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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Historische Litteratur

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Historische Litteratur (Preußen).

ßischen Standpunkt aus ansieht, ist bei der Art seiner Quellen nicht verwunderlich. Nach einem Überblick über die deutsche Geschichte seit 1815 behandelt er vom 2. Bande an die Regierung Wilhelms I. ausführlicher und spricht z. B. über die Konfliktsjahre mit anerkennenswerter Unbefangenheit. Bd. 3 enthält eine vortreffliche Geschichte der schleswig-holsteinischen Verwickelung bis zum Wiener Frieden 1864, Bd. 4 erzählt die Zuspitzung des Konflikts zwischen Preußen und Österreich und Bd. 5 den Krieg von 1866; besonders interessant sind die Mitteilungen über die politischen Schachzüge zwischen Bismarck und Napoleon III. und über die Beratungen im preußischen Kronrat.

Deutsche Einzelstaaten.

Bevor wir uns zu den Darstellungen über einzelne Perioden der preußischen Geschichte wenden, erwähnen wir eine populäre (reichlich mit Abbildungen ausgestattete) Darstellung der »Geschichte des preußischen Staates« von E. Berner, welche im Erscheinen begriffen ist. Trotz der Kürze der Darstellung merkt man überall die gründliche Sachkenntnis des Verfassers. Von dem vortrefflichen Werke des amerikanischen Gelehrten H. Tuttle, »History of Prussia«, sind 3 Bände (Bost. 1885-88) erschienen, welche bis zum Beginn des Siebenjährigen Krieges reichen und eine bei einem Ausländer doppelt anerkennenswerte Bekanntschaft mit der einschlägigen Litteratur offenbaren. L. Schmids »Die älteste Geschichte des erlauchten Gesamthauses Hohenzollern« liegt mit dem 3. Bande (Tübing. 1888) abgeschlossen vor; darin wird der Nachweis geliefert, daß die fränkische und die schwäbische Linie der Hohenzollern von Friedrich III., Grafen von Zollern und Burggrafen von Nürnberg, abstammen. Trotzdem wird für die gegnerische Ansicht, daß nämlich Burggraf Friedrich von Nürnberg dem Geschlecht der Abensberger angehört und nach Vermählung mit der Erbin des erloschenen Geschlechts der schwäbischen Zollern letztern Titel angenommen habe, von Chr. Meyer (»Die Herkunft der Burggrafen von Nürnberg, der Ahnherren des deutschen Kaiserhauses«, Ansbach 1889) eine Lanze gebrochen. Die 350jährige Gedenkfeier der Einführung der Reformation in Brandenburg hat J. ^[Julius] Heidemann veranlaßt, eine auf gründlichen Studien beruhende Darstellung der »Reformation in der Mark Brandenburg« (Berl. 1889) zu veröffentlichen; nur hätte der Verfasser vielleicht genauer auf die Streitfrage, ob der Übertritt des Kurfürsten in Berlin oder Spandau erfolgt sei (er erklärt sich mit Recht für letztern Ort), eingehen können. Die »Urkunden und Aktenstücke zur Geschichte des Großen Kurfürsten« erhalten eine unschätzbare Ergänzung durch die von O. Meinardus herausgegebenen »Protokolle und Relationen des brandenburgischen Geheimen Rats aus der Zeit des Kurfürsten Friedrich Wilhelm«. Der 1. Band (Publikationen aus den preußischen Staatsarchiven, Bd. 41, Leipz. 1889) reicht nur bis in den April 1643; er wirft auch auf die Gestalt des vielgeschmähten Grafen Schwarzenberg ein neues Licht, und das Urteil über diesen wird sich bald günstiger gestalten. R. Schück, »Brandenburg-Preußens Kolonialpolitik unter dem Großen Kurfürsten und seinen Nachfolgern« (Leipz. 1882, 2 Bde.), behandelt die Versuche des Kurfürsten, Kolonien zu begründen, die Entstehung seiner Kriegsmarine, endlich den Untergang der Afrikanischen Kompanie nach archivalischem Material. A. Waddingtons »L'acquisition de la couronne royale de Prusse par les Hohenzollern« (Par. 1888) bildet eine Ergänzung zu Pribrams Darstellung der mit Österreich gepflogenen Verhandlungen über die Annahme des preußischen Königstitels. Breysigs »Der Prozeß gegen Eberhard Danckelmann« (Leipz. 1889) enthält eine vollständige Rechtfertigung des unglücklichen Staatsmanns. Von der »Politischen Korrespondenz Friedrichs d. Gr.« hat A. Naudé Band 16 und 17 (Berl. 1888-89) herausgegeben, welche die Zeit vom 1. Nov. 1757 bis zum Schlusse des Jahres 1758 umfassen. R. Koser hat auf seine vortreffliche Darstellung von Friedrichs Schicksalen als Kronprinz eine Schilderung seiner Thätigkeit als Herrscher folgen lassen; er kommt im ersten Halbband seines an neuen Resultaten reichen und trotz aller Begeisterung für den König unparteiisch gehaltenen Werkes (Stuttg. 1890) bis zum Frieden von Dresden. Gleichzeitig hat auch die kriegsgeschichtliche Abteilung des Großen Generalstabes mit der Veröffentlichung eines Werkes über »Die Kriege Friedrichs d. Gr.« begonnen, wovon Teil 1 den ersten Schlesischen Krieg behandeln soll; der (Berl. 1890) erschienene Band 1 endet mit der Schlacht bei Mollwitz. J. R. ^[Johan Richard] Danielson, »Die Nordische Frage in den Jahren 1746-1751« (Helsingfors 1888), bringt Enthüllungen über die vergeblichen Bemühungen Rußlands, 1748 ein Bündnis mit Österreich, England und Dänemark gegen Preußen und Schweden herbeizuführen. Zur Geschichte des Siebenjährigen Krieges sind mehrere Schriften erschienen: H. Granier, »Die Schlacht bei Lobositz« (Bresl. 1890), enthält eine sehr anschauliche Schilderung jener folgenschweren Schlacht; von dem Werke des russischen Obersten Masslowski: »Die russische Armee im Siebenjährigen Kriege«, liegen zwei Abschnitte in deutscher Bearbeitung vor, nämlich »Der Feldzug Apraxins in Ostpreußen, 1756 bis 1757«, übersetzt von A. v. Drygalski (Berl. 1888) und Thilo v. Trotha, »Zur Geschichte der russisch-österreichischen Kooperation am Feldzug von 1759« (Hannov. 1888); wie dort die Grundlosigkeit des auf Apraxin ruhenden Verdachts des Verrats erwiesen wird, so werden hier manche gegen Soltikow erhobenen Vorwürfe entkräftet. Als ein interessanter Beitrag zur Kenntnis jenes Krieges, besonders des Jahres 1760, muß auch Fr. v. d. Wengen, »Karl Graf zu Wied, königlich preußischer Generalleutnant« (Gotha 1890) bezeichnet werden. Friedrichs letzte Lebensjahre (1775-86) behandelt nach den neuern amtlichen Publikationen Band 2 von E. Reimann, »Neuere Geschichte des preußischen Staates« (Heeren-Ukertsche Sammlung, Gotha 1888). Über die Ursachen der Niederlagen von 1806 verbreitet neues Licht die von Keim herausgegebene Schrift des Generals v. Clausewitz, »Nachrichten über Preußen in seiner großen Katastrophe« (Berl. 1888), aus den Jahren 1823-24. Ein anziehendes Buch, das unter andern die Schlachten von Ligny und Waterloo aus eigner Anschauung schildert, heißt »Kriegerleben des Joh. v. Borck, weiland königlich preußischer Oberstleutnant (1806-15)«, bearbeitet von Leszczynski (Berl. 1888). Ch. Auriols »Défense de Dantzig en 1813« (Par. 1888) enthält das Tagebuch des französischen Ingenieurgenerals v. Campredon, das während der Belagerung abgefaßt ist, und bietet wesentliche Berichtigungen zu Thiers. Großes Aufsehen haben die »Erinnerungen aus dem Leben des Generalfeldmarschalls H. v. Boyen« erregt, die F. Nippold in 3 Bänden (Leipz. 1889-90) herausgegeben hat; sie reichen bis zur Schlacht bei Leipzig und sind wegen der liberalen Anschauungen des Autors und seines freimütigen, wenn auch zuweilen einseitigen