettlerschen Institut, das nach der Aufhebung der königlichen Glasmalereianstalt (1869) noch den Zusammenhang mit der frühern Zeit aufrecht erhielt, die Mayersche Hofkunstanstalt, die unter andern Glasfenster für die Kathedralen in Metz und Olmütz, den Stephansdom zu Wien, die Elisabeth- und Nikolaikirche in Eisenach und die Stiftskirche zu Kaiserslautern geliefert hat, das Atelier von J. P. ^[Joseph Peter] Bockhorni, dessen Spezialität ebenfalls Kirchenfenster sind, und die Anstalt von Karl de Bouché entstanden, der alle Techniken der G. für kirchliche und Profanzwecke kultiviert. In Berlin nehmen die Anstalten von P. G. Heinersdorff und W. Ernst neben dem königlichen Institut für G. die ersten Stellen ein. Auch diese beiden Kunstanstalten haben zahlreiche Kirchen im In- und Ausland mit monumentalen Glasgemälden ausgestattet und daneben auch die Kabinettsmalerei gepflegt. Letztere wird ausschließlich von der Firma Grimme u. Hempel in Leipzig betrieben, die Hängebilder und Fenstervorsetzer mit Einfassungen von Kathedralglas und Butzenscheiben nach Vorlagen beliebter Genre- und Porträtmaler für den Schmuck von Privatwohnungen liefert.

Glatteis, s. Eis, S. 218.

Glattstehen, an der Börse s. v. w. sich im Gleichgewicht befinden. So steht das Liquidationsbüreau glatt, wenn die von ihm berechnete Gesamtsumme der zu beziehenden Stücke ebenso groß ist wie diejenige der Stücke, welche zu liefern sind. Man steht glatt, wenn man Zeitgeschäfte derart ins Gleichgewicht bringt, daß man weder Stücke schuldig ist, noch deren zu viel besitzt.

Gleichman, Johan George, niederländ. Staatsmann, geb. 19. Juli 1834 zu Rotterdam, wurde nach zurückgelegten Studien 1860 Hilfsarbeiter im Finanzministerium, 1867 Agent und 1871 Direktor der niederländischen Bank, bekleidete 1877-79 den Posten des Finanzministers und wurde 1880 als Abgeordneter in die Zweite Kammer gewählt. Er schrieb eine Biographie des Dichters Adrian Bogaers (Amsterd. 1875), die aber nicht im Buchhandel erschienen ist.

Gleitende Skala des Arbeitslohns (engl. Sliding scale), s. Arbeiterschutzkonferenz, S. 37.

Gletscher. Jede Theorie, welche die fließende Bewegung des Gletschers erklären will, muß sich auf die Veränderungen gründen, welche mit dem Gletscherkorn im Verlauf der Wanderung vom Firnfeld bis zur Gletscherzunge vor sich gehen. Diese Körner sind das wichtigste Element in der Struktur des Gletschers. Das Gletschereis besteht bekanntlich aus kristallinischen, unregelmäßig geformten Eiskörnern, deren Größe vom Firnfeld durch die Zunge hinab stetig zunimmt. Über den Vorgang selber, durch welchen aus dem winzigen Eiskristall im pulverigen Hochschnee zuerst ein Firn-, dann ein Gletscherkorn wird, welches aber trotz einer Große von mehreren Kubikzentimetern doch immer nur ein Kristall bleibt, sind verschiedene Ansichten geäußert. Nach der einen sollen die Gletscherkörner unter Druck sich in dem Falle zu einem Kristall verbinden, wenn ihre Kristallisationsachsen parallel liegen. Beim Verschieben der Gletscherkörner im G. abwärts werde dieser Fall um so häufiger eintreten, so daß im Gletscherende nur große Körner vorhanden sind. Nach Forels Ansicht dagegen wächst das Gletscherkorn durch das Schmelzwasser, welches von der Oberfläche durch Spalten und die feinen Zwischenräume zwischen den einzelnen Körnern in die Tiefe dringt und, seines geringen Wärmeüberschusses bald beraubt, immer neue Eisschichten um die bereits vorhandenen Kristalle lagert. Die so stattfindende Wärmezufuhr werde von der winterlichen Durchkältung völlig paralysiert. Durch die Volumvermehrung eines jeden einzelnen Eiskornes muß aber auch die ganze Eismasse des Gletschers wachsen und sich aufwölben, und die Eisbewegung, das Fließen der G., würde nicht, wie man allgemein annimmt, von der Schwere, sondern von der Wärme herrühren. Um diese Ansicht auf ihre Richtigkeit hin zu prüfen, benutzte Forel eine ausgedehnte Eisgrotte im Arollagletscher im Kanton Wallis, welche gestattete, tief im Innern des Gletschers Untersuchungen über die physikalische Beschaffenheit des Eises anzustellen.

1) Bei den Untersuchungen über die Infiltrierbarkeit des Eises stellte sich heraus, daß das Eis im Innern der G. für Wasser nicht durchlässig ist. Die Spalten zwischen den Gletscherkörnern sind nur dort offen, wo der G. der Wärme und Abschmelzung aus-^[folgende Seite]