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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hetzel; Heuberger; Heuduck; Heuschrecken; Heusner; Heyd; Heyden; Heyfelder; Hidschas

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Hetzel - Hidschas.

verloren. Doch behielt die nationalliberale Partei die weit überwiegende Mehrheit in der Kammer. Der Landtag wurde 26. Nov. 1890 vom Großherzog selbst eröffnet. Er hatte sich vor allem mit der Beratung des Staatshaushalts für 1891-94 zu beschäftigen. Die ordentlichen Einnahmen ergaben einen jährlichen Überschuß von 459,000 Mk. über die ordentlichen Ausgaben (24,312,000 Mk. jährlich). Die außerordentlichen Einnahmen waren um 7 Mill. höher als die Ausgaben.

Hetzel, Pierre Jules (Pseudonym P. J. Stahl), franz. Schriftsteller. Seine Biographie schrieb B. Vadier (Genf 1889).

Heuberger, Richard, Komponist, geb. 18. Juni 1850 zu Graz, wurde zunächst Ingenieur, als welcher er 1875 seine Staatsprüfung ablegte, widmete sich aber im folgenden Jahre ganz der Musik, wurde Chormeister des akademischen Gesangvereins zu Wien und war daneben 1878-80 als Dirigent der Wiener Singakademie thätig. Als Komponist machte er sich vorteilhaft bekannt durch zahlreiche Lieder, Gesänge für Männerchor und gemischten Chor, durch größere Chorwerke (»Rhapsodie aus Rückerts Liebesfrühling« u. a.), Orchestervariationen und Orchesterbearbeitungen (deutsche Tänze von Schubert u. a.), die Ouvertüre zu Byrons »Kain«, eine Symphonie, die Oper »Abenteuer einer Neujahrsnacht« (1886 in Leipzig aufgeführt) u. a.

Heuduck, Wilhelm von, preuß. General, erhielt im November 1890 die erbetene Entlassung aus seiner Stellung als Kommandeur des 15. Armeekorps.

Heuschrecken. In der Provinz Algerien traten seit 1885 H. in immer größerer Menge verheerend auf, so daß 1888/89 ein methodisch organisierter Feldzug gegen sie unternommen wurde. Es handelte sich nicht um die Wanderheuschrecke, sondern um ein unserm Heimchen nahe stehendes Insekt, Stauronotus maroccanus, welches sich in den meisten an das Mittelmeer grenzenden Ländern, besonders aber in Kleinasien und Cypern findet; seine ursprüngliche Heimat ist Marokko. Da die H. nicht auf der Wanderung das Land überfallen hatten und dann weiterzogen, sondern ihre Eier in den von ihnen heimgesuchten Gegenden ablegten, so konnte planmäßig die Vernichtung derselben vorbereitet werden. Es wurden zunächst die Territorien festgestellt, in welchen die Eiablage stattgefunden hatte, und sodann meist durch Araber von August bis September die Eikapseln gesammelt, wobei bei einem Preise von 1 Frank 50 Cent. für je 20 Liter im ganzen 578,340 Fr. verausgabt wurden. Zur Vertilgung der im Frühjahr 1889 auskriechenden jungen Brut, welche in den ersten Tagen nicht fliegen kann, sondern kriechend über die Felder hinzieht, wurde die sogen. cypriotische Vertilgungsmethode angewendet. Es wurden schmale Ledertücher an Pfosten aufgespannt und mit diesen die Felder, auf welchen die jungen H. auskrochen, umgeben; am Fuße der Ledertuchwände befanden sich in kurzen Entfernungen voneinander mit Zinkblech ausgeschlagene Gruben von 2 m Länge, 1 m Breite und 1 m Tiefe; die die Wände hinaufkriechenden Larven fielen von selbst herab oder wurden von Arabern mit Besen in die Gruben gekehrt, wo sie mit Stahlkeulen zerstampft wurden; es wurden auf diese Weise ca. 40,000 cbm Insekten vernichtet; der Vernichtungskampf wurde unter Beiziehung des Militärs von 30,000 Arbeitern durchgeführt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf mehrere hunderttausend Frank, aber die Ernte wurde gerettet. Vgl. de Saussure, Prodrome des Oedipodiens (Genf 1888).

Heusner, Eduard, Admiral (s. Bd. 17), starb 27. Febr. 1891 in Weimar, nachdem er schon im April 1890 die erbetene Entlassung aus dem Amte eines Staatssekretärs des Reichsmarineamtes unter Verleihung des Charakters als Vizeadmiral erhalten hatte.

Heyd, Wilhelm, deutscher Geschichtsforscher, geb. 23. Okt. 1823 zu Markgröningen in Württemberg, Sohn des Pfarrers und Historikers Ludwig Friedrich H., der eine Geschichte des Herzogs Ulrich von Württemberg (Tübing. 1841-43, 3 Bde.) verfaßte, studierte in Tübingen Theologie und ward zunächst Pfarrer, 1873 aber Oberstudienrat und Oberbibliothekar der königlichen Bibliothek in Stuttgart. Er beschäftigte sich viel mit der Geschichte des abendländischen Handels und der Kolonien im Orient. Sein Hauptwerk ist die »Geschichte des Levantehandels im Mittelalter« (Stuttg. 1879, 2 Bde.; franz. Ausgabe von Raynaud, Leipz. 1885-86, 2 Bde.).

Heyden, 1) Theodor, Graf, Generalgouverneur von Finnland, geb. 15. Sept. 1821 in Esthland, wurde im kaiserlichen Pagenkorps zu Petersburg erzogen, zeichnete sich als Offizier in den Kämpfen im Kaukasus aus, wurde 1849 Oberst und Flügeladjutant des Kaisers, 1855 Generalmajor und befehligte im Krimkrieg die Truppen, welche die Küsten von Livland und Kurland gegen eine Invasion der Westmächte schützen sollten. 1862 ward H. Generalleutnant und Generaladjutant und 1866 Chef des Großen Generalstabes und erwarb sich in dieser Stellung im russisch-türkischen Kriege 1877/78 große Verdienste. 1881 zum Generalgouverneur von Finnland ernannt, bemühte er sich einerseits, die Finnländer enger an Rußland zu ketten, anderseits dem Andrängen der panslawistischen Presse auf Russifizierung des Landes Widerstand zu leisten, weswegen er von der panslawistischen Partei heftig angefeindet wurde, zumal er Balte evangelischen Glaubens ist.

2) Wilhelm Karl Heinrich von, preuß. Minister, geb. 16. März 1839 zu Stettin, studierte in Heidelberg und Stettin die Rechte, trat 1861 als Auskultator in den Staatsjustizdienst, machte den Krieg 1866 mit und wurde 1867 nach bestandenem Assessorexamen kommissarischer, 1868 wirklicher Landrat des Kreises Demmin, in dem er das Rittergut Kadow besitzt, und der ihn in den Provinziallandtag und 1877 auch in das Abgeordnetenhaus wählte, dem H. als Mitglied der neukonservativen Partei bis 1889 angehörte. Nachdem H. 1877-81 Landesdirektor von Pommern und 1881-83 Polizeipräsident von Stettin gewesen, wurde er 1883 zum Regierungspräsidenten in Frankfurt a. O., 1884 zum Mitglied des Staatsrats und im November 1890, nach dem Rücktritt des Freiherrn v. Lucius, zum Minister der landwirtschaftlichen Angelegenheiten ernannt.

Heyfelder, Oskar, Mediziner, starb 2. Juni 1890 Tschardschui. Er schrieb noch: »Transkaspien und seine Eisenbahn« (Hannov. 1888).

Hidschas (Hidschâz), im administrativen Sprachgebrauch der Türken das Wilajet von Mekka, die Westküste Arabiens von der Nordspitze des Meerbusens von Akaba bis südlich von e'-Lîd und deren Hinterland, soweit es den Türken unterworfen ist. Nach Snouck Hurgronje (s. d.) bezeichnet das Wort H. im Arabischen ursprünglich eine gewisse Beschaffenheit des Bodenreliefs und wurde verschiedenen kleinen Gebieten beigelegt; denn große Gebiete belegen die Araber noch heute nicht mit einem gemeinsamen Namen. So ist auch für die Bewohner von Mekka und Dschidda der H. in ihrem Sinne nur die östlich von Tâif gelegene Gegend.