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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Historische Litteratur

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Historische Litteratur (Mittelalter, Deutschland).

trag zu seiner Abhandlung »Die Kriegszüge des Germanicus« (Berl. 1889) F. Knoke. Der erstgenannte verwirft Mommsens Annahme von Osnabrück als Schlachtort und entscheidet sich für Horn in Lippe, der zweite für Lemförde (im Norden des Teutoburger Waldes), der dritte für Iburg. Eine Geschichte des Reiches der Seleukiden und dann der Parther findet sich in A. v. Gutschmids »Geschichte Irans und seiner Nachbarländer von Alexander d. Gr. bis zum Untergang der Arsakiden« (Tübing. 1888), einem auf tiefer Gelehrsamkeit beruhenden Werke (selbst Berichte chinesischer Annalen werden verwertet), das nach des Verfassers Tode Th. Nöldeke herausgegeben hat. Einen viel tiefern Standpunkt nimmt G. Rawlinson, »History of Phoenicia« (Lond. 1890), ein, das, obgleich auf einen weitern Leserkreis berechnet (es ist illustriert), an kritischer Gründlichkeit zu viel zu wünschen übrigläßt.

Mittelalter.

Den Übergang zum Mittelalter bildet M. J. ^[richtig: J. B. für John Bagnell] Bury, »History of the later Roman empire« (Lond. 1890), der in knappen Umrissen die Ereignisse von 395 bis Justinian und dann ausführlicher bis 800 mit besonderer Berücksichtigung der innern Zustände des byzantinischen Reiches schildert. Im wesentlichen in dieselbe Zeit, wenn auch in andre Gegenden, führt uns L. Lindenschmits »Handbuch der deutschen Altertumskunde«, dessen erster Band (Braunschw. 1889) die Altertümer der merowingischen Zeit behandelt. Abweichend von Arbois de Jubainville, der auch in der 2. Aufl. seiner »Premiers habitants de l'Europe« (Bd. 1, Par. 1889) auf Grund der alten Schriftsteller die absonderlichsten Ansichten über die älteste Bevölkerung Europas aufstellt, stützt sich Lindenschmit lediglich auf die Altertümer und Gräberfunde, von denen er selbst eine wertvolle Sammlung im römisch-germanischen Zentralmuseum zu Mainz in mustergültiger Anordnung zusammengestellt hat. Ihm gilt als allein berechtigtes Prinzip für die Einteilung der Altertümer die Zeitfolge der Formen, nicht mehr wie bei seinen Vorgängern die Zeitfolge der Stoffe. Die Geschichte des fränkischen Reiches unter Merowingern und Karolingern stellt F. Dahn in der 1888 erschienenen zweiten Hälfte des ersten Bandes seiner »Geschichte der deutschen Urzeit« dar, sich vielfach anlehnend an seine Behandlung desselben Gegenstandes in Band 3 seiner »Urgeschichte der germanischen und romanischen Völker«. Über die sogen. Konstantinische Schenkung haben Brunner und Zeumer (Berl. 1888), W. Martens (Münch. 1889) und J. ^[Johann] Friedrich (Nördling. 1889) geschrieben. Die genannten Gelehrten nehmen sämtlich die päpstliche Kanzlei in Rom als Entstehungsort der Fälschung an; weniger stimmen sie in betreff der Zeit überein. Die erstgenannten plaidieren für 813-816, Martens nicht recht überzeugend für die Zeit Hadrians I. (772-795), Friedrich endlich unterscheidet in der Urkunde einen ältern Teil, dessen Abfassung er vor 653, und einen jüngern, den er vor 754 ansetzt. Lamprecht, »Die römische Frage von König Pippin bis auf Ludwig d. Fr.« (Leipz. 1889), tritt in betreff des ersten Teils der Urkunde Friedrichs Ansicht bei, die Abfassung des zweiten Teils verlegt er in die Jahre 813-816. Scheffer-Boichorst (»Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung«, Bd. 10 u. 11) versetzt die Entstehung der ganzen Fälschung in die Zeit Pauls I. (757-767), Löning endlich in Sybels »Historischer Zeitschrift«, Bd. 65, in die erste Zeit Hadrians I. (772-781). Eine zweite, gänzlich umgearbeitete Auflage von S. Abel, »Jahrbücher des Fränkischen Reichs unter Karl d. Gr.« (Bd. 1, Leipz. 1888) hat der Verfasser des 2. Bandes dieses Werkes, B. Simson, erscheinen lassen. H. Prutz, der früher in »Geheimlehre und Geheimstatuten des Tempelherrenordens« (1879) diesem ketzerische Ansichten zuschrieb, welche seine Auflösung als berechtigt erscheinen ließen, mildert in seinem neuen Werke: »Entwickelung und Untergang des Tempelherrenordens« (Berl. 1888) ihre Schuld erheblich, da er annimmt, daß der Orden nur bei der Aufnahme neuer Mitglieder irreligiöse, symbolische Gebräuche hatte. Eine vortreffliche, auf den gründlichsten Studien in französischen und italienischen Archiven beruhende Geschichte der Inquisition bietet H. Ch. Lea, »A history of the inquisition of the middle ages« (New York 1888, 3 Bde.), ein Buch, das mehr Glauben beanspruchen darf als die frühern ultramontanen Darstellungen dieses Gegenstandes. Band 1 handelt von dem Ursprung der Inquisition in den Zeiten Gregors IX. und Innocenz' IV., Band 2 von ihrer Wirksamkeit in Frankreich, Italien, Böhmen etc., Band 3 enthält einzelne Abhandlungen, z. B. über den Prozeß gegen die Templer, die Jungfrau von Orléans etc.

Deutschland.

A. Haucks »Kirchengeschichte Deutschlands« (Bd. 1, Leipz. 1888) gibt eine aus besonnener Kritik beruhende und trotz des verwickelten Stoffes übersichtliche Darstellung der ältesten Zeit bis auf Bonifaz. Eine populäre »Deutsche Geschichte«, welche die Ergebnisse der neuern Forschung berücksichtigt, hat O. Kämmel (Dresd. 1889) geschrieben. Von G. Richters »Zeittafeln der deutschen Geschichte im Mittelalter« ist die dritte Abteilung im Erscheinen begriffen; ein erster Band (Halle 1890) behandelt die Zeit der sächsischen und der ersten salischen Kaiser (bis 1056), letztere aus der Feder von H. Kohl. Noch weiter, bis zum Ausgang des salischen Geschlechts, reicht M. Manitius' »Deutsche Geschichte unter den sächsischen und salischen Kaisern« (Stuttg. 1889); der Verfasser zeigt große Vertrautheit mit dem Stoffe, berücksichtigt aber die innern Verhältnisse nicht ausreichend. Eine umfangreiche Biographie des Bischofs Otto I. von Bamberg, des Apostels der Pommern, hat G. Juritsch (Gotha 1889) geliefert. Noch vor seinem Tode war es W. v. Giesebrecht vergönnt, die lange erwartete zweite Abteilung von Band 5 seiner »Geschichte der deutschen Kaiserzeit« zu veröffentlichen. Das Buch ist dem wichtigsten Lebensabschnitt Friedrich Barbarossas, der Zeit seiner Kämpfe mit Alexander III. und Heinrich dem Löwen, gewidmet. Der Verfasser verlegt die vielbesprochene Zusammenkunft des letztern mit dem Kaiser nach Chiavenna, ist aber auch nicht im stande, den Zeitpunkt genau festzustellen. Die »Jahrbücher der deutschen Geschichte« haben durch E. Winkelmann, »Kaiser Friedrich II.«, wovon Bd. 1 (Leipz. 1889) bis 1228 reicht, eine wesentliche Bereicherung erfahren. Der Verfasser hat hier den von ihm schon in einer Monographie behandelten Stoff nochmals mit Benutzung neuen Urkundenmaterials bearbeitet und sich durch die annalistische Anlage jener Sammlung in seiner Darstellung nicht beengen lassen; seine meist günstige Auffassung von Friedrichs Wirksamkeit erscheint wohlbegründet. Th. Lindner behandelt im ersten Bande der »Deutschen Geschichte unter den Habsburgern und Luxemburgern« (Stuttg. 1890) den Zeitraum von Rudolf von Habsburg bis zu Ludwig dem Bayern mit gewohnter Gründlichkeit. Aus Rankes Nachlaß haben A. Dove und G. Winter einen 9. Teil der »Weltgeschichte«